Umwelt und WohnungsbauIn Maisach fehlen Bäume

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In Maisach hat es die Gemeinde versäumt, Bäume auf öffentlichem Grund zu pflanzen, die in Bebauungsplänen vorgesehen waren. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
In Maisach hat es die Gemeinde versäumt, Bäume auf öffentlichem Grund zu pflanzen, die in Bebauungsplänen vorgesehen waren. Die Gründe dafür sind vielschichtig.
Matthias Ferdinand Döring
  • Die Gemeinde Maisach hat versäumt, Bäume auf öffentlichem Grund zu pflanzen, die in Bebauungsplänen vor 2002 vorgesehen waren.
  • Nachpflanzungen führen zu Konflikten mit Anwohnern, die Schatten oder Laubfall fürchten - Unbekannte schnitten bereits alle Leittriebe neu gepflanzter Bäume ab.
  • Der Gemeinderat hat Richtlinien für künftige Baumpflanzungen beschlossen und will trotz Anwohnerprotesten bei geeigneten Flächen pflanzen.
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Die Gemeinde hat nicht gepflanzt, wo sie es eigentlich vorgesehen hatte. Das soll sich jetzt ändern. Der Bund Naturschutz schlägt vor, künftig höher zu bauen, dafür Platz für kleine Parks zu lassen.

Von Peter Bierl, Maisach

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Die Gemeinde Maisach hat vergessen, Bäume auf öffentlichem Grund zu pflanzen, die sie selbst in Bebauungsplänen vorgesehen hatte. Die Versäumnisse liegen weit zurück und seien erst aufgefallen, als Mitarbeiter der Verwaltung vor Ort im Einsatz waren, sagt Bauamtsleiter Patrick Ludwig. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) weist darauf hin, dass es größtenteils um Bebauungspläne aus den Jahren vor 2002 geht. „Wären die entsprechenden Bäume gepflanzt worden, wären diese heute 24 Jahre alt und hätten eine gute Wirkung. Positiv gesehen, haben wir jetzt die Möglichkeit weiteres Grün zu schaffen“, sagt er. Nachpflanzungen führen allerdings zu Konflikten. Baum-Management sei für Kommunen schwierig, sagt Eugenie Scherb, die Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN).

Wie viele Gewächse in Maisach fehlen, kann der Bauamtsleiter nicht sagen. Im Rahmen einer Aufarbeitung werde geprüft, ob und in welchem Umfang Bebauungspläne betroffen sind. Ursache für die Versäumnisse seien vor allem „bauliche Verhältnisse“. Pläne hätten sich geändert, weil Gehwege angelegt und Straßen verändert wurden, sodass für Baumpflanzungen wenig Platz blieb, manchmal habe es auch Probleme mit Leitungen im Boden gegeben.

„Die Gemeinde wird alle Bäume, die auf öffentlichen Grundstücken geplant sind, pflanzen“, kündigt er an. Genau wegen solcher Nachpflanzungen hatte es jedoch Ärger gegeben. Im Ortsteil Überacker fürchten einige Anwohner, dass die Bäume Schatten auf ihre Terrasse werfen. In einer Straße haben Unbekannte zur Selbsthilfe gegriffen und über Nacht die Leittriebe aller von der Gemeinde gepflanzten Bäume abgeschnitten. „Das ist fatal, denn dann gehen die Bäume ein“, sagt die BN-Kreisvorsitzende.

Scherb berichtet, dass es „überall und immer“ Ärger mit Nachbarn gebe. Deren Bedenken kann sie durchaus nachvollziehen, etwa wenn die Photovoltaikanlage auf dem Dach verschattet wird. „Es kommt auf kluges Management an, um Konflikte zu vermeiden“, sagt die Naturschützerin. Wichtig sei es, Laub- statt Nadelbäume zu pflanzen, weil erstere leichter zu beschneiden und kleinzuhalten seien. Die Baumscheiben müssten groß genug sein, damit die Wurzeln nicht den umliegenden Belag beschädigten, und unter dem Baum dürften keine Leitungen liegen, in die Wurzeln eindringen könnten.

Für den Bau mehrstöckiger Häuser und Platz dazwischen für kleine Parks plädierte Eugenie Scherb, Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz.
Für den Bau mehrstöckiger Häuser und Platz dazwischen für kleine Parks plädierte Eugenie Scherb, Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz.
Jana Islinger

Insgesamt sei es für die Kommunen eine teure, zugleich aber wichtige Aufgabe, so Scherb. Zumal Bäume infolge des Klimawandels und der sinkenden Grundwasserstände eingehen oder das Eschensterben die Bestände lichtet. Wie aufwendig und kostspielig der Erhalt sein kann, zeige die Versetzung einer hundertjährigen und etwa 20 Meter hohen Eiche in Fürstenfeldbruck im Herbst 2021, die einer Tiefgarage im Weg stand, erinnert Scherb. Grundsätzlich kritisiert die BN-Kreisvorsitzende, dass es „zu wenig Freiraum im bebauten Raum“ gebe. Es werde zu eng und gleichzeitig niedrig gebaut, statt mehrstöckige Gebäude zu errichten und dazwischen Platz für kleine Parks zu lassen.

Der Gemeinderat hatte sich bereits Mitte Juni mit dem Thema beschäftigt und die Verwaltung beauftragt, die Begrünung der verschiedenen Ortschaften der großen Kommune voranzutreiben. Gleichzeitig legte das Gremium dafür Richtlinien fest, erklärt der Leiter des Bauamtes. So müsse der Standort eines Baumes von Leitungen frei sein und die Bauminsel ein Volumen von mindestens zwölf Kubikmetern aufweisen, in dem sich die Wurzeln entwickeln können. Auch an die zunehmende Trockenheit hat das Gremium gedacht, so soll die Straßenentwässerung in der Vegetationszeit möglichst auf Bauminseln geleitet werden. Können diese Leitlinien nicht eingehalten werden, könne im Einzelfall von einer Bepflanzung abgesehen werden, sagt Ludwig.

Außerdem will der Gemeinderat Konflikte mit Anwohnern vermeiden. Wird der Baum weniger als zwei Meter von der Grundstücksgrenze eingepflanzt, soll eine Wurzelsperre mit mindestens 60 Zentimetern Tiefe eingebaut werden. Gleichzeitig gelte künftig aber eine klare Linie. Wenn Anwohner keine Bäume haben wollen, weil diese Schatten oder Laub auf ihr Grundstück werfen oder sie durch die Wurzeln Schäden fürchten, würde diese „nach vorhergehender Prüfung bei ausreichend großen und geeigneten Grünflächen trotzdem angepflanzt“, kündigt der Leiter des Bauamtes an.

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