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Maisach:Aufgeregte Krebse und behäbige Spinnen

Bei der "Spider World" im Bürgerzentrum Gernlinden schwankt die Stimmung der Besucher zwischen Grusel und Faszination. Vor allen die zahlreichen Kinder schauen sich die unbekannten Wesen mit besonderer Neugierde an

Vorsichtig erkundet Acanthoscurria geniculata das für sie fremde Terrain. Schritt für Schritt tastet sie sich mit ihren behaarten Beinchen voran. Das Gelände, auf dem das wegen ihrer auffälligen Gelenkfarbe auch Weißknievogelspinne genannte Tier sich langsam breit macht, ist der linke Unterarm von Ulrich Krause. Der bezeichnet sich eher als Arachnophobiker und will seiner Angst nun mit Frontalkonfrontation begegnen. Und tatsächlich entspannt sich sein Gesicht nach und nach sogar zu einem Lächeln.

Krause ist einer von etwa 30 Besuchern, die an diesem sonnigen Sonntagvormittag ins abgedunkelte Bürgerzentrum gekommen sind, um dort in die Welt der Spinnen und anderer Krabbeltiere einzutauchen, die Stephanie Riedesel und Albani Frank mit ihrer "Spider World" präsentieren. Beim Eintreten überkommt einige Besucher erst einmal ein mulmiges Gefühl. Was genau erwartet einen da in dem düsteren Raum? Doch mutig verteilt sich die Gruppe, wagt sich langsam an die zahlreichen Terrarien heran, die auf den Tischen aneinander gereiht sind. Bereits vor der ersten Scheibe heißt es genau hinschauen.

Denn dort versteckt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Meister der Tarnung: ein "Wandelndes Blatt", ein Insekt, das seinen Namen nicht von ungefähr hat. Hellgrün und genau in der Form der Blätter an den ins Terrarium gelegten Ästen, lässt es sich nur schwer ausmachen. Doch dann eine leichte Bewegung, das Insekt enttarnt sich sozusagen selbst. Und damit weicht das Unbehagen erst einmal und macht Platz für eine gewisse Bewunderung dafür, was die Natur alles hervorbringen kann.

Etwas weniger respekteinflößend, dafür aber wesentlich aktiver sind die im benachbarten Terrarium untergebrachten Fauchschaben aus dem fernen Madagaskar. Geräusche machen sie zwar nicht, dafür knabbern sie emsig an den bereit gestellten Salatblättern.

Vor allem die vielen Spinnen zeigen sich eher von ihrer faulen Seite. Einige liegen ruhig mitten in ihrem Terrarium herum, andere verstecken sich entweder in ausgehöhlten Baumstämmen oder gleich in dicht gesponnen Netzen, ganz so, als wollten sie sich einen Sichtschutz errichten. Selbst der Star der Show, die Goliath-Vogelspinne, mit zwölf Zentimetern Körpergröße und bis 30 Zentimeter langen Beinen die größte Vogelspinne der Welt, lässt es ruhig angehen. Sie sitzt quer auf der Ecke zwischen Boden und Wand.

Spiderworld

Neue Freunde: Ulrich Krause und eine Weißknievogelspinne.

(Foto: Günther Reger)

Mittlerweile ist die Stimmung aufgekratzt. Es sind vor allem Eltern mit ihren Kindern gekommen. Ab und an hört man aus einer Ecke einen spitzen Aufschrei oder eines der Kinder ruft: "Uhhh, der ist ja eklig". Insgesamt aber überwiegt die Faszination, mit großen Augen stehen die jungen Besucher vor den Scheiben und betrachten die Bewohner.

Als besonders unterhaltsam erweist sich dabei die Wanderkrabbe, die in ihrem kleinen Wasserbecken rhythmisch tänzelt und den Betrachter dabei direkt anzuschauen scheint. Damit die Besucher nicht nur etwas zu schauen, staunen und gruseln haben, findet sich an jedem Terrarium eine Kurzinformation über die Bewohner: Herkunft, optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit, Lebenserwartung, Nahrung, Körpergröße und Verhalten. Als "sehr schreckhaft" etwa werden die Landeinsiedlerkrebse aus der Karibik bezeichnet. Und tatsächlich, kaum nähert sich jemand ihrem Terrarium springen einige von ihnen auf und laufen aufgeregt von einer Seite zur anderen. Und irgendwie erinnern sie dabei mit ihren großen Augen an Figuren aus einem Zeichentrickfilm.

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