Mahnung Ohne Bienen ist alles nichts

Walter Dürl ist Vorsitzender des Imkervereins Fürstenfeldbruck und Umgebung. Der Imker aus Türkenfeld erklärt seit Jahren, was die Bienen brauchen, um weiterhin als Bestäuber wirken zu können.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Imker Walter Dürl weiß, was die Insekten benötigen

Von Ingrid Hügenell, Türkenfeld

Ohne Bienen wird es auch für die Menschen eng. Wer also die Schöpfung bewahren will, muss bei den Bienen, besser gesagt, bei allen Insekten anfangen. Honigbienen, Hummeln und andere Insekten bestäuben 80 bis 85 Prozent aller Nahrungspflanzen: Äpfel und Kirschen ebenso wie alle anderen Obstarten, Tomaten und Zucchini, Erbsen, Bohnen und auch Erdbeeren oder Melonen. Überdies sind Insekten und ihre Larven die Nahrungsgrundlage vieler Vögel - fast alle füttern ihre Jungen mit Insekten.

Doch die Insekten sind gefährdet, wie auch Walter Dürl weiß, der Vorsitzende des Imkervereins Fürstenfeldbruck und Umgebung. Zwar sind seine 20 Bienenvölker diesmal gut durch den Winter gekommen. Doch die Honiglieferanten sind weiter bedroht. Da ist noch immer die Varroa-Milbe, ein Schädling, der parasitisch an den Bienen lebt. Zum anderen gibt es eine Reihe weiterer Probleme, die den sechsbeinigen Haustieren und ihren wilden Verwandten das Leben schwer machen.

Es fehle eine ganzjährige, zuverlässige Ernährungsgrundlage, sagt Dürl. Auf den Wiesen gebe es keine Blumen mehr: "Wir haben großflächig grüne Wüsten." Zudem werde im Landkreis immer mehr Mais für Biogasanlagen angebaut, der für Bienen keine gute Futterpflanze ist. Selbst das Greening, die Verpflichtung für die Bauern, im Herbst blühende Pflanzen wie Senf, Ölrettich oder Sonnenblumen anzubauen, sieht Dürl kritisch. "Das sind durchwegs hochwertige Futterpflanzen. Aber sie kommen zu spät", sagt er. Denn sie blühen erst spät im Herbst. Sei es dazu warm, würden die Bienen verleitet, im Oktober und November zu viel auszufliegen. Die Winterbienen, die eigentlich bis zum Frühling aushalten sollten, "sind dann abgekämpft und sterben früher weg". Im Frühjahr fehlen sie für die Aufzucht der Sommerbienen. Besser für die Bienen wäre es, wenn die Greening-Pflanzen drei bis vier Wochen früher blühen würden.

Natürlich spielten auch Pestizide eine Rolle, sagt Dürl. Nicht nur die, die von Bauern ausgebracht würden. Jeder Hobbygärtner könne sich im Baumarkt Gifte kaufen, auch solche, die für Landwirte verboten seien.

"Wir brauchen zusammenhängende Flächen, auf den etwas blüht. Je mehr, desto besser", sagt Dürl, und das von März bis September. Projekte wie "Brucker Land blüht auf" oder die Maßnahmen der Gemeinde Maisach, die auf ihren Flächen auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, hätten nur Sinn, wenn sie komplett entsprechend geplant seien. Dürl zufolge kann auch jeder einzelne etwas tun, in seinem Garten oder auf seinem Balkon. Wer auf heimische Pflanzen setzt, hilft Insekten und Vögeln. Statt der gelb blühenden Forsythie, die keinerlei Nahrung bietet, könne man die ebenfalls gelbe Kornelkirsche pflanzen, eine gute Bienenweide. Auch die Berberitze nennt Dürl als Beispiel für eine insektenfreundliche Heckenpflanze.

Viel Nektar und Pollen haben auch alle Küchenkräuter wie Borretsch, Thymian, Salbei oder Zitronenmelisse, ebenso Zwiebelgewächse wie der Schnittlauch - wenn man ihn blühen lässt. Gute Futterpflanzen, die spät blühen, sind etwa die Fette Henne und wilder Efeu. Gut für Insekten, aber auch Eidechsen: Steinhaufen, die im Garten aufgeschichtet sind, Laubhaufen, die über den Winter liegen bleiben. Kurz geschorener Rasen dagegen, Hybridpflanzen oder gefüllte Blüten bieten Bienen und anderen Insekten keine Nahrung. Japangärten nennt Dürl "reine Totflächen". Er empfiehlt die Internet-Seiten der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, wo man Tipps für insektenfreundliche Bepflanzungen findet. Auch der Landesbund für Vogelschutz gibt entsprechende Informationen.