Logistik Bücher auf dem Gabelstapler

Mit dem Gabelstapler werden die Bücher Palettenweise vom Hubwagen gehoben und auf einen wartenden Gerätewagen in der Turnhalle gesetzt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Erstmals müssen die Organisatoren des Gröbenzeller Flohmarkts Geld für die Vorbereitungen der Großveranstaltung ausgeben. Schließlich gilt es, 80 000 Exemplare zu sortieren und vom Lager in die Dreifachturnhalle zu transportieren

Von Ariane Lindenbach

Ein gutes Dutzend Helfer, darunter viele Jugendliche, tummelt sich vor der offenen Hintertür der Dreifachturnhalle. Den Weg hinaus versperrt ein leerer Gerätewagen. Jetzt kommt von draußen der Gabelstapler mit der nächsten Palette voller Bücher angefahren. "Noch ein bisschen nach rechts", ein Man weist dem Staplerlenker per Handzeichen den richtigen Weg. Dann sitzt die schwere Fracht richtig auf dem Wagen. Das Grüppchen setzt sich mit einem Mal in Bewegung, während der Gabelstapler die nächste Palette voller Bücher auflädt. Noch haben die etwa 70 Helfer eineinhalb Tage Zeit, um die 150 Biertische in der Wildmooshalle und die anderen Tische im Saal, wo zum ersten Mal Schallplatten und DVDs verkauft werden, zu bestücken. Bis zum Start des 28. Gröbenzeller Bücherflohmarkts haben die Helfer sogar noch drei Tage Zeit.

Allerdings ist dieses Mal manches anders, zum Beispiel arbeiten die Veranstalter vom Verein Gröbenzell hilft zum ersten Mal mit Gabelstaplern, Hub- und Gerätewagen. Und das hat viel mit der Örtlichkeit zu tun, wo in diesem Jahr die rund 80 000 Bücher sortiert und gelagert wurden: dem Keller des früheren Möbelgeschäfts Fahr. Den mussten die Organisatoren anmieten, ebenso den Gabelstapler, die sechs Hubwagen und noch manches andere. "Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, sagt die Gemeinde, und da müssen wir auch Geld in die Hand nehmen", erläutert Renate Müller. Und so werden die Veranstalter in diesem Jahr etwa 3000 Euro ausgeben, bislang war es etwa ein Zehntel. "Wir waren immer sehr sparsam", sagt Müller, die mit Christa Bumeder den Verein leitet.

Die gestiegenen Unkosten haben allerdings auch positive Nebeneffekte - zum Beispiel die Hubwagen. Wie Renate Müller und Regina Meiler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, erläutern, konnten sie die zum ersten Mal einsetzen, schlicht weil sie diesmal einen einzigen 400 Quadratmeter großen Raum mit Fenstern zum Sortieren der Bücher hatten. In der Vergangenheit hatten die Helferinnen mal im Keller des Bürgerhauses, zuletzt im alten Rathaus wochenlang sortiert. Für Hubwagen, so Müller, "war da kein Platz".

Ein weiterer Vorteil der angemieteten Räumlichkeiten ist, dass dort auch die Annahme der Bücher Anfang Januar erfolgte. Früher nahmen die Organisatoren die Bücher oft an anderen Orten entgegen als sie dann später sortiert wurden, 2018 etwa im Bürgerhaus, was einen weiteren Transport der 80 000 Bücher erforderlich machte. Und das erfordert jedes Mal Zeit und Geld und Arbeitskraft. Diesmal, berichtet Meiler, konnten sie die Kisten an der Laderampe von Möbel Fahr entgegennehmen, auf Hubwagen stapeln und per Aufzug in den Keller schicken.

Wochenlang sortierten die ehrenamtlichen Helfer die gespendeten Bücher, die übrigens inzwischen auch schon mal aus dem Süden oder Osten von München bis nach Gröbenzell gefahren werden. "Ohne unsere Sortiererinnen geht es nicht", unterstreicht Meiler. Schließlich sei die Einteilung in 200 Kategorien "Teil unseres Erfolges". Im Lauf der Jahre, ergänzt Müller, habe man regelrechte Spezialisten für verschiedene Bereiche gewinnen können, zum Beispiel einen Physiker für naturwissenschaftliche Themen.

Überhaupt wäre die gesamte Veranstaltung ohne all die Helfer nicht machbar. Wobei auffällt, dass etwa gleich viele unter 20- wie über 60-Jährige in der Wildmooshalle zugange sind. So haben sich den Gröbenzeller Pfadfindern, die schon seit vielen Jahren zum Gelingen des Bücherflohmarkts beitragen, noch weitere Pfadfinder angeschlossen, hinzu kommt erstmals eine zehnköpfige Ehrenamtsgruppe vom Gymnasium Gröbenzell sowie etliche Helfer von Campo Limpo; der Puchheimer Verein kooperiert schon lange mit den Veranstaltern vom Bücherflohmarkt. Und die Vielfalt ist wichtig, wie Müller erklärt: "Wir haben viele Talente", einer könne einen Lkw fahren, ein anderer Gabelstapler. Das Beste aber, betont Meiler mit Blick auf den Büchertransport vom ehemaligen Möbelgeschäft in die Dreifachturnhalle des Freizeitheimes: "Die Bücher sind jetzt vorsortiert." Tatsächlich ist der Lesestoff nicht nur in Bananenkisten säuberlich in eine der 200 Kategorien eingeordnet. Sondern auch die Paletten, auf denen die Kisten gestapelt werden, folgen dieser Ordnung.

Ganz konkret lässt sich beobachten, was das bedeutet, wenn wieder eine Palette an der Hintertür auf den Gerätewagen geladen wird. Das wartende Grüppchen, etwa ein halbes Dutzend, umzingelt den Wagen und schiebt ihn gemeinschaftlich zum jeweiligen Platz in der Halle. Dort ist dann beispielsweise auf der einen Seite des Ganges Platz für Kochbücher, auf der anderen für Reiseführer. Kaum steht der Wagen am Zielort, schnappen sich die Helfer jeder eine Kiste und tragen sie zu einem freien Platz am entsprechenden Tisch. Das Ganze dauert nicht einmal fünf Minuten. Die mühevolle Geistesarbeit hinter diesem logistischen Glanzstück hat übrigens Renate Müller geleistet, wie Meiler verrät.

28. Gröbenzeller Bücherflohmarkt; Wildmooshalle; Samstag, 9. März, 10 bis 17 Uhr; Sonntag, 10. März, 10 bis 16 Uhr