Lob für Siegerentwurf:Schön abgerundet

Renommiertes Münchner Architekturbüro Auer und Weber gewinnt Wettbewerb für die neue Stadtmitte von Puchheim. Zweistöckige Bauten ohne Ecken, die die Alte Schule einbeziehen und Platz für alles bieten, überzeugen die Jury

Von Peter Bierl, Puchheim

Das international renommierte Architekturbüro Auer Weber hat den Realisierungswettbewerb für die Stadtmitte Puchheim gewonnen. Die Münchner Architekten seien von der Jury einstimmig gekürt worden, berichtete Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Der zweite Platz ging an Raupach und Kunze, gefolgt von Leupold, Brown und Goldbach, beide Büros sind ebenfalls in München ansässig.

Die Ortsmitte von Puchheim wird umgestaltet, ein zentrales Projekt ist der Neubau von Stadtbibliothek, Musikschule und Volkshochschule. Dafür sind drei Gebäude südöstlich neben der Alten Schule an der Adenauerstraße vorgesehen. Der Stadtrat hatte dafür im November einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Zwölf Architekten reichten Vorschläge ein, darunter ein Büro aus Italien. Die siebenköpfige Jury aus Architekten und Kommunalpolitikern hat die Vorschläge am 6. Juni diskutiert und die Preise vergeben.

1. Preis Arbeiten beim Wettbewerb Stadtmitte Puchheim

Auf dem ersten Platz des Wettbewerbs für die drei Neubauten im Puchheimer Zentrum landet dieses Modell.

(Foto: Privat)

Was das Gremium am Entwurf von Auer Weber überzeugte, ist, dass die Gebäude nur zweigeschossig sind, mit einem dritten Stock auf einem der Häuser für einen Vortragssaal der Volkshochschule. Dadurch wird die Alte Schule ins Ensemble eingebunden. Möglich wären bis zu vier Stockwerke. Die Abstände zu den Neubauten seien zwar gering, aber weil deren Ecken abgerundet seien, wirke das Gesamtbild nicht einengend, heißt es in der Begründung.

Der Vorsitzende der Jury, der Architekt Ulrich Holzscheiter, Professor an der Hochschule München, pries den Entwurf als "bravourös" und großen Wurf. "Mir gefallen die organischen Formen, aber auch die Holzfassade", sagte Bürgermeister Seidl. Die Architekten hätten viel Verständnis für die Situation vor Ort entwickelt. Die Alte Schule liegt vielen Puchheimern am Herzen, weshalb sich eine Bürgerinitiative formierte, als in einer frühen Phase der Zentrumsplanung ihr Abriss erwogen wurde. Er habe die Horizontale und damit die Nahbarkeit der Einrichtungen stärken wollen und deshalb nur zwei Geschosse vorgesehen, sagte Moritz Auer, der bei der Konferenz im Kulturzentrum Puc anwesend war. Das erspare den Besuchern, viele Stockwerke überwinden zu müssen. Durch die runden Ecken und die Holzfassade habe man eine Formensprache entwickelt, die eine eigene Identität und einen starken Wiedererkennungswert besitze.

2. Preis Arbeiten beim Wettbewerb Stadtmitte Puchheim

Platz 2.

(Foto: Matthias F. Döring)

Obwohl Auer und Weber auf Stockwerke verzichteten, werde der Raumbedarf gedeckt, versicherte der Bürgermeister. Es blieben Räume übrig, die je nach Bedarf etwa für Gastronomie, aber auch Gewerbe genutzt werden könnten.

Zu den aktuellen Projekten des Büros Auer und Weber zählen das neue Empfangsgebäude für den Münchner Hauptbahnhof, der Umbau des Stadtmuseums München sowie der Bildungscampus in Freiham. In Frankreich haben die Architekten Sportstätten wie das Stadion in Aix-en-Provence konzipiert. Das Büro hat in den frühen Neunzigerjahren auch die Stadthalle und die Stadtbibliothek in Germering entworfen.

3. Preis Arbeiten beim Wettbewerb Stadtmitte Puchheim

Platz 3.

(Foto: Matthias F. Döring)

Viel Lob gab es auch für den Zweitplatzierten, die Architekten Raupach und Kunze. Die Gebäude seien gut proportioniert, die Alte Schule freigestellt. Zusätzliche Terrassen bei Musikschule und Volkshochschule wurden gewürdigt. Die im Masterplan vorgesehene Straße der Kulturen werde zwar unterbrochen, in dem die Musikschule nach Osten verschoben ist. Doch dadurch entstünde eine neue zentrale Mitte als Platz der Kulturen, der eine hohe Aufenthaltsqualität verspreche. Allerdings rücke die Volkshochschule zu weit an den Rand ins Abseits, wie der Jury-Vorsitzende Holzscheiter sagte.

Pressekonferenz Architektur Wettbewerb Puchheim im Kulturzentrum PUC

Juryvorsitzender Ulrich Holzscheiter (von links), Bürgermeister Seidl und Till Fischer, der das Verfahren betreute, präsentieren die Modelle.

(Foto: Matthias F. Döring)

Im Entwurf des Büros Leupold, Brown und Goldbach wird die Musikschule ebenfalls verschoben und die Straße der Kulturen um das Haus herumgeführt. Das südliche Gebäude ist über eine Terrasse direkt an ein Parkdeck angeschlossen, das durch einen geplanten Umbau der Kennedywiese entstehen soll. Positiv würdigte die Jury, dass die Zugänge zur Adenauerstraße sowie zwischen Alter Schule und Pfarrhaus platzartig geweitet wurden, wodurch "eine wohltuende räumliche Verbindung" zum Jugendzentrum und zum Grünen Markt entstehe. Kritisiert wurden hingegen die vielen Vor- und Rücksprünge an allen Gebäuden, die ebenso wie die vielfach gefaltete Dachlandschaft zu "Unruhe im architektonischen Gesamtbild" führten. Nach den Vergaberichtlinien muss der Stadtrat einen der drei Siegerentwürfe nehmen, wenn die Gebäude gebaut werden sollen. Die Verhandlungen mit den Preisträgern werden im Herbst geführt. Nächstes Jahr werde der Stadtrat einen Bebauungsplan für das Areal aufstellen und erlassen, kündigte Bürgermeister Seidl an.

Die Entwürfe der Sieger sowie von zwei Architekten, die eine Anerkennung bekamen, sind bis Freitag, 5. Juli, im Puc ausgestellt. Sie können während der Öffnungszeiten, am Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr, am Donnerstag auch von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden.

© SZ vom 03.07.2019
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