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Let it be light:Leuchten im Brucker Westen

Mit zwei Lichtinstallationen wird ein neuer Skulpturenpfad in der Kreisstadt eröffnet. Es ist eine Erweiterung des bestehenden Weges rund um das Kloster. Weitere Kunstwerke sollen folgen

Von Florian J. Haamann

Ein Kunstwerk, das nur so richtig zur Geltung kommt, wenn mehrere Menschen dort zufällig aufeinandertreffen oder es ganz geplant gemeinsam besuchen. Die Idee hinter der Installation "Let it be light", klingt zwar nicht gerade Lockdown-freundlich, ist aber dennoch Maßnahmenkonform. Vor allem aber soll die Installation auch dann noch stehen, wenn sich irgendwann wieder so etwas wie eine Normalität eingestellt haben wird. Seit wenigen Tagen nun steht das Kunstwerk von Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer an der Fürstenfeldbrucker Cerveteristraße, kurz hinter dem neuen Stadtwerkegebäude, etwa 100 Meter in Richtung Buchenau.

Die Installation besteht aus vier Lichtstelen, die jeweils im Abstand einer Armlänge im Quadrat aufgestellt sind. Beleuchtet werden sie allerdings erst, wenn ein Mensch sich dazwischen stellt und zwei der Stelen gleichzeitig berührt. Um die komplette Installation zum Leuchten zu bringen, sind also drei Besucher notwendig. Und so fördert "Let it be light" genau das, wofür Kunst im öffentlichen Raum gedacht ist: die Begegnung von Menschen, den Austausch, die gemeinsame Beschäftigung mit Kunst. In seiner aktuellen Form weicht das Werk noch einmal davon ab, wie es bei der Vorstellung der Pläne im Mai ausgesehen hat. Damals war es noch mit drei Stelen geplant und sollte den Titel "Let three be light" tragen.

Anfassen erwünscht: Das Kunstwerk von Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer leuchtet erst, wenn man zwei der Stelen miteinander verbindet.

(Foto: Günther Reger)

Die Installation von Pfeifer und Kreutzer ist das zweite von vier Kunstwerken, die künftig Teil den Brucker Skulpturenpfad in de Westen erweitern sollen. Bisher konzentrieren sich die bereits aufgestellten Skulpturen noch auf den Bereich zwischen Kloster und Amper. Irgendwann einmal sollen sie vom Kloster aus in alle Richtungen der Stadt führen. Das Besondere an den vier neuen Werken ist, dass es sich bei ihnen ausnahmslos um Lichtskulpturen handelt. Ausgewählt worden sind sie von einer Jury, bestehend aus dem ehemaligen Kulturreferenten Klaus Wollenberg, Brucks Hauptamtschef Roland Klehr und Kurator Gerhard Derriks

Auch die erste Installation des neuen Quartetts ist vor wenigen Tagen aufstellt worden, direkt neben dem Stadtwerke-Gebäude. Die Arbeit mit dem etwas sperrigen Titel "VIII 2019" stammt von Siegfried Kreitner. Es ist eine Stele mit vier Solarelementen, die das einfallende Sonnenlicht in Strom umwandeln. Damit werden die vier Module bewegt. Pro Seite gibt es eines davon, darunter oder darüber ist jeweils ein ebenfalls quadratisches, goldenes Feld angebracht. Ein Teil der Energie wird in einem kleinen Akku gespeichert, so dass sich die Kunstwerk auch in der Dunkelheit bewegen. Und auch die blaue Beleuchtung lässt sich erst so richtig nach Sonnenuntergang erkennen. Das energieautonome Kunstwerk soll den Betrachter für das Thema Klimawandel sensibilisieren, eine Beschäftigung mit erneuerbarer Energie herausfordern.

Siegfried Kreitners Skulptur erzeugt den Storm, den sie für die Bewegung der Paneele braucht, selbst.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Skulpturen Nummer drei und vier sollen in den kommenden Wochen aufgebaut werden. Sie alle werden dann bis Sommer 2021 in der Öffentlichkeit zu sehen sein. Danach haben die Bürger das Wort. Denn eines der Werke will die Stadt ankaufen und dauerhaft an seinem Standpunkt präsentieren. Welches, darüber dürfen die Brucker online abstimmen. Eine zweite Skulptur wird die Kulturstiftung Derriks erwerben und der Stadt als Dauerleihgabe überlassen. Gerhard Derriks, der mit seiner Frau Anneliese die Stiftung leitet, ist die treibende Kraft hinter dem Projekt und den Brucker Skulpturenpfaden.

© SZ vom 27.11.2020
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