Landwirtschaftliche Pflege Den Boden bereiten

Wildschweine haben die Wiese an der Bundesstraße 2 zerwühlt. Sie waren auf der Suche nach Nahrung.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Düngen, pflügen, eggen: Auf Acker und Wiese muss Georg Huber sorgfältig vorgehen um Strukturschäden zu vermeiden

Von Ingrid Hügenell

Langsam ruckelt der Schlepper mit dem schweren Anhänger über das Feld am Mondscheinweiher in Puchheim. Hinten und an den Seiten spritzt Mist heraus. Auf dem Acker, mit 4,5 Hektar etwa so groß wie sechs Fußballfelder, soll heuer Sommertriticale, eine Getreideart, wachsen. Im Führerhaus des Traktors sitzt Georg Huber. Im März setzt der Bauer, ganz wie im Volkslied, seine Felder und Wiesen instand. Er bearbeitet den Boden so, dass wieder neue Pflanzen wachsen können. Die Äcker sollen von feinkrümeliger Erde bedeckt und gut mit Nährstoffen versorgt sein, damit die Samen aufgehen und mit allem Nötigen versorgt werden. Auf den Wiesen beseitigt er Schäden, die Tiere und Frost hinterlassen haben. Dem Acker, einem anmoorigen Standort, haben die Minusgrade gut getan, der Bauer spricht von "Frostgare".

Huber hat natürlich keine Rösser eingespannt. Der Schlepper, der den Anhänger voll Mist zieht, hat 150 Pferdestärken und verfügt, anders als ein Pferdegespann, über einen Bordcomputer. Der 44-jährige Landwirt hat den Tempomaten auf 4,5 Stundenkilometer eingestellt. So landet gerade genug Mist auf dem Feld. Die richtige Vorbereitung des Bodens entscheidet wesentlich darüber, wie die Ernte ausfällt. Der Mist versorgt die Getreidepflanzen mit Nährstoffen. Weil zu viel Dünger, vor allem der Stickstoff darin, aber Boden, Gewässer und auch Trinkwasser belastet, müssen die Bauern seit einigen Jahren genau dokumentieren, wie viel sie ausbringen. Für jedes Feld und jedes Jahr werde der Bedarf berechnet, erklärt Huber. Die Bauern, egal ob konventionell oder ökologisch, müssen für den ganzen Hof eine Nährstoffbilanz machen. "Alles, was weggeht vom Betrieb, muss bilanziert werden", erklärt Huber. "Jeder Liter Milch, jedes Ei, jeder Halm Stroh." Und auch alles, was dazu kommt an Mist, Dünger und Kompost, werde mit Belegen dokumentiert. "Viele geben das aus der Hand, das ist ein komplizierter Vorgang." Denn es gibt Kontrollen, fünf Prozent der Betriebe werden pro Jahr überprüft, in einzelnen, jährlich wechselnden Regionen sind es 25 Prozent. Immer wieder stoppen Kontrolleure Landwirte sogar auf dem Feld und ziehen Proben aus den Tanks. "Das ist nicht mal so selten", sagt Huber. Wer ordentlich arbeite, habe nichts zu befürchten. Dennoch führten die vielen Vorschriften und Kontrollen bei den Bauern zu Unbehagen und Frustration, weiß der Kreisobmann.

Der Anhänger fasst etwa 20 Kubikmeter Pferdemist, ungefähr zwölf Tonnen. Es ist der Mist der Pferde auf dem Kreuthof. Siebenmal muss Huber mit einem vollen Anhänger zu seiner gepachteten Fläche fahren. Würde Huber noch konventionell mit Kunstdünger oder Gülle arbeiten, das Düngen des Felds wäre in einem Arbeitsgang erledigt. Er müsste auch nur einmal durch Straßen und Feldwege zu der gepachteten Fläche fahren und würde entsprechend weniger Dreck hinterlassen.

Obwohl es einige Tage nicht geregnet hat, klebt Erde an den riesigen Traktorreifen, und die bleibt bei der Heimfahrt auf der Straße. Die Reifen sowohl am Schlepper wie auch am Anhänger sind extra breit und wenig aufgepumpt. So wird der Boden weniger verdichtet. Außerdem achtet Huber darauf, dass er immer versetzt fährt, nie zweimal in der selben Spur. Zu viel Gewicht verdichtet den Boden. Die wasserführenden Kapillaren in der Erde werden zusammengedrückt. In schlimm verdichteten Böden bekommen die Pflanzen nicht genug Wasser. Bei starkem Regen fließt es nicht ab. Strukturschäden im Boden, die bei der Bearbeitung im Frühjahr passierten, ließen sich das ganze Jahr über nicht reparieren, erklärt Huber. Die Folge: Ertragseinbußen. Das ist der Grund, warum Bauern im Frühling nachts, wenn es Frost hat, zum Düngen auf die Felder fahren. Auf gefrorenem Boden verursachten die schweren Maschinen keine Schäden, erklärt Huber. Erlaubt ist das aber nur, wenn der Boden tagsüber auftaut und den Dünger auch aufnehmen kann.

Wann der Bauern welche Arbeiten erledigen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Das Wetter muss passen, der Boden befahrbar sein, also nicht zu feucht. Huber besitzt, bei viele Landwirte, den Anhänger zum Mistbreiten nicht selbst. Denn der kostet etwa 30 000 Euro, die Anschaffung würde sich nicht lohnen. Also leiht er ihn aus, wenn er verfügbar ist. Huber hat zudem als Kreisobmann viele Termine, dazu kommen Fortbildungen. Wenn also alles passt, muss er aufs Feld fahren, egal ob unter der Woche oder am Sonntag.

Auf dem Acker am Mondscheinweiher stehen noch die braunen Reste von Ölrettich, Sommergerste, Wicken und Alexandrinerklee. Sie sind im kalten Winter abgefroren, dienen der Gründüngung und lockern durch ihre Wurzeln den Boden auf. Der Mist samt den Resten der Zwischenfrucht wird in den Boden eingepflegt. Beim Pferdemist kann Huber sich Zeit lassen. Wer Gülle ausbringt, muss sie binnen vier Stunden unterpflügen. Dann stinkt es nicht so, und der Dünger kommt wirklich in den Boden, wo er hingehört, und nicht in die Luft, erklärt Huber. Ein unangenehmer Geruch, der nach dem Düngen in der Luft liegt, geht vor allem auf Ammoniak zurück, eine Stickstoffverbindung, und der Stickstoff ist ein wichtiger Pflanzennährstoff. Nach dem Pflügen wird der Schlag am Mondscheinweiher abgezogen, dann kann das Saatgut in den Boden.

Huber hat auch eine Wiese an der Bundesstraße 2, die dringend instand gesetzt werden muss. Er steht neben einem fast kniehohen Maulwurfshügel, einem von hunderten. Daneben laufen wenige Zentimeter schmale Wege durchs Gras, die wie Miniaturtrampelpfade aussehen. Die haben Mäuse hinterlassen, die sich im heißen Sommer 2018 stark vermehren konnten. Durch wechselnde Fröste hat sich die Grasnarbe stellenweise aufgewölbt, die Wurzeln der Pflanzen verlieren so den Kontakt zum Boden und können kein Wasser aufnehmen - sie vertrocknen.

Den schlimmsten Schaden aber haben Wildschweine angerichtet. Sie durchwühlen mit ihren Rüsseln den Boden auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Käferlarven. Nun liegt die schwarze Erde nackt da, darauf lose Grasbüschel. Der Bauer muss walzen, glätten und neues Gras säen, damit die Wiese eine Wiese bleibt und später im Heu für die Pferde keine Erde ist. Dann nämlich kann man es nicht verfüttern. Auch die Wiese kann Huber erst bearbeiten, wenn der Boden trocken genug ist.

Auf dem Rückweg geht es an einem weiteren von Hubers Feldern vorbei. Dort wächst Wintertriticale, es wurde im Herbst gesät. An einigen Stellen sieht das junge Getreide krank aus, es ist heller als es sein sollte. "Manganmangel", erklärt Huber. Das Spurenelement wird er zuführen müssen. "Nicht immer, wenn der Bauer mit der Feldspritze draußen ist, spritzt er Gift", sagt er. "Oft ist es auch ein notwendiger Nährstoff."