Landwirtschaft:Hoffen auf sonnigere Tage

Landwirtschaft: Mit der Wintergerste hat im Landkreis die diesjährige Ernte begonnen. Wenn es trocken ist, müssen die Landwirte jede Stunde für die Feldarbeit nutzen. Dieser Mähdrescher ist in Malching unterwegs.

Mit der Wintergerste hat im Landkreis die diesjährige Ernte begonnen. Wenn es trocken ist, müssen die Landwirte jede Stunde für die Feldarbeit nutzen. Dieser Mähdrescher ist in Malching unterwegs.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kälte im Frühjahr und zu viele Niederschläge lassen Maispflänzchen faulen, Kartoffeln verpilzen. Landwirte im Landkreis erwarten daher maximal eine durchschnittliche Ernte

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

Mit der Wintergerste hat die Ernte im Landkreis begonnen. Das Wetter macht es den Bauern auch dieses Jahr schwer. Durch die Kälte im Frühling verzögerte sich die Aussaat, die Feldfrüchte wuchsen langsam. Insgesamt war es zu feucht, weshalb viele Böden schlecht zu befahren waren.

Auch die Ernte leidet unter der Feuchtigkeit, wie Marianne Heidner, Leiterin der Landwirtschaftsabteilung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) berichtet. Einige Bauern hätten die Wintergerste feucht geerntet und gedroschen, aus Sorge, das Getreide könne am Halm auskeimen. Dann wäre es kaum noch zu gebrauchen. Die feucht geernteten Körner müssen mit hohem finanziellen und energetischen Aufwand getrocknet werden.

Mit zu viel Regen hatten dieses Jahr vor allem die Landwirte im Westen des Landkreises zu kämpfen. Dort herrschen schwere, also lehmige Böden vor, die das Wasser schlechter durchlassen als eher kiesige Böden. "Für unsere Gegend ist es ein sehr schwieriges Jahr", sagt Landwirt Alexander Rasch aus Hörbach. Teilweise sei der Oberboden so mit Wasser gesättigt gewesen, dass weitere Niederschläge nicht mehr hätten versickern können, berichtet er. Mit starker Bodenverdichtung habe das eher nichts zu tun. Das stehende Wasser auf den Flächen habe vor allem den jungen Maispflanzen geschadet, die teilweise verfault seien. Durch die Nässe waren die Böden zudem schlecht zu befahren, und wegen der langen Kältephase im Frühjahr begannen die Pflanzen erst spät zu wachsen. Noch ist der Mais aber nicht reif, er wird im Herbst geerntet.

"Die Wintergerste ist bei uns stark unterdurchschnittlich", sagt Rasch. Der Weizen schaue ganz gut aus, bei Raps und Mais könne er die Lage noch nicht beurteilen. Zur Blütezeit des Raps im Frühjahr habe es aber wenig Sonne und oft Regen gegeben. Ob unter diesen Umständen die Bestäuber-Insekten ihrer Aufgabe nachkommen konnten und sich ausreichend Samenkörner gebildet haben, bleibe abzuwarten.

Der Schwerpunkt von Raschs Betrieb liegt auf der Milchviehhaltung, das Futter für seine 55 Kühe erzeugt er überwiegend selbst. Auch hier war die Ernte schwierig. Der erste Schnitt auf den Wiesen habe wegen des Wetters erst verspätet stattfinden können, sagt er. "Wir haben viel Masse, aber eher dürftige Qualität." Je länger das Gras steht, um so mehr Fasern bildet es, der Gehalt an wertvollem Eiweiß und Energie geht zurück.

Etwas besser sieht es im Osten des Landkreise aus, wo die durchlässigeren Kiesböden mit den vielen Niederschlägen eher zurechtkommen. "Von schwerem Hagel und Starkregen sind wir heuer verschont worden", sagt der Puchheimer Ackerbauer Georg Huber. Dennoch erwartet er "maximal eine durchschnittliche Ernte". Vor allem das Getreide habe zu wenig Sonnenschein bekommen, sein Hafer habe den ganzen Mai hindurch "nasse Füße" gehabt. Den Rückstand im Wachstum durch den kalten Frühling habe die Vegetation aber fast aufgeholt. Der Mais habe stellenweise sehr unter den Saatkrähen gelitten, "da gibt es ganz massive Probleme".

Als Kreisobmann des Bauernverbands ist Huber gut auch über die Feldfrüchte informiert, die er selbst nicht anbaut. Durch die hohe Feuchtigkeit litten die Kartoffeln häufig unter Pilzbefall, berichtet er. "Die konventionellen Kollegen spritzen ein Fungizid nach dem anderen." Die Zuckerrüben seien vielerorts wegen der langen Kälte zu langsam gewachsen, sodass das Unkraut überhand genommen habe. Die Bauern hätten versucht, dem durch Hacken beizukommen. Aber auch dafür müsste es trocken sein, damit man die Böden befahren kann ohne große Schäden anzurichten.

Huber, seit kurzem Bio-Bauer, baut in diesem Jahr erstmals auch Soja für den menschlichen Verzehr an, versuchsweise auf einer Fläche von 2,5 Hektar. Diese und auch die Sojapflanzen fürs Tierfutter seien "so schön wie noch nie", freut sich Huber. Speisesoja sei aber ein Wagnis, die Sorte reife noch später als Futtersoja.

Die Landwirte wünschen sich nun das, worauf wohl auch alle anderen Menschen hoffen: Endlich mal Sommer. Marianne Heidner sagt: "Wenn wir jetzt zwei oder drei Wochen schönen Sommer bekommen, reift das Getreide."

Gar kein Regen mehr wäre aber auch nicht gut. Huber weist auf die Probleme hin, die es geben könnte, wenn es jetzt zu trocken würde. Weil es bisher so feucht war, hätten die Pflanzen kaum tiefe Wurzeln ausgebildet, das sei schlicht nicht nötig gewesen. Bei Trockenheit könnten sie nun nur schwer Wasser aus tieferen Bodenschichten ziehen. Dennoch sagt auch er: "Einfach mal Sommer, da hätten wir nichts dagegen." Und dazu ab und an ein leichtes, nächtliches Gewitter.

© SZ vom 27.07.2021
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