Landwirtschaft Eichenau lehnt Öko-Projekt ab

Rund um Eichenau gibt es noch genügend Anbauflächen, nur Landwirte gibt es in der Gemeinde selbst nicht mehr. Als eine von mehreren Gemeinden hätte Eichenau an einem Modellprojekt teilnehmen zum Ökolandbau können.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Landwirtschaftsministerium lobt einen Wettbewerb für die Förderung des Biolandbaus in der Region aus. Doch die Mehrheit im Ferienausschuss will sich nicht mit anderen Kommunen im Landkreis daran beteiligen

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Vier Jahrzehnte lang war ein großer Lebensmittel-Discounter mit einem riesigen Logistikzentrum im Eichenauer Gewerbegebiet vertreten, und genau dort werden weiterhin Lebensmittel für Hotels und Gastronomie in großen Mengen umgeschlagen. Auf den Feldern rund um die Gemeinde wachsen alle möglichen Getreide und der Mais, im Ort selbst gibt es Anbauflächen für die berühmte Eichenauer Pfefferminze. All das hätte in die "Öko-Modellregion Brucker Osten" gepasst, ein Modellprojekt des bayerischen Landwirtschaftsministeriums für den ökologischen Landbau. Doch Eichenau nimmt nicht teil. Nicht, weil es keine Landwirte mehr gibt, die einen Ökolandbau betreiben könnten, sondern weil eine Mehrheit aus CSU und Freien Wählern der Eigenanteil der Gemeinde von vielleicht 10 000 Euro zu hoch ist. Die Entscheidung, kein Interesse an dem Projekt zu bekunden, fiel im Ferienausschuss am Dienstagabend.

Es ist ein Wettbewerb, den das Landwirtschaftsministerium ausgelobt hat für das Jahr 2020. Gemeindeverbünde können sich bewerben, und wer den Zuschlag als "staatlich anerkannter Öko-Modellregion" erhält, wird zwei Jahre lang vom Staat bei der Weiterentwicklung zum ökologischen Landbau gefördert. Der Amtschef des Landwirtschaftsministerium Hubert Bittlmayr hatte kürzlich bei der Eröffnung der Öko-Erlebnistage auf dem Hatzlhof in Esting für diesen Wettbewerb geworben und sofort Interessenten gefunden, insbesondere Landwirte wie Max Keil aus Puchheim und Sepp Dürr aus Germering. Eine Verbund "Brucker Osten" aus Germering, Puchheim, Gröbenzell, Eichenau, Olching und Emmering soll entstehen und sich an dem Wettbewerb beteiligen. Bis Ende dieses Monats muss der Verbund sein Interesse bekunden und sich anmelden. Dafür sind ein paar Seiten Bewerbungsunterlagen in jeder Gemeinde anzufertigen. Sepp Dürr hat es den Kommunen leicht gemacht, indem er ihnen einen dreiseitigen Entwurf zur Verfügung stellte.

Betreut werden soll die Öko-Modellregion vom Kompetenzzentrum für ökologischen Landbau am Institut für ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz in der Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising. Der Freistaat finanziert in der Modellregion die Planstelle eines Beraters für zwei Jahre zu 75 Prozent, maximal 150 000 Euro, ein Viertel müssen die Kommunen selbst beisteuern.

Würde sich Eichenau beteiligen, so rechnete Gewerbereferent Peter Zeiler (CSU) Eichenaus Gemeindebeitrag aus, so wären um die 10 000 Euro zu bezahlen. "Ich sehe keinen Sinn darin", begründete er seine Ablehnung. In Eichenau gebe es dafür keine Zielgruppe. Außerdem bestehe schon das Label "Brucker Land", man benötige kein anderes. Das Projekt, so hatte es Sepp Dürr in seiner Konzeptvorlage erläutert, sollte die Produktion heimischer Bio-Lebensmittel und das Bewusstsein für regionale Identität voranbringen. Bislang gebe es schon zwölf Öko-Modellregionen in Bayern, nun könnten neue dazukommen. Dürr sieht in der Bewusstseinsförderung für Bio-Lebensmittel den wichtigsten Punkt für die Kommunen am Rand von München. Alle versuchten, zum Beispiel mit der Entwicklung einer Marke, "eine relativ schwache Identifikation zu stärken". Besonder Aktivitäten wie dieser Wettbewerb, so Dürr, würden die Attraktivität steigern helfen.

In der Region "Brucker Osten" sieht Dürr "eine Art Übergangsraum zwischen Metropole und ländlichen Regionen mit leistungsfähigen Strukturen "Verarbeiter, Vermarkter sowie die Kundschaft sind längst da." Germering möchte zum Beispiel den Außer-Haus-Konsum von Öko-Lebensmitteln fördern, in Eichenau hätten Kindergärten profitieren können.

Im Eichenauer Gemeinderat halfen weder Dürrs Argumente noch die Fürsprecherinnen Gertrud Merkert (SPD) und Marion Behr (Grüne), um gegen das mehrheitsfähige Kostenargument anzukommen.