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Landwirtschaft:Dresscode-Training für Jungbauern

Am Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching läuft der 125. Grundkurs. Auf dem Stundenplan stehen auch Einheiten in Rhetorik oder Benimmregeln, schließlich hat sich der Beruf gewandelt. Eine begeisterte Teilnehmerin ist die 23-jährige Carolin Wörle aus Moorenweis

Schon ihre Eltern, die einen Bullenmastbetrieb in Moorenweis führen, haben in ihrer Jugend den Lehrgang besucht und ihrer Tochter dazu geraten. Nun absolviert die 23-jährige Carolin Wörle den Grundkurs am Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Zusammen mit 56 anderen Teilnehmern im Alter zwischen 19 und 30 Jahren lebt sie zehn Wochen unter einem Dach. Zehn Wochen lernen, reisen, Kontakte knüpfen, nicht selten werden daraus auch lebenslange Freundschaften. Die Tradition in der Familie Wörle soll weitergehen. Die junge Frau, die schon studiert hat und bei der Stadt München arbeitet, sagt: "Ich versuche gerade, meine kleine Schwester zu überzeugen, auch mitzumachen."

Derzeit läuft der 125. Grundkurs in Herrsching, ein Jubiläum also. Der erste Lehrgang liegt bereits 70 Jahre zurück. Jahre, in denen sich zumindest an seinem Anspruch nichts geändert hat. "Es geht um umfassende Persönlichkeitsbildung", erklärt Marc Meyer, der den Lehrgang gemeinsam mit Angela Kraus, Tanja Kodisch-Kraft und Gunther Strobl leitet. Geändert haben sich aber die Anforderungen an die Bauern: Sich mit Ackerbau und Viehhaltung auszukennen, reiche schon lange nicht mehr aus. "In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind die Ansprüche, die an die Landwirte gestellt werden, tatsächlich auch enorm gestiegen", erzählt der Bildungsreferent. "Es gibt immer mehr Regularien, die eingehalten werden müssen. Dazu kommen Fördermittel, mit denen man sich auskennen muss." Ohne mindestens eine Halbtagskraft im Büro komme heute eigentlich kein Hof mehr aus. Die Landwirtschaft, sagt Meyer weiter, rücke mehr in den Fokus der Öffentlichkeit.

Ob Carolin Wörleden Hof der Eltern in Moorenweis einmal übernimmt, weiß sie noch nicht. Die 23-Jährige hat Betriebswirtschaft studiert und arbeitet bei der Stadt München.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Kursteilnehmer lernen, selbstsicher aufzutreten und frei zu sprechen, vertiefen ihr Wissen über politische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Aber auch um Unternehmensführung und natürliche Landwirtschaft geht es. Auf dem Stundenplan stehen Einheiten in Rhetorik und Sprachkursen, Dresscode-Training oder Benimmkurs. Dazu kommen Studienfahrten zu Bundestag und Grüner Woche in Berlin und zum Europaparlament in Brüssel. Im Rahmen der "Mittwochabendgespräche" war ein Vertreter der Gruppe "Gayfarmer" zu Gast, der über Homosexualität auf dem Land sprach.

Bauern müssten heute auch in der Lage sein, ihre Anliegen im Verbrauchergespräch zu verteidigen, sagt Studienleiter Marc Meyer. Als Beispiel nennt er das Volksbegehren für den Artenschutz, das vor allem die Bauern in die Pflicht nimmt: "Man muss seine Position in der Öffentlichkeit erklären können." Was sie gelernt haben, können sie am Dienstag, 12. März, bei der sogenannten Stachus-Aktion in der Münchner Innenstadt unter Beweis stellen. An Infoständen suchen sie den Kontakt zu Passanten mit dem Ziel, sie über landwirtschaftliche Themen aufzuklären.

Selbst wenn sie in der Verwaltung bliebe, sagt sie, habe sie vom Grundkurs am Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching profitiert.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dass der Kurs viel bei den Nachwuchslandwirten bewirkt, davon ist Meyer überzeugt. "Ich habe immer wieder von Angehörigen gehört, dass die Teilnehmer bei uns einen sehr großen Entwicklungssprung machen, sich anders geben, anders sprechen." Kein Wunder, findet der Bildungsreferent, schließlich biete der Kurs den jungen Menschen auch die einmalige Möglichkeit, mit wichtigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zusammenzutreffen und sich mit ihnen auszutauschen. "Das macht natürlich etwas mit einem."

Die Teilnehmer sind begeistert von den Angeboten, die ihnen der Grundkurs bietet. Carolin Wörle ist besonders das Hüttenwochenende im Gedächtnis geblieben, bei dem die Teilnehmer sich zunächst vier Stunden mit Schneeschuhen an den Füßen zu ihrem Domizil durchkämpfen mussten. "Das war wahnsinnig anstrengend und wir mussten wirklich zusammenhalten, um es zu schaffen, aber am Ende war es toll."

Ob sie tatsächlich einmal den Hof ihrer Eltern übernehmen wird, will Wörle, die BWL und Public Management studiert hat, sich noch offen halten. Derzeit arbeitet sie bei der Stadt München. Ob in der Verwaltung oder auf dem Bauernhof, die Teilnahme am Grundkurs hat sie in jedem Fall weiter gebracht, da ist Wörle sich sicher.