MoorenweisWerben um die Gunst des Verbrauchers

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Im Moorenweiser Mais: Matthias Heitmayr, Kreisobmann des Bauernverbands (rechts) und sein Stellvertreter Ferdinand Wenig.
Im Moorenweiser Mais: Matthias Heitmayr, Kreisobmann des Bauernverbands (rechts) und sein Stellvertreter Ferdinand Wenig. Carmen Voxbrunner

Der Ernte geht’s nass rein. Und von der Politik fühlt sich mancher Landwirt im Regen stehen gelassen. Lässt sich verkraften. Auf einen Verbündeten will der Bauernverband aber auf gar keinen Fall verzichten.

Von Stefan Salger, Moorenweis

Das nasskalte Wetter der vergangenen Wochen mit teils sintflutartigen Niederschlägen setzt den Landwirten im Landkreis weniger zu als befürchtet – sofern sie auf den Feldern den Befall der Pflanzen zum Beispiel durch Pilze in den Griff bekommen. Bei der diesjährigen Erntepressefahrt wurde deutlich, dass viele Bauern zurzeit weniger die Auswirkungen des Klimawandels fürchten, als vielmehr eine „realitätsferne Politik vom Bürostuhl aus“ auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Um den Bestand der Nahrungsmittelproduktion und die damit verbundenen Arbeitsplätze auch in vor- und nachgelagerten Branchen im Landkreis zu sichern, setzen sie vor allem große Hoffnungen in einen wichtigen Akteur, den sie als Verbündeten gewinnen wollen: den Verbraucher.

Im Idealfall wird aus dem Winterweizen Mehl für Backwaren. Sollten sich bis zur Ernte durch Krankheitsbefall zu viele Giftstoffe in den Körnern anreichern, könnte er lediglich für die Energieerzeugung in Biogasanlagen verwendet werden.
Im Idealfall wird aus dem Winterweizen Mehl für Backwaren. Sollten sich bis zur Ernte durch Krankheitsbefall zu viele Giftstoffe in den Körnern anreichern, könnte er lediglich für die Energieerzeugung in Biogasanlagen verwendet werden. Carmen Voxbrunner

Der sei letztlich viel wichtiger als einfach nur mehr Subventionen. Das macht Matthias Heitmayr, Kreisobmann des Bauernverbandes, am Mittwoch bei der Begehung rund um den Hof seines Stellvertreters Ferdinand Wenig deutlich – der gemeinsam mit seiner Frau Regina einen Hof in Moorenweis bewirtschaftet. Heitmayr hofft, dass beim Einkauf noch mehr zu regionalen Produkten gegriffen wird und auch die Bereitschaft zunimmt, im Sinne der Förderung einheimischer Betriebe etwas höhere Preise zu akzeptieren. Denn jene Betriebe müssen strenge Auflagen im Bereich Umwelt- und Tierschutz erfüllen, an die sich die Konkurrenten jenseits der Grenze nicht halten müssen.

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Der BBV-Kreisobmann dämpft gleichsam die Hoffnung, dass die Landwirte durch eine konsequentere Umstellung auf bio den Forstbestand ihrer Familienbetriebe sichern können. Auch hier gibt es Billigkonkurrenz aus anderen Ländern. Und die Nachfrage auf dem Markt nach Bioprodukten bleibt hinter den Erwartungen der Agrarpolitik zurück, die in Bayern als Zielmarke 30 Prozent ausgegeben hat.

Die Wenigs fahren längst zweigleisig. Mithilfe einiger Teilzeitkräfte bewirtschaften sie 240 Hektar konventionell, setzen dort also Spritzmitteln und Kunstdünger ein. Zudem 80 Hektar biologisch, was einen höheren mechanischen Aufwand bedeutet und höhere Treibstoffkosten etwa bei der Unkrautbekämpfung, bei gleichzeitig geringeren Ernteerträgen. Unter einem bleigrauen Himmel blickt Ferdinand Wenig zurück und auch bereits voraus auf die kommende Ernte. „Letztes Jahr war es trocken, dieses Jahr ist es nass, wir müssen es nehmen, wie es kommt“, sagt er gelassen auf dem Weg zu den Feldern, die rund um den Hof liegen. Es geht vorbei an Winterraps und Winterweizen, die sich trotz der Niederschläge letztlich ordentlich entwickelt haben – bei allerdings steigendem Aufwand für die Schädlingsbekämpfung und steigendem Risiko von Pilzbefall. Ähnlich sieht es beim konventionellen wie auch biologischen Anbau der Kartoffeln aus, die bislang weitgehend von der Kraut- und Knollenfäule verschont geblieben sind. Stabil 25 Grad und weniger Regen, das wäre zwar gut. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, das gilt besonders auf Feldern und Wiesen. Anfang Oktober werden die Kartoffeln geerntet, sie gehen in die Pommesproduktion.

Die Kartoffeln auf dem Feld in der Nähe des Bauernhofs sind bislang weitgehend von der Kraut- und Knollenfäule verschont geblieben.
Die Kartoffeln auf dem Feld in der Nähe des Bauernhofs sind bislang weitgehend von der Kraut- und Knollenfäule verschont geblieben. Carmen Voxbrunner

Der Mais mag es eigentlich ebenfalls etwas wärmer. Auf dem Hof der Wenigs – der zu den großen Landwirtschaftsbetrieben im Landkreis zählt – wird neben dem Silomais als Futtermittel für die Bullenmast mit ihren 400 Tieren auch Bio-Körnermais angebaut. Weil Maisfelder anfälliger sind für Erosion, hat die Pflanze ein schlechtes Image. Zu Unrecht, findet Heitmayr mit Blick auf die vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten. Mais ist Ausgangsprodukt von Stärkemehl für die Nahrungsmittelindustrie sowie Futtermittel – und mit ihm lässt sich Biogas erzeugen. Die Belieferung von Biogasanlagen ist allerdings nur eine Notlösung. Das gilt auch für Weizen, aus dem eigentlich Brot werden soll. Reichern sich in den Körnern durch Pilzbefall zu viele Giftstoffe an, bleibt nur die Energieerzeugung. Für Landwirte bedeutet dies die Halbierung der kalkulierten Erlöse. Doch selbst wenn der Weizen makellos ist, können die Preise auf einem sehr volatilen Markt schnell ins Rutschen kommen. Gar nicht gut zu sprechen ist Heitmayr auf die Importe aus der Ukraine und teils auch noch aus Russland zu Dumpingpreisen, mit denen die heimische Landwirtschaft nicht mithalten kann. Deshalb gilt weiter die Devise: Wachsen oder weichen. Kleine Familienbetriebe haben ein größeres Risiko, unter die Räder zu kommen, Landwirtschaftsbetriebe suchen auch im Landkreis ihr Heil im Ankauf oder Anpachten zusätzlicher Flächen. Dass sich die EU-Fördermittel vor allem an ebenjener Fläche orientieren, will Wenig nicht kritisieren. Handlungsbedarf sieht er lediglich bei sehr großen Betrieben, wie sie als Nachfolger der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in den neuen Bundesländern verbreitet sind.

Nach Überzeugung Heitmayrs kann die Statistik nicht über die nach zwei umsatzstarken Coronajahren angespannte Lage der Landwirtschaft hinwegtäuschen. Durchschnittlich verdient eine Arbeitskraft in der Landwirtschaft 50 000 Euro im Jahr. „Wir bräuchten aber 60 000 Euro“ – auch um die steigenden Investitionskosten schultern zu können. Zumal das verfügbare Einkommen deutlich unter dem ausgewiesenen Gewinn liege. Damit schließt sich beim Verbraucher wieder der Kreis. Credo: Wer die bäuerlichen Familienbetriebe und die Kulturlandschaft erhalten will, darf im Supermarkt nicht zur billigsten Importware greifen.

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