Landfrauentag im Landkreis FürstenfeldbruckLandwirtinnen sollen Demokratie stärken

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Die Frage, wie sich die Demokratie bewahren lässt, stand im Zentrum des Landfrauentags. Von links: Kreisbäuerin Karin Sepp, Margit Kidermann und stellvertretende Kreisbäuerin Heidemarie Niedermeir-Stürzer.
Die Frage, wie sich die Demokratie bewahren lässt, stand im Zentrum des Landfrauentags. Von links: Kreisbäuerin Karin Sepp, Margit Kidermann und stellvertretende Kreisbäuerin Heidemarie Niedermeir-Stürzer.
Jana Islinger
  • Andrea Fuß vom Bayerischen Bauernverband und Ethiklehrerin Anja Mahlmann-Wachendorff rufen beim Landfrauentag die Bäuerinnen dazu auf, eine Allianz zum Erhalt der Demokratie zu schmieden.
  • Die beiden Frauen warnen vor einer Regierung des Mobs, falls Demokratiegegner die Oberhand gewinnen, und appellieren an die Landwirtinnen, sich aktiv einzumischen.
  • Die Vereinten Nationen haben 2026 das „UN-Jahr der Landwirtin" ausgerufen, um die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft weltweit ins Rampenlicht zu rücken.
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Beim Landfrauentag rufen Andrea Fuß vom Bayerischen Bauernverband und Ethiklehrerin Anja Mahlmann-Wachendorff die Bäuerinnen dazu auf, eine Allianz zum Erhalt des politischen Systems zu schmieden. Ansonsten drohe eine Regierung des Mobs.

Von Manfred Amann, Mammendorf

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Ein vor 80 Jahren gebautes Haus, das Schutz bot, in dem man sich wohlfühlte und gut zurechtkam, reißt man nicht nieder, nur weil es Risse bekommen hat oder das Dach undicht ist. Man repariert und saniert. Und wenn bei der Innenausstattung etwas nicht mehr zeitgemäß ist, wird es durch Neues ersetzt. „Mit unserer Demokratie ist es doch ähnlich, es hat sich einiges eingeschliffen, ist abgenutzt oder entspricht nicht mehr den zeitlichen Vorstellungen“, findet Andrea Fuß. Auf dem Landfrauentag im Landkreis Fürstenfeldbruck nutzte die Vize-Generalsekretärin des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und Direktorin des Fachbereichs Menschen im ländlichen Raum diesen Vergleich für einen Appell an die etwa 100 Besucher, sich für die Erhaltung des bewährten politischen Systems einzusetzen. „Das müssen wir miteinander angehen, jede Generation muss aufs Neue daran arbeiten“, sagte Fuß.

Unterstützung bekam sie von Anja Mahlmann-Wachendorff, Ethiklehrerin im Ruhestand aus Bruck, mit der sie sich zum Thema „Ist unsere Demokratie noch zeitgemäß?“ austauschte. Zur Demokratie gebe es keine vernünftige Alternative. Sollten Demokratiegegner die Oberhand gewinnen, drohe eine Ochlokratie, also eine Regierung des Mobs, fürchtet die Ethikerin. Die beiden Frauen waren kurzfristig eingesprungen, weil die Europaparlamentarierin und Landesbäuerin des BBV, Christine Singer, krankheitsbedingt abgesagt hatte.

Über die Frage „Ist unsere Demokratie noch zeitgemäß?“ diskutierten Andrea Fuß (l.), Vize-Generalsekretärin vom Bayerischen Bauernverband, und Ethiklehrerin Anja Mahlmann-Wachendorff.
Über die Frage „Ist unsere Demokratie noch zeitgemäß?“ diskutierten Andrea Fuß (l.), Vize-Generalsekretärin vom Bayerischen Bauernverband, und Ethiklehrerin Anja Mahlmann-Wachendorff.
Jana Islinger

„Auch weil für den Ablauf eingeplante Bäuerinnen wegen Krankheit ausfielen, mussten wir auf Plan B umsatteln“, sagte Kreisbäuerin Karin Sepp und lobte das Duo am Ende mit: „Sie haben es gut gemacht“, worauf anhaltender Applaus losbrach. Zunächst hatte die BBV-Angestellte Fuß daran erinnert, dass sich die auf dem Grundgesetz basierende freiheitlich-demokratische Grundordnung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bewährt habe und es unverantwortlich wäre, das politische System kaputt machen zu lassen.

Demokratie bedeute, dass alle Menschen gleich viel wert sind und mitbestimmen dürfen, so Fuß. Entscheidungen dürften nicht von einigen wenigen gefällt, sondern müssten in einem Prozess mit vielen Beteiligten entwickelt werden, auch wenn dies manchmal zeitraubend und anstrengend sei. Für die Bewahrung des demokratischen Systems zu kämpfen, sei eine Herausforderung für alle, auch für die Bäuerinnen, sagte Fuß.

Wann immer sich Gelegenheit biete, sollten die Menschen „Haltung“ zeigen und ihre positive Einstellung zur Demokratie auch kundtun. Wichtig sei auch, dass sich die Landwirtinnen „einmischen“, zum Beispiel in Vereinen oder im Gemeinderat. „Das sagt sich so einfach“, befand dazu eine Landwirtin. Wenn man gerade so über die Runden komme, um Haus und Hof in Schuss zu halten, dann fehle einem die Zeit und auch die Lust, sich ehrenamtlich zu betätigen. Für die Ethiklehrerin Mahlmann-Wachendorff braucht es aber ein starkes Miteinander, eine Gesellschaft, in der unterschiedliche Meinungen angehört, akzeptiert und notfalls auch ausgehalten werden.

Dazu führte Fuß aus, dass Kritik an sich auftuenden Missständen auch wichtig sei, diese müsse jedoch auf Fakten beruhen und offen ausgesprochen werden, mit dem Ziel, gute Lösungen zu finden. Die Gesellschaft bestehe aus Optimisten und Pessimisten, gefragt seien aber „Possibilisten“, flexible und kreative Menschen, die an die Macht der Möglichkeiten glaubten und bereit seien, aktiv daran zu arbeiten, ihre Ziele zu erreichen und ihr Leben zu gestalten. Einig war sich das Duo über die Notwendigkeit guter Vernetzung der Bäuerinnen untereinander, denn regelmäßiger Austausch trage dazu bei, gemeinsam für etwas zu stehen. Demokratie bedeute auch Frieden, daher sollte die ländliche Bevölkerung eine Allianz zur Bewahrung der Regierungsform schmieden.

Das UN-Jahr der Landwirtin soll die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft ins Bewusstsein rücken.

Sich mehr einzubringen, in der Öffentlichkeit Mut und Haltung zu zeigen, dazu riet auch Pater Tassilo Lengger vom Kloster St. Ottilien beim obligatorischen Gotteslob mit dem Landfrauenchor, mit dem der Landfrauentag begonnen hatte. Eine Frau, die einen landwirtschaftlichen Betrieb leitet, brauche sicher Mut, befand Kreisbäuerin Karin Sepp. Leider seien Betriebsleiterinnen immer noch eine Seltenheit. Dass die Vereinten Nationen 2026 das „UN-Jahr der Landwirtin“ ausgerufen haben, ziele genau darauf ab. Dies solle die Bedeutung von Frauen in der Landwirtschaft weltweit ins Rampenlicht rücken und damit auch die vielen bayerischen Landwirtinnen würdigen, die mit Leidenschaft, Fachwissen und Innovationskraft ihre Höfe führten.

Der Landfrauentag im Bürgerhaus Mammendorf wurde musikalisch umrahmt.
Der Landfrauentag im Bürgerhaus Mammendorf wurde musikalisch umrahmt.
Jana Islinger

Zwischendrin wurde gesungen, BBV-Kreisobmann Matthias Heitmayr warb um Unterstützung für den „Erlebnisraum“ im grünen Zentrum und statt der üblichen Grußworte von Ehrengästen aus Politik und Gesellschaft erzählten Margit Kinader und die stellvertretende Kreisbäuerin Heidemarie Niedermeir-Stürzer  glaubhaft, dass sie gerne Landwirtinnen geworden seien, weil es der „schönste und wichtigste Beruf überhaupt“ sei. „Wir produzieren Lebensmittel, ohne uns sähe die Versorgung der Bevölkerung anders aus“, sagte Kinader. Mit einer Hut-Modenschau und Liedern, gesungen vom Landfrauenchor, klang der Landfrauentag aus.

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Auszeichnung
:Fürstenfeldbrucks Rathaus zum Ort der Demokratiegeschichte ernannt

Das Rathaus von Fürstenfeldbruck wird als Ort der Demokratiegeschichte ausgezeichnet, weil dort im 19. Jahrhundert der Landrichter residierte. Der war allerdings ein Funktionär des Obrigkeitsstaates der Wittelsbacher, die ihren Verwaltungsapparat modernisiert hatten.

Von Peter Bierl

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