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Fürstenfeldbruck:Der große Ansturm bleibt aus

Seit Mittwoch sind Tests auf Sars-CoV-2 ohne Anlass möglich. Bislang bereitet das den Praxen im Landkreis keine Probleme

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Es klingt nach einem großen Fortschritt: Seit Mittwoch kann man sich auf das Virus Sars-CoV-2 testen lassen, auch wenn man zuvor keinen engen Kontakt zu einem Infizierten hatte oder typische Symptome aufweist. In der Praxis stellt die bayerische Staatsregierung auch die Ärzte im Landkreis durch ihren Beschluss freilich vor Herausforderungen. Viele Fragen sind offen: Klappt die Versorgung mit den Test-Sets? Schaffen die Labore es rechtzeitig, das Ergebnis mitzuteilen? Und ist großflächiges Testen überhaupt sinnvoll?

Der Fürstenfeldbrucker Internist Peter Hösler kann einen Tag nach Inkrafttreten der neuen Regelung zum Mittwoch nur einen ersten Eindruck wiedergeben. Hösler war bis vor Kurzem Versorgungsarzt, der sich besonders intensiv mit Strategien gegen Covid-19 beschäftigte. Der große Ansturm auf die Praxen sei bislang ausgeblieben, berichtet er. In den zurückliegenden Wochen war die Zahl der Tests auf etwa zwei bis drei pro Woche gesunken. Seit Mittwoch ist sie mit zwei bis drei pro Tag immer noch auf überschaubarem Niveau. Zahlen für den gesamten Landkreis gibt es nicht. Laut Kreisbehörde testeten Gesundheitsamt, "Drive-Through" und die vom Versorgungsarzt betreuten Stationen bis einschließlich Juni 3163-mal.

Patienten, die sich testen lassen wollen, können in Höslers Praxis kommen - durch die Terminvereinbarungen sollen Überschneidungen mit "normalen" Patienten sowie zur Infektionssprechstunde vermieden werden. Die Kosten werden von den Kassen übernommen, notfalls würde hier wohl der Freistaat einspringen.

Testen können laut Aufruf der Kassenärztlichen Vereinigung alle Ärzte, die sich dazu berufen fühlen, vor allem werden dies nach Einschätzung des Vorsitzenden des ärztlichen Kreisverbands, Andreas Forster, wohl Haus- und Lungenfachärzte sein. Die Labore liefern die Teströhrchen und nehmen sie zur Auswertung wieder zurück. "Die kommen bislang klar", sagt Peter Hösler. Sollte es doch noch zu einem größeren Ansturm kommen, dann freilich wäre die Frage, ob die Ergebnisse, wie von der Staatsregierung gewünscht, auch bei Tests ohne Anlass innerhalb einer Woche vorliegen. Forster ist wenig begeistert über die ganze Art, wie der Beschluss kommuniziert wurde. Nicht gut, wenn Ärzte davon erst aus der Zeitungen erfahren.

Am Sinn der ganzen Maßnahme haben Hösler und Forster so ihre Zweifel. Denn der Aufwand ist sehr groß, der Ertrag scheint zum heutigen Stand eher gering - kaum einer der Tests wird in der aktuellen Lage positiv ausfallen. Sinnvoller sei es, wenn man sich auf gewisse Bereiche fokussiere, findet Hösler. Wie beispielsweise Personal und Bewohner von Pflegeheimen. Auch wenn jemand nach vielen Wochen erstmals wieder seine Großeltern besuchen wolle, könne so ein Test Sinn machen. "Voll und ganz sinnvoll" seien andere Maßnahmen gegen Corona, wie Mundschutz, Abstand, Hände waschen oder auch die Corona-App fürs Handy. Denn vor allem über einens dürften auch flächendeckende Tests nicht hinwegtäuschen: Man müsse noch eine ganze Weile mit dem Virus leben und "durchhalten". Niemand solle sich von der Momentaufnahme eines Testergebnisses "in Sicherheit wiegen lassen", pflichtet Andreas Forster bei. Denn auch wenn mehr Tests letztlich "ein Schritt in die richtige Richtung" seien, so könne man doch drei Tage später "wieder positiv sein."

Von Antikörpertests hält Hösler übrigens gar nichts. Mit diesen soll belegt werden, ob man Covid-19 bereits durchgestanden hat und möglicherweise immun ist. Diese Tests seien sehr unzuverlässig, so Peter Hösler.

© SZ vom 03.07.2020
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