Landgericht:"Ich war in der Stimmung"

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Der 64-jährigen Peter S. soll seine Nachbarin auf bestialische Weise ermordet haben

Von Susi Wimmer, München/Germering

Peter S. gibt sich ruhig und kooperativ. Er zeigt dem Gericht mit den Fingern die Zentimeter an, wie tief er seinem Opfer das Messer in die Brust gerammt hat, macht Ausholbewegungen, um das Schlagen mit der Axt zu demonstrieren und formt die Hände, um das Würgen zu zeigen. "Cool down", habe er sich immer gesagt, wenn "diese Wutanfälle" über ihn kamen, wenn er Fußgänger mit dem Auto überfahren oder Amok laufen wollte. Aber an jenem 2. Mai 2018 hatte er das Gefühl, "eine fremde Macht hat von mir Besitz ergriffen". Und so tötete der psychisch Kranke auf bestialische Weise seine 77-jährige Nachbarin in Germering. "Warum?", fragt ihn Richter Thomas Bott. "Das weiß ich auch nicht", sagt der 64-Jährige.

Peter S. ist ein kleiner Mann mit schwarz-grauen Haaren, die er vorne zu einem Schopf nach oben gezogen hat. Mit wackeligem Gang betritt er den Gerichtssaal, lässt sich fotografieren von der Presse, hält dann einen Aktendeckel zum Schutz vor sein Gesicht und grinst dahinter wie ein kleines Kind. Für den Rest des ersten Verhandlungstages vor dem Landgericht München II wird er ohne eine einzige emotionale Regung erzählen. Dass er in der Nacht auf den 2. Mai wirre Träume hatte von Kämpfen, dass er am Nachmittag "uneins mit der Welt" durch die Gegend lief, der Verkehr, das Vogelgezwitschter, einfach alles, ihn gestört habe. Er sei zu Hause an der Landsberger Straße "einem Impuls" gefolgt und habe aus seinem Wagen eine Axt und ein Messer geholt. "Ich war in der Stimmung, jeden umzubringen, der mir begegnet", sagt er ruhig. Dann stieg er die Treppe zu seiner Wohnung hoch, wo seine Nachbarin gerade aus der Tür kam und absperren wollte. "Da nahm das Unheil seinen Lauf."

Unheil ist ein gelinder Ausdruck für den Tathergang, den Staatsanwältin Cathrin Rüling dem Angeklagten vorhält. Er selbst hat kein Problem damit, alles zu schildern: Er habe mit der stumpfen Seite der Axt von hinten dreimal auf den Kopf der Frau eingeschlagen, "mit der Schneide hätte ich ihr den Schädel gespalten, das hätte eine Sauerei gegeben", erzählt er. Als er das Blut auf den Boden laufen sah, habe er die Schwerverletzte in ihre Wohnung gezogen und die Türe geschlossen. "Sie hat gejammert, das darf nicht sein." Also habe er sie mit den Händen gewürgt. Als sie immer noch lebte, sei er in seine Wohnung gegangen und habe ein Seil zum Strangulieren geholt. Als auch das nichts half, schlug er erneut mit der Axt zu, "aber sie hat immer noch gejammert". Da griff er zum Messer und stach dreimal "auf der linken Seite" zu. Ihr Jammern sei leiser geworden, er habe ihren Puls gefühlt, "der hat noch ein paar Schläge gemacht, dann war sie tot". Er habe das Seil aufgerollt, die Axt an den Schrank gelehnt und das Messer auf ihren Bauch gelegt. Dann wischte er im Flur auf, ging in seine Wohnung, er habe sich gedacht: "Peter, du hast einen Mord begangen, es gibt keine Zeugen, keiner weiß es, du musst es melden." Dann habe er die 110 gewählt.

Vier Verhandlungstage hat die Kammer für den Fall angesetzt. Neben einer Freiheitsstrafe steht auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum. Peter S. war dort bereits behandelt worden, nachdem er 2014 mit einem Messer in eine Germeringer Bank marschiert war. Nachbarn erzählen, dass sie am späten Abend oft Schreie aus seiner Wohnung hörten, dass er nachts den Staubsauger laufen ließ und sich die 77-Jährige oft darüber bei Peter S. beschwert hatte. Ob er heute in der Psychiatrie noch Gewaltfantasien habe, fragt ihn Gutachter Cornelis Stadtland. "Ja", antwortet S. In Gedanken könnte er alle "verprügeln, erschießen und aufhängen". Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

© SZ vom 09.04.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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