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Landgericht:Fünf Jahre Haft

Rentner muss wegen Verbreitens von Kinderpornos ins Gefängnis

Es ist noch einmal glimpflich ausgegangen für Hans H. Fünf Jahre und zwei Monate Haft hat das Landgericht München II am Montag gegen den 67-jährigen Fotosetzer aus dem östlichen Landkreis unter anderem wegen Verbreitens und Besitzes tausender kinderpornografischer Bilder verhängt. Neben den Fotos hatten die Fahnder bei H. zudem hunderte kinderpornografische Videos mit einer Gesamtspielzeit von fast drei Tagen sichergestellt. Darüber hinaus hatte der mehrfach vorbestrafte Fotosetzer im Internet mit anderen pädophilen Männern gechattet. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte zehn Jahre Haft und beantragte die Sicherungsverwahrung anzuordnen. Der Angeklagte sei eine "tickende Zeitbombe", wenn er in Freiheit sei, begehe er Sexualstraftaten, zitierte die Anklagevertreterin bei ihrem Plädoyer einen psychiatrischen Sachverständigen, der in dem Prozess vor der 3. Strafkammer ein Gutachten erstattet hatte.

Hans H. hat inzwischen die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbracht. Anfang der 70er fing er damit an, Vermögensdelikte zu begehen. In seiner Zeit bei der Bundeswehr brach er Spinde auf, später brach er in Wohnungen und Supermärkte ein. Ende der 80er Jahre stellte er fest, dass er sich zu Kindern sexuell hingezogen fühlt. Er brachte Mädchen dazu, sich von ihm unter den Rock fotografieren zu lassen. Hans H. kam in Haft, außerdem hatte ein Gericht Sicherungsverwahrung angeordnet. In den vergangenen 23 Jahren war Hans H. nur für knapp zwei Jahre auf freiem Fuß. Die übrige Zeit saß er hinter Gittern. Der Angeklagte "hat wohl gar kein Interesse, etwas an sich zu ändern", sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft bei ihrem Plädoyer. Die beiden Verteidiger von Hans H. forderten eine Haftstrafe von viereinhalb beziehungsweise nicht mehr als fünf Jahren. Das Einzige, was der Angeklagte in den vergangenen Jahren "nicht vermochte, war die Hände vom PC zu lassen", stellte Rechtsanwältin Birgit Schwerdt klar. Hans H. entschuldigte sich vor der Urteilsverkündung bei den drei Berufsrichtern und den beiden Schöffinnen, dass sie sich bei der Beweisaufnahme die Fotos haben anschauen müssen, die er sich aus dem Internet heruntergeladen hatte. "Es tut mir sehr leid, dass Sie mit so was konfrontiert wurden", sagte der 67-Jährige.

Richter Martin Hofmann nannte Hans H. bei der Urteilsbegründung nicht nur einen "Angeklagten mit zwei Gesicherten", der es verstehe, anderen viel zu erzählen, sondern machte auch keinen Hehl daraus, dass die Kammer befürchtet, dass er sich nach der Haft erneut Kinderpornos aus dem Internet herunterlädt. Die kinderpornografischen Fotos, die sich das Gericht im Zuge der Beweisaufnahme habe ansehen müssen, seien "tatsächlich für uns eine Zumutung" gewesen, so Hofmann. Nicht nur für ihn und die zwei anderen Berufsrichter, sondern auch für die Schöffinnen. Auch wenn zu befürchten stehe, dass der Angeklagte, sobald er wieder in Freiheit ist, sich kinderpornografische Bilder aus dem Internet besorgt, könne die Sicherungsverwahrung nicht angeordnet werden. Das Verbreiten und der Besitz von Kinderpornografie reichten für diese schärfste Sanktion nicht aus.