Kunstpreis des Landkreises FürstenfeldbruckVielsagende Porträts ohne Gesichter

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Gerlinde Miesenböck ist Kunstpreisträgerin des Landkreises Fürstenfeldbruck 2025. Die in Eichenau lebende Fotokünstlerin überzeugte mit ihren geheimnisvollen Portraits, hier „autres (Gerhard)“ und „autres (Elke)“.
Gerlinde Miesenböck ist Kunstpreisträgerin des Landkreises Fürstenfeldbruck 2025. Die in Eichenau lebende Fotokünstlerin überzeugte mit ihren geheimnisvollen Portraits, hier „autres (Gerhard)“ und „autres (Elke)“. (Foto: Johannes Simon)

Der Kunstpreis des Landkreises Fürstenfeldbruck geht an Gerlinde Miesenböck. Die gebürtige Österreicherin wird für ihre geisterhaft anmutenden Arbeiten ausgezeichnet. Den Nachwuchspreis erhält Florian Schwab für seine Holzarbeiten.

Von Johannes Simon, Fürstenfeldbruck

Mit der Verleihung des Kunstpreises hat Landrat Thomas Karmasin (CSU)  am vergangenen Freitag die 22. Kunstausstellung des Landkreises Fürstenfeldbruck eröffnet. 29 Künstlerinnen und Künstler stellen in den kommenden zwei Wochen ihre Werke im Kunsthaus Fürstenfeldbruck aus, wobei die Arbeiten der diesjährigen Kunstpreisträger natürlich im Mittelpunkt stehen. Der Kunstpreis des Landkreises 2025 ging an die (Neu-)Eichenauerin Gerlinde Miesenböck, den Nachwuchsförderpreis erhielt Florian Schwab aus Oberschweinbach. Ausgewählt wurden sie von einer Fachjury, bestehend aus dem Kunsthistoriker Michael Meuer, dem Vorsitzenden der Neuen Galerie Landshut, Franz Schneider und der Kunstpreisträgerin von 2011, Ina von Jan.

Die gebürtige Österreicherin Gerlinde Miesenböck (Jahrgang 1978) dürfte den Fürstenfeldbrucker Kunstinteressierten bislang noch ein unbeschriebenes Blatt sein. Ihr Lebensweg führt sie von ihrer Heimat, wo sie studierte und über Fotografie promovierte, nach England (Manchester Metropolitan University) und Finnland (Lappland Universität in Rovaniemi). Für ihre Projekte erhielt die Fotokünstlerin bereits zahlreiche bedeutende Preise, Stipendien und Artist-in-Residence-Aufenthalte im Ausland. Ihre Werke zeigte sie auf internationaler Ebene in Ausstellungen namhafter Institutionen, wie etwa der Bluecoat Gallery in Liverpool, dem Lentos Kunstmuseum in Linz oder dem Northern Center for Photography in Oulu (Finnland) – um nur einige zu nennen.

Für den Fürstenfeldbrucker Kunstpreis hat sich Miesenböck mit drei Foto-Arbeiten zu Wort gemeldet, die, als kreisförmige Tondi an berühmte Renaissance-Vorbilder erinnernd, eine hochästhetische, aber auch verstörende Wirkung entfalten. Dem ersten Eindruck nach und im formalen Sinne handelt es bei „autres (Elke)“, „autres (Gerhard)“ und „autres (Rebecca)“, so die Titel, um klassische, halbfigurige Porträt-Fotografien, denen nur eines fehlt: nämlich das Gesicht der Dargestellten. Die Gesichter wurden dabei nicht einfach hinter Tüchern versteckt, sondern nachträglich mittels Fotobearbeitung eliminiert. Die Arbeiten bekommen dadurch einen abstrakten, typologischen Charakter. Sie können geisterhaft, aber auch durchaus aggressiv wahrgenommen werden. Die Künstlerin erzählt von der spannenden Erfahrung, wie das Wissen darum, letztlich ohne Gesicht fotografiert zu werden, die Attitüde und das Verhalten der dargestellten Personen verändert.

Der diesjährige Förderpreis, dessen Preisgeld erneut die Sparkasse Fürstenfeldbruck übernommen hat, wurde an Florian Schwab vergeben. Er zeigt zwei eher kleinformatige massive Holz-Arbeiten, bei denen Gegenstände, Körper und Kopfformen als Flachreliefs sanft aus der Fläche hervortreten. Wie die Jury in ihrer Begründung feststellt, entsteht ein wirkungsvoller Gegensatz dadurch, dass das flüchtige Kalkweiß des Farbauftrages zur rauen, massiven Materialität des Holzblockes kontrastiert. Insbesondere die Arbeit „Black Roses“ ist ein kleines Meisterwerk, das sowohl für technische Virtuosität des 1998 Künstlers spricht, aber auch für die große Sicherheit im künstlerischen Ausdruck.

„Black Roses“ heißt diese als Holzrelief angefertigte Arbeit des Nachwuchs-Preisträgers Florian Schwab.
„Black Roses“ heißt diese als Holzrelief angefertigte Arbeit des Nachwuchs-Preisträgers Florian Schwab. (Foto: Johannes Simon)

Die Kunstausstellung des Landkreises mit insgesamt 29 ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern bietet einen ansonsten breiten und durchaus qualitätsvollen Überblick auf das künstlerische Schaffen der Region. Das Spektrum reicht von teils sehr konservativen Arbeiten wie den Porträt-Büsten von Agnes Streber aus Gröbenzell über surrealistisch anmutende Bildern von Robby Sintern aus Fürstenfeldbruck bis zu zart-lyrischen abstrakten Kompositionen von Alena Ziegler aus Germering. Zu sehen sind auch die wuchtige Granitstele „Bläuliche Durchscheinung“ von Ulrich Hochmann aus Sulzemoos oder Werke der Op-Art wie die eigenwilligen Stoffbilder von Peter Weber aus Maisach. Schöne Entdeckungen sind die Serie „einsam“ der erfahrenen Landsberger Illustratorin Ulrike Baier oder die Rauminstallation „Unsterbliche Remis-Partie“ des in Eichenau lebenden Peng Li.

Aus der Fülle der unterschiedlichen Stilrichtungen haben die Kuratoren eine homogene Ausstellung geschaffen.
Aus der Fülle der unterschiedlichen Stilrichtungen haben die Kuratoren eine homogene Ausstellung geschaffen. (Foto: Johannes Simon)

Die Kuratoren der Ausstellung haben aus der Fülle der unterschiedlichen Stilrichtungen eine homogene Zusammenstellung geschaffen, die Zeugnis für eine immer noch lebendige Kunstszene.

Die Ausstellung im Kunsthaus Fürstenfeldbruck, Fürstenfeld 7, kann noch bis Sonntag, 26. Oktober, besichtigt werden. Geöffnet ist sie dienstags bis samstags von 13 Uhr bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Das Kunsthaus ist über den Eingang des Museums Fürstenfeldbruck zugänglich. Der Eintritt ist frei.

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