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Kunst:Zwischen Wut und Melancholie

Mitglieder des Kunstvereins Gröbenart greifen in ihrer Ausstellung in Puchheim auch das Thema Corona auf - und das sehr unterschiedlich

Der Weg von der weichen Linie bis zum messerscharfen Pinselstrich, von der Beschwingtheit zu Trauer und Wut - dieser Weg ist am Sonntag nicht zu übersehen. Im Künstlerhaus von Gröbenart sowie im weitläufigen Park mit seinen schattenspendenden alten Bäumen fügen sich die teils großformatigen Werke des Gröbenzeller Kunstvereins harmonisch ins Grün. Aber Corona ist nicht spurlos an den 13 Malern und Fotografen vorübergegangen, die eigene Werke zu der aktuellen Gartenausstellung beigesteuert haben und sie - mit Mundschutz - präsentieren.

Jinny Kim nimmt erstmals an der Ausstellung teil. Sie findet in Fauna und Flora ihre bevorzugten Motive.

(Foto: Stefan Salger/oh)

Auch das Thema Nummer eins freilich kann sehr verschiedene Stimmungen auslösen: Mit den beiden abstrakten Bildern "Corona 1" und "Corona 2" etwa greift Michaela Friedrich die Viruspandemie mit grobem, zackigen Strich auf. Die Ölbilder bringen "Schmerz, Wut, Ratlosigkeit" zum Ausdruck. "Das sind keine Bilder, die man sich zu Hause übers Sofa hängt", erklärt die Gröbenzeller Künstlerin, die ein Atelier in Puchheim hat, zwei Besuchern. Aber hier geht es auch nicht primär um den möglichen Verkaufserlös oder den Mainstream. Hier geht es um ehrliche Stimmungen und die Verarbeitung des Alltags. Die bestimmenden Farben sind denn auch erst einmal Schwarz, Braun, Grau. Und doch gibt es so eine Art Lichtblick durch etwas Gelb und Blau. Da ist sie, die Hoffnung.

Michaela Friedrich hat sich mit den Bildern "Corona 1" und "Corona 2" der Viruspandemie gewidmet.

(Foto: Stefan Salger)

Ganz anders geht Irene Nestler mit dem Thema Corona um. Sie lässt sich nicht kirre machen, lässt ihren Träumen freien Lauf. Und so findet sich ein paar Meter hinter dem roten Sonnenschirm, malerisch an einem Holzstapel drapiert, eine Zusammenstellung von Urlaubsmotiven. Pastellfarben geben den Ton an, Türkis, Hellblau. Und das Gefieder der Pelikane leuchtet rosa. Es ist der Urlaub für die Sinne. Mit einem Schuss Melancholie.

Zweimal im Jahr stellen die Künstler von Gröbenart in und um das Haus an der Sandbergstraße aus. Traditionell lassen sich die Stile nicht in eine Schublade stecken. Mit Acryl und Öl oder Bleistift, als Aquarell, nachbearbeitete Fotografie oder in Form der Bildhauerei finden sich abstrakte Motive ebenso wie alle Spielarten des Realismus. Jeder darf und soll seiner künstlerischen Ader freien Lauf lassen - seit der Verein im Jahr 2002 gegründet wurde, ist das so. Die Spannbreite reicht dabei vom engagierten Hobbymaler bis zum Profi wie dem Zweiten Vorsitzenden Markus Heller, 54, aus Gröbenzell. Zwei seiner Bilder stehen auf Holzstaffeleien unter den ausladenden Baumkronen. Sie zeigen in Acryl Obst und Gemüse, wie sie auf dem Viktualienmarkt in großen Steigen dargeboten werden: Gurken, Paprika, Kohlköpfe in satten Farben. Etwas kleinformatiger geht es an den Stellwänden im Künstlerhaus zu, der Fokus liegt aber auch dort auf der Natur. Edeltraud Knahl, 73, hat eine Mischung aus alten und neuen Werken mitgebracht. Auch hier gibt es trotz einer recht klaren Linie auch einen kleinen, bewusst gesetzten Akzent. Hier hängen gegenständliche Ansichten bunter Blüten, von Nymphenburg oder der Blick auf die atemberaubend schöne wellige Landschaft der Toskana - mit Zypressen, die zum Himmel streben, über den sich bereits das Abendrot zu legen beginnt. Und ein bisschen weiter schaut jemand zwischen den üppigen Rahmen ganz rahmenlos und ordentlich verkatert heraus und verbreitet im kleinen Format schlechte Laune: Es ist Grumpy Cat - ein Hingucker. Die mürrische Katze gibt's zum kleinen Preis, während man für die aufwendigeren Bilder schon etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Um die 300 Euro spiegeln den Arbeitsaufwand der anderen Ölbilder wider. Knahl orientiert sich oft an Fotos und trägt mehrere Farbschichten auf. Bis die Idee im Holzrahmen Gestalt angenommen hat, kann es durchaus zwei bis drei Wochen dauern.

Eine Künstlerin feiert am Sonntag ihre Premiere: Jinny Kim, die im vergangenen Jahr dem Kunstverein beitrat. Das erste Werk der Grafikdesignerin ist die "schwarze Kuh", die sich an einem in ihrem Vaterland Südkorea sehr bekannten Foto orientiert. Auch Kim findet die meisten Motive für ihre Öl- sowie Acrylbilder in der Natur. Da sind Kieselsteine auf dem Grund eines Baches zu sehen oder stachelige Knospen auf grünem Blattwerk.

Informationen zu den Künstlern und Workshops finden sich unter groebenart.jimdofree.com. Die nächste gemeinsame Ausstellung ist im November geplant; Thema: 2020

© SZ vom 29.06.2020

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