Kunst Kreativquartier auf Zeit

Einmal im Jahr kommen auf dem ehemaligen Kasernengelände in Germering 16 Bildhauer zusammen, um gemeinsam zu arbeiten. Nun ist es wieder so weit. Währenddessen findet dort auch eine interessante Ausstellung lokaler Künstler und mehrerer Gäste statt

Von Florian J. Haamann, Germering

Kreischend frisst sich der Winkelschleifer von Ferenc Nemec in den großen weißen Steinblock, Splitter fliegen wie Geschosse an beiden Seiten ab und der Künstler verschwindet in einer feinen Staubwolke. Seit mehreren Tagen setzt er seine Maschine immer wieder an, arbeitet langsam ein sich umarmendes Paar aus dem Stein heraus. Die obere Hälfte ist bereits erkennbar, doch bis zur fertigen Skulptur ist es noch ein staubiger Weg.

So konzentriert wie der ungarische Gast Nemec arbeiten momentan 15 weitere Künstler auf dem ehemaligen Kasernengelände im Germeringer Süden. Denn bereits zum neunten Mal finden dort die Werktage statt, die sich längst als Event etabliert haben. Nicht nur die Künstler genießen die entspannte, ferienlagerartige Atmosphäre, in der gemeinsam gearbeitet, gekocht und sich ausgetauscht wird. Auch Besucher sind herzlich eingeladen, den Künstlern beim Schaffensprozess beizuwohnen und aus erster Hand zu erfahren, wie aus einem Baumstamm oder einem Steinblock eine Skulptur wird.

Zehn Tage lang, noch bis zum 19. Juli, dauern die Werktage, die entstandenen Kunstwerke werden anschließend bei den Offenen Ateliertagen präsentiert. Und während auf der Freifläche des Geländes die 16 Künstler unter ihren improvisierten Zelten, die ein wenig vor der Sonne schützen sollen, noch bei der Arbeit sind, ist im zentralen Gebäude bereits eine Ausstellung mit fertigen Werken zu sehen.

Denn dort, auch das gehört zu den Werktagen, hat sich die Ateliergruppe 27 breit gemacht. Erstmals allerdings hat die Gruppe heuer auch mehrere Gastkünstler eingeladen, so dass eine wirklich große und interessante Ausstellung entstanden ist. Als Motto haben die Organisatoren ein Zitat von Picasso gewählt: "Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele".

"Wohin jetzt" fragt Bärbl Auer mit ihrer Keramik-Skulptur

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Und die ausgestellten Werke sind tatsächlich eine schöne Abwechslung vom hektischen Alltag. Etwa das "blaue Zimmer", mit Werken von Sandra Holzmann. Ihre großformatigen, abstrakten Werke sind dominiert von kräftigen Blautönen, und doch besteht eine harmonische Abwechslung, eine andere Wirkung, die von jedem der Bilder ausgeht. Erreicht wird das vor allem durch ganz leichte Akzente anderer Farben. Ähnlich meditativ wirken die Bilder von Alwin Hoefelmayr, der ebenfalls einen eigenen Raum hat. Ebenfalls großformatig hat er, mal konkreter, mal abstrakter, Wasserfälle gemalt - die sich deutlich voneinander unterscheiden. Mal deutet eine weiße Kante auf Frost und Eis hin, mal ein aufblitzendes Rot auf eine warme Umgebung.

Zum Anfassen gedacht sind dagegen die Skulpturen von Ute Richter. "Modulation - vom U zum Kreuz" besteht aus zwei U-förmigen, weißen Holzelementen, die der Besucher immer wieder neu anordnen kann, ganz wie es ihm gerade beliebt. In einer eher ungewöhnlichen Technik sind die Werke des italienischen Gastkünstlers Serio Digialino gefertigt. Er arbeitet mit Acrylglasplatten, die er biegt und zuschneidet, Teile ausschneidet und auf einem Hintergrund aufbringt. Die Motive sind mal abstrakt, mal konkret, wie etwa in "Das Mittelmeer". Dort lässt er ein weißes Schiff mit einem Mast in Kreuzform auf dem Meer schwimmen, am unteren Bildrand ragen zwei Köpfe aus dem Wasser, daneben posiert eine Badende.

Als Thema der Ausstellung hat die Ateliergruppe ein Picasso-Zitat gewählt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Als verbindendes Element zwischen Ausstellung und den Werktagen im Hof fungiert der Germeringer Steinbildhauer Brian Whitehead. Während im Inneren einige seiner fein gearbeiteten Skulpturen, hauptsächlich Köpfe, zu sehen sind, arbeitet er draußen schon an seinem nächsten Werk. Zwar staubt es bei ihm nicht so wie bei seinem Nachbarn Nemes, weniger anstrengend sieht die Arbeit allerdings nicht aus. Mit Schleifpapier arbeitet er gerade die Struktur aus einem indischen Speckstein heraus. Immer wieder trägt er mit einem Lappen Wasser auf, schleift, prüft, beginnt von vorne. Eigentlich sei der Stein grün, erklärt er, doch je mehr man bearbeitet, desto dunkel werde er. Einige Meter neben ihm steht Johannes Hofbauer in einem Haufen Holzspäne und bearbeitet mit einer Kettensäge einen Holzstamm. Mit diesem groben Werkzeug arbeitet er filigrane, ineinander verschachtelte geometrische Figuren aus dem Holz heraus.

Und so ist es ein interessante Mischung verschiedener Stile, Formen und Materialien mit denen auf dem Gelände gearbeitet wird. Für Kunstinteressierte eine seltene Gelegenheit, dabei zu sein und zu beobachten, wie wirkliche Könner ihre kreativen Prozesse gestalten.

Germeringer Werktage, ehemaliges Kasernengelände, Otto-Wagner-Straße 80, noch bis zum 19. Juli täglich von 10 bis 18 Uhr, am 15. Juli von 12 bis 17 Uhr. Die Ausstellung der Ateliergruppe ist täglich von 14 Uhr an geöffnet.