Kunst in Fürstenfeldbruck:Unaufdringlich existenziell

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Die Kulturstiftung Derriks verleiht ihren Förderpreis an das Künstlerduo Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer. In einer sehenswerten Ausstellung sind nun ihre kinetischen Arbeiten zu sehen

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Eine lange Busfahrt. Draußen strömender Regen. Begleitet vom rhythmischen Auf und Ab der Scheibenwischer. Dieses Erlebnis, das wohl jeder kennt, hat das Künstlerduo Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer gleich zu mehreren Arbeiten inspiriert. "Die Bewegung ist wie ein Streicheln, und gleichzeitig hat sie etwas Brutales. Dieses Gefühl wollten wir verdeutlichen", sagt Pfeifer. "Mich erinnert es ein bisschen an die Liebe. Das Streicheln ist etwas Sanftes, aber wenn es dauerhaft ist, passiert etwas. Da sind Gegensätze, die ganz nah beieinander liegen", ergänzt Kreutzer. Für seine Arbeiten erhält das Duo an diesem Freitag bei der Eröffnung ihrer Ausstellung "Der Sound der Bewegung" den mit 3000 Euro dotierten Förderpreis der Kulturstiftung Derriks. Neben Pfeifer und Kreutzer stellen im Kunsthaus auch Carolin Liebl, Nikolas Schmid-Pfähler und Siegfried Kreitner aus.

Kunst in Fürstenfeldbruck: Bei den Arbeiten von Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer hat der Betrachter intuitiv das Gefühl, dass hinter der Ästhetik etwas Archaisches wartet.

Bei den Arbeiten von Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer hat der Betrachter intuitiv das Gefühl, dass hinter der Ästhetik etwas Archaisches wartet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bewegung und Kinetik sind das große Thema der Ausstellung. Eine der Scheibenwischer-Skulpturen heißt "Hare" und sie besteht aus einem Wischer, der über ein rundes Hasenfell-Imitat wischt. Mit einer Bewegung glättet er das Fell, auf dem Rückweg bricht er diese Ordnung gegen den Strich wieder auf. Immer und immer wieder. Streicheln, zerkratzen, streicheln, zerkratzen, streicheln, zerkratzen. Zuverlässig wie ein Metronom, unumgänglich.

Viele Arbeiten des Duos wirken von außen minimalistisch, Boxen, mal aus Holz, Acryl, mit Fell überzogen, die erst dann reagieren, wenn sich der Besucher nähert, ausgelöst von einem Bewegungsmelder. Dann fangen sie an, sich zu drehen, in programmierten Rhythmen zu schlagen. "Roter Falter" etwa, eine rote Box, die erst zu surren beginnt, ganz so, als sammle sie ihre Kräfte, und dann versucht, sich aus der Vertikalen in die Horizontale aufzurichten. Kurz bevor sie es geschafft hat, fällt sie zurück in die Ausgangsposition. Eine moderner Sisyphos, eine Allegorie fürs Leben. Anstrengen, hinfallen, sammeln, wieder anstrengen, wieder hinfallen, wieder sammeln. Die Arbeiten des Duos haben stets ein spielerisches Element, das der abstrakt-ernsthaften Ebene eine gewisse Leichtigkeit gibt. Der Betrachter spürt intuitiv, dass es da um mehr geht als um drehende und scheppernde Kästen, die irgendwie an der Wand hängen und ganz interessant aussehen. Die Kunst von Kreutzer, Jahrgang 1986, und Pfeifer, Jahrgang 1987, ist existenziell, ohne explizit oder aufdringlich zu werden. Große Kunst und eine hervorragende Wahl für den Förderpreis der Kulturstiftung Derriks.

Kunst in Fürstenfeldbruck: "Der Sound der Bewegung" ist der Name der Ausstellung des Künstlerduos Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer.

"Der Sound der Bewegung" ist der Name der Ausstellung des Künstlerduos Anne Pfeifer und Bernhard Kreutzer.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Ergänzt werden die Arbeiten des Duos durch Werke von Siegfried Kreitner und dem Duo Liebl und Schmid-Pfähler im Untergeschoss des Kunsthauses. Kreitner zeigt eine Auswahl seiner beleuchtenden Skulpturen mit beweglichen Elementen. Bei ihm sind die Bewegungen langsam, manchmal nur durch genaues Hinschauen überhaupt zu erkennen. Sie haben etwas Meditatives. Liebl und Schmid-Pfähler nutzen für ihre Werke die Kraft der Elektrizität. Etwa, wenn sie dünne Drähte über eine Leinwand spannen, die sich durch den Strom, der sie durchfließt, in Bewegung geraten, sich spielerisch umtänzeln. Die Arbeiten im Untergeschoss sind damit eine gute Ergänzung zum Werk von Pfeifer und Kreutzer. So ist der Kulturstiftung Derriks wieder einmal eine sehenswerte und hoch spannende Ausstellung gelungen.

Ausstellung "Der Sound der Bewegung", Kunsthaus Fürstenfeldbruck, Eröffnung an diesem Freitag, 12. November, von 19 Uhr an. Danach zu sehen bis zum 12. Dezember jeweils Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr

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