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Kunst für den OB:Ein Kreuz in Rot

Andreas Haas mit Gemälde Red Crosssing in seinem Büro

Markantes Werk: Germerings Oberbürgermeister Andreas Hass mit dem Bild "Red-Crossing" von Constanze Wagner.

(Foto: Matthias F. Döring)

Im Germeringer Rathaus hängt nun ein Bild von Constanze Wagner

Von Andreas Ostermeier, Germering

Ein leuchtend rotes Bild schmückt das Amtszimmer von Oberbürgermeister Andreas Haas. Ein Kreuz ist auf dem Bild zu sehen, teilweise abgedeckt durch ein Stück Stoff. Das Stück Stoff hat eine Aussparung, die den Blick freigibt auf ein weiteres Kreuz. "Red-Crossing" heißt das Bild und stammt von Constanze Wagner. Öffentlich zu sehen war es in der Retrospektive der Künstlerin, die im vergangenen Jahr in der Stadthalle gezeigt wurde. Haas gefällt das Bild. Er holte es selbst bei der Künstlerin ab, nachdem der Stadtrat beschlossen hatte, es zu kaufen, und ein Kunstbeirat es gemeinsam mit der Malerin ausgesucht hatte.

Das Bild ist bezeichnend für ein Motiv, mit dem sich Constanze Wagner immer wieder befasst hat. Die Form eines Kreuzes entsteht, wenn Menschen die Arme ausbreiten. Den Stamm dieses menschlichen Kreuzes bildet die Wirbelsäule, durch die der Hauptstrang der Nerven führt, auch das ein Motiv von Bildern Wagners, das auch in ihrem Projekt "Der rote Faden - The Thin Red Line" auftaucht. Zudem habe die Kreuzform in der Architektur eine große Bedeutung, sagt die Germeringer Künstlerin. Schon in ihrer Ausstellung "Crosspieces" vor vier Jahren ging es um gekreuzte Holzstücke als stabilisierende Elemente im Bildaufbau. Freilich lässt sich Red-Crossing auch als ein in der christlichen Kunsttradition stehendes Werk sehen. Das Kreuz, teilweise durch ein Tuch verhüllt, ist ein Karfreitagsmotiv, eine Metapher für den Tod - und die Hoffnung auf Wiederauferstehung.

Wagners Bild Red-Crossing ist nicht das erste Kunstwerk, das im Amtszimmer von Haas hängt. An den Wänden rund um den Schreibtisch befinden sich Werke mehrerer Germeringer Künstler, so von dem Illustrator Herbert Lentz oder dem Maler Gerhard Baumgärtel. Einen Querschnitt der Germeringer Kunst könnten Besucher sehen, sagt Haas über die kleine Werkschau in seinem Arbeitszimmer. Constanze Wagner gehört nun auch zu diesem Kreis.

Seit 1973 wohnt sie in Germering. Geboren ist Wagner 1943 in Südafrika. Nach dem Kunststudium kam sie mit der Familie nach Deutschland. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet sie als Dozentin der Volkshochschule. 1984 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Germeringer Kunstkreises. Vier Jahre später wurde sie mit dem Kunstpreis der Stadt ausgezeichnet. Wagner kann auf etliche Ausstellungen in großen Städten verweisen. 2012 war sie anlässlich der Documenta an der Fassadengestaltung einer Firma in Kassel beteiligt. Über Germering hinaus bekannt wurde auch das von ihr geleitete Projekt: "Einen Schmetterling habe ich hier nicht gesehen". Teilnehmer eines VHS-Kurses gestalteten Kunstwerke zu Gedichten, die von KZ-Häftlingen sowie politisch Verfolgten in Südafrika und der DDR geschrieben worden waren. Die Ausstellung wurde an mehreren Orten gezeigt.

Das rote Bild soll kein Solitär bleiben. Die Stadt hat beschlossen, noch ein weiteres Werk von Constanze Wagner anzukaufen. Dessen vorherrschende Farbe ist gelb. Auch das Kreuzesmotiv findet sich in dem Bild. An welcher Stelle im Rathaus es seinen Platz finden wird, ist nach den Worten des Oberbürgermeister aber noch nicht entschieden.

© SZ vom 04.04.2020
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