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Kunst:Die Wirklichkeit durch das Auge des Künstlers

Nach knapp acht Monaten gibt es im Haus 10 wieder eine Ausstellung zu sehen - mit Werken, die Sehnsucht wecken

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Kraftvoll bricht das Licht der Sonne zwischen den saftig grünen Blättern und hinter einem massiven Stamm hervor. Die Stimmung, die durch die tief stehende Sonne entsteht, lässt den Betrachter vermuten, dass es ein Sonnenaufgang ist, den der Künstler Lother Götter bei einem Spaziergang im Forstenrieder Park festgehalten hat. Das großformatige Gemälde erzeugt ein Gefühl von Aufbruch, Neuanfang, Hoffnung. Es ist quasi ein Symbolbild. Für das, was da im Haus 10 wartet. Für das, was sich gerade gesellschaftlich bewegt. Denn im Haus 10 wird an diesem Wochenende die erste Ausstellung seit vergangenem Oktober eröffnet. Möglich wird dies durch die Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen. Die Kunst kehrt also zurück ins öffentliche Leben.

Nach vielen Monaten endlich wieder Ausstellungsraum - das Haus 10.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gezeigt werden im Haus 10 unter dem Titel "Gemalte Wirklichkeit wirklich gemalt" Werke von Ludwig Arnold, Peter Vogt und Lothar Götter. Was ihre Bilder verbindet ist, dass sie sich, wie der Titel verrät, mit der Frage beschäftigen, wie sich die Wirklichkeit auf der Leinwand darstellen lässt. Und alle drei Künstler arbeiten mal mehr, mal weniger ausgeprägt, mit fotografischen Vorlagen.

Am konsequentesten setzt das Ludwig Arnold ein. Jedes seiner Acrylgemälde ist die Umsetzung einer Fotografie. Dabei ist Arnold nicht selbst mit der Kamera unterwegs. Seine Motive findet er in der Pressefotografie, oft im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung, aber auch in kleinen Reiseprospekten. Spricht ihn ein Foto an, dann schneidet er es aus und klebt es in ein Schulheft ein. "Oft sind es Stockfotos, die klischeehaft für ein bestimmtes Thema stehen. Größtenteils weiß ich gar nicht, woher sie kommen. Irgendwas in dem Bild muss mich anregen, eine Spannung erzeugen", sagt Arnold. Wichtig sei ihm eine gewisse Banalität des Gezeigten, er wolle keine Geschichten erzählen oder Botschaften vermitteln. Und so kann der Betrachter sich seine Geschichten selbst ausdenken, wenn er vor Arnolds kraftvollen aufs Wesentliche reduzierten Gemälden von Spaceshuttles, Stadtsilhouetten oder Landschaften steht.

Alle drei ausgestellten Künstler arbeiten in ihren Werken mit fotografischen Vorlagen, die sie dann auf der Leinwand umsetzen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

An klassische Landschaftsmalerei erinnern die Bilder von Lothar Götter. Es sind idyllische Urlaubs- und Spaziergangsmotive, die er festhält: Berge, Seen und Küsten, viel Grün. Da er seine Bilder oft vor Ort malt, sind sie dominiert von schnellen kräftigen Linien und einer Reduktion aufs Wesentliche. Wer mit Leinwand und Palette in der Natur steht, der kann sich nicht in Details verlieren. Das gilt auch für Götters Werke, die später anhand von Fotografien die er unterwegs gemacht hat, entstehen. Spannend auch eine Reihe von Kleinformaten, bei denen Götter echte Fotos übermalt.

Peter Vogts Werke sind poetische Momentaufnahmen alltäglicher Anblicke.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mit verschiedenen Themen beschäftigen sich die Werke des 2013 gestorbenen Münchner Künstlers Peter Vogt. Nahezu fotorealistisch sind seine beiden Gemälde mit Frauendarstellungen. Daneben sind zwei Landschaftsgemälde zu sehen, ein Sonnenaufgang hinter wolkigem Himmel über dem Meer und eine Gebirgsszene. Zwei weitere Bilder zeigen Blüten auf gedecktem Hintergrund, die Blumen selbst sind mit bei genauerem Blick als feine Zeichnungen zu erkennen. Vogts Werke sind poetische Momentaufnahmen alltäglicher Anblicke.

Und so ist die Ausstellung keine herausfordernde in dem Sinne, dass der Besucher sich bei jedem Werk Gedanken über das Gezeigte, seine Hintergründe, die Ideen des Künstlers machen muss. Vielmehr ist es eine Ausstellung, in der sich der Besucher wohlfühlen und sich an der Schönheit und Einfachheit der Motive ebenso erfreuen kann wie an der künstlerischen Qualität des Gezeigten. Also genau der Einstieg, den es nach acht Monaten Kunstabstinenz braucht.

"Gemalte Wirklichkeit wirklich gemalt", Ausstellung im Haus 10. Eröffnung geplant für Samstag, 15. Mai, von 12 Uhr an. Aktuelle Informationen zur Anmeldung und den Öffnungszeiten finden sich rechtzeitig online unter www.kulturwerkstatthaus10.de

© SZ vom 14.05.2021
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