Kultur:Kreatives Retreat

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Kultur: Künstlerinnen auf der Suche nach Antworten: Gabriele Schröder (von links), Christina Kühn, Stephanie von Hoyos und Michaela Friedrich.

Künstlerinnen auf der Suche nach Antworten: Gabriele Schröder (von links), Christina Kühn, Stephanie von Hoyos und Michaela Friedrich.

(Foto: Günther Reger)

In einem Symposium im Haus 10 beschäftigen sich fünf Künstlerinnen mit der Suche nach des Menschen Kern.

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Es ist die Frage aller Fragen, mit der sich eine Gruppe von Künstlerinnen momentan im Haus 10 beschäftigt: "Was braucht der Mensch?". In einem einwöchigen kreativen Retreat wollen sie das Problem einkreisen, sich möglichen Antworten nähern, ihre Gedanken miteinander und den Besuchern teilen und sie in Kunstwerke übersetzen. Dafür kommen sie seit Montag jeden Morgen im Haus 10 zusammen, beginnen den Tag mit einer gemeinsamen Meditation, bevor sie erst einmal miteinander sprechen und diskutieren. Erst dann geht es an die künstlerische Arbeit.

Eine ganze Reihe von Begriffen, die auf kleinen Zettel auf dem Boden gesammelt sind, zeigt, welche Impulse die Künstlerinnen antreiben: Liebe, sauberes Wasser, Spielen, Zeit, Erkenntnis, verzeihen können, frei werden von Gier. Insgesamt sind es mittlerweile mehrere Dutzend Zettel. Man wolle der Welt etwas entgegensetzen, in der der Mensch oft über seine Produktivität und seinen Konsum definiert werde, sagt Stephanie von Hoyos. Sie ist es, die das Symposium initiiert hat. Neben ihr beteiligen sich Christina Kühn, Michaela Friedrich, Gabriele Schröder und Rosa Zschau. Es ist das zweite Symposium dieser Art, die Premiere gab es im August vergangenen Jahres.

Dass der Mensch mehr ist, als seine physische Präsenz, ist das Thema von Christina Kühn. Eine alte Zeichnung ihres verstorbenen Mannes dient ihr als Grundlage und Brücke in die ägyptischen Mythologie. Mit der Einbalsamierung eines Menschen habe man damals versucht, seine physische Anwesenheit in der Welt zu erhalten, ihm seinen "Raum" auf der Welt zu sichern. In einer Reihe von großen Zeichnungen löst erweitert sie dieses Verständnis. Einige Plastik-Fundstücke hat Stephanie von Hoyos zu einer Installation komponiert. "Wenn nach einer Katastrophe ein Mensch spaziert und so etwas findet, wird er sich fragen, was wir eigentlich damit gemacht haben", erklärt sie. Und Kühn ergänzt, dass es schon interessant sei, dass Dinge, die die Natur schafft, sich in die Welt einfügen und sie ergänzen, während der Mensch hauptsächlich Müll produziert und Dinge, die sich eben nicht einfügen.

Als "Advokat des Teufels" versteht sich Rosa Zschau. Sie beschäftigt sich mit dem "Es", der triebhaften Natur des Menschen. Was, wenn er doch einfach nur animalisch ist, auf den eigenen Profit konzentriert und nur da kooperativ, wo es ihm selbst nutzt. Für die anderen vier sei das ein guter Antrieb gewesen, nach Dingen zu suchen, die dafür sprechen, dass da eben doch mehr ist, dass es andere Beweggründe gibt. Genau diese Suche visualisiert Michaela in Form von sich immer weiter spinnenden Kreisen. Die Suche als ständige Bewegung, als Entwicklung, mal gradlinig, mal verschlungen.

Einen Transformationsprozess stellt Gabriele Schröder in ihrer Installation nach. Wie eine Versuchsanordnung hat sie verschiedene Gegenstände auf einem Tisch zusammengebracht. So wie die Alchemisten es früher getan hätten. Nur, dass an die Stelle des Ofens das Herz tritt.

Besucher können an diesem Samstag von 14 bis 17 Uhr und am Sonntag von 10 Uhr an im Haus 10 vorbeischauen, um mit den Künstlerinnen ins Gespräch zu kommen und die entstandenen Arbeiten zu betrachten.

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