bedeckt München 20°

Kritik:Neues Gutachten zu Funkmast gefordert

Um Aufklärung bemüht: Frank-Dieter Käßler (links vorne) und Bürgermeister Hans Seidl (rechts) in Germerswang.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bürger aus Germerswang und Malching wollen mehr als nur eine Erklärung der Telekom, warum in ihrer Nachbarschaft ein 30 Meter hoher Antennenturm gebaut werden soll

So einfach lassen die Malchinger und Germerswanger die Deutsche Telekom nicht davonkommen. Nach der Ankündigung der Telekom, zwischen den beiden Maisacher Ortsteilen einen 30 Meter hohen Funkmasten errichten zu wollen, hat am Mittwoch in Germerswang eine Informationsveranstaltung stattgefunden, in der die Besucher nach dem Vortrag eines Telekom-Mitarbeiters eine unabhängige Stellungnahme forderten. So solle geklärt werden, ob der Mast genau an der von der Telekom genannten Stelle stehen und ob er die geforderten 30 Meter haben muss.

Es ist unter vielen der mehr als 60 anwesenden Bürger, die sich im Gasthaus Mösl eingefunden haben, Unmut und Ungeduld zu spüren. Ungeduld, weil sie endlich aus erster Hand wissen wollen, um was es der Telekom eigentlich geht, und Unmut, weil sie sich falsch oder unzureichend informiert oder gar getäuscht sehen. Denn vor nicht allzu langer Zeit hatte es noch geheißen, in Germerswang werde ein zehn Meter hoher Mast aufgestellt. Mit zehn Metern können die Menschen etwas anfangen, die Telekom stellt solche "Antennenträger", wie sie fachlich richtig heißen, überall auf, ohne eine Baugenehmigung einholen zu müssen. Auch in der Gemeindeverwaltung sei nur ein zehn Meter hoher Mast bekannt gewesen, sagte Bauamtsleiterin Michaela Meinhold, am Mittwochabend. Überrascht sei man dann aber gewesen, als der Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH, die im Auftrag der Telekom die Masten baut, eingegangen sei und aus den zehn plötzlich 30 Meter Höhe geworden seien. Meinhold: "Es sind Änderungen vom Antragsteller erfolgt." Ob sie das erklären könnten, wurden Bürgermeister Hans Seidl (CSU) und Frank-Dieter Käßler, Kommunalbeauftragter der Deutschen Telekom Technik GmbH, gefragt. Der Antwort Käßler folgte bitteres Gelächter. "Es kann auf dem Kommunikationsweg immer mal wieder ein Fehler passieren", sagte der Kommunalbeauftragte.

Die Telekom, so Käßler, sei "immer von 30 Meter ausgegangen". Diese Höhe sei auch nötig, um einerseits einen Abschnitt der ICE-Strecke in Maisach mit "hochwertigem Mobilfunk" und andererseits die Ortsteile Germerswang und Malching bestmöglich zu versorgen. Käßler versuchte an Schaubildern zu verdeutlichen, wo die Lücken wären, wenn die Gegend nur von einem zehn Meter hohen Antennenträger aus versorgt würden. Er blieb auch auf Nachfrage dabei, dass die Höhe nicht verhandelbar sei. Möglich sei es, dass zu den Antennen in 30 Meter Höhe einmal welche "zwei Meter drunter" angebaut würden, aber keinesfalls mehr und tiefer. Auf die Frage, warum die Telekom nicht einen anderen, bereits bestehenden Mast in der Nähe nutze, erklärte der Telekom-Mitarbeiter, dass weder der Standort noch der Mast selbst geeignet seien.

Wie der Gemeinderat dazu steht, erläuterte Bürgermeister Hans Seidl. Zunächst sei es für die genehmigungsfreie Aufstellung des Zehn-Meter-Mastens nur um ein Geh- und Fahrtrecht zu dem privaten Grundstück gegangen. Der Ausschuss, der sich damit befasst habe, habe dies abgelehnt, so Seidl: "Man wollte überhaupt keinen neuen Standort." Es hätte dauerhaftes Wegerecht genehmigt werden müssen. Als dann der Bauantrag für die 30-Meter-Variante eingetroffen sei, habe der Gemeinderat zwei Vorträge der Telekom dazu verlangt. Einmal zur Aufklärung der Gemeinderäte, zum anderen für die Bürger von Germerswang und Malching. "Eine dritte Informationsveranstaltung wird es nicht geben", sagte Seidl im Hinblick auf ein mögliches zweites Gutachten. Das könne, wenn es vorliege, im Rathaus eingesehen werden.

Mittlerweile hat die Telekom einen zehn Meter hohen, mobilen Antennenmast aufgestellt. Eine Genehmigung musste sie dafür nicht einholen. Damit komme man dem Auftrag nach, die Bahnstrecke mit Mobilfunk zu versorgen, sagte Frank-Dieter Käßler. Dass der favorisierte Standort nicht der beste zu sein scheint, lässt sich aus Käßlers Äußerungen schließen, das Landratsamt habe wegen der Überschwemmungsgefahr in diesem Gebiet eine Verlegung des Bauplatzes empfohlen. Unklar blieb Käßler, ob die Telekom das zweite Gutachten übernehmen werde oder die Gemeinde dafür aufkommen muss.

  • Themen in diesem Artikel: