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Kriminalität:Letzte Spur ins Ausland

Per Fernzugriff auf deren Computer bekommen die Täter einen Überblick über dier Vermögensverhältnisse ihrer Opfer.

(Foto: Imago)

Betrüger zocken von zwei Seniorinnen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck Hunderttausende Euro ab

Über Monate hinweg haben Betrüger zwei ältere Damen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck dazu gebracht, ihnen Wertgegenstände und Geld zu übergeben. Die Polizei hat diese Fälle nun ausführlich dargestellt - zur Warnung an alle Senioren, die von falschen Polizeibeamten angesprochen werden. Die Täter, heißt es, würden in ihren Tatausführungen immer gerissener, skrupelloser und professioneller, gingen aber auch immer moderner vor.

So finde der erste Kontakt meist nur per Telefon statt. Er ende mit einer Geldabholung auf der Bank oder aber die Täter griffen von der Ferne auf die Computer der Opfer zu. Um sich zu legitimieren, würden echt wirkende Schreiben namhafter Polizeibehörden versandt. Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck hat nun in zwei Fällen ermittelt, dass zwei Senioren angerufen wurden. Mit der Begründung, es habe in der Nachbarschaft einen Einbruch gegeben, müssten alle ihre Wertgegenstände sichergestellt werden. Dann hätten die Täter schnell umgeschwenkt und erklärt, dass die Frauen in die Banken kein Vertrauen haben dürften. Das auf Konten angesparte Geld müsse in Sicherheit gebracht werden. Durch die Verunsicherung erschlichen sich die Täter das Vertrauen, von der Ferne aus auf die Computer der Frauen zugreifen zu können. Die beiden Betrugsopfer installierten für die Täter Software, die es erlaubt, von der Ferne zuzugreifen. Dann loggten sie sich in ihrem Online-Banking ein und alle Bankdaten wurden für die Täter einsehbar. So bekamen die Betrüger Einblick in die Vermögensverhältnisse, und forderten die Damen auf, sämtliche Sparkonten, Fonds, Bausparverträge und ähnliches aufzulösen. Denn: Das Eigentum sei bei Geldinstituten in Gefahr, es sei in Sicherheit zu bringen.

In einem der beiden Fälle, so die Kripo weiter, fanden anschließend Überweisungen auf ein deutsches Bankkonto statt, hinter dem sich ein ausländischer Zahlungsdienstleister verbarg, der die Gelder sofort auf Auslandskonten weitertransferierte. Im zweiten Fall wurde der Besitz von zwei augenscheinlichen Sicherheitsmitarbeitern mit einem Transporter abgeholt. Der entstandene Schaden liegt im sechsstelligen Bereich. Die Täter verwendeten beide Male die Legende Holger Münch, versandten per E-Mail scheinbar echte Schreiben des Bundeskriminalamtes. Die Kriminalpolizei rät deshalb zu besonderer Aufmerksamkeit und Misstrauen, sollte ein Polizist telefonisch Geld fordern.

© SZ vom 26.09.2020 / ecs

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