Von den Bücherschränken kennt man die Idee schon: Man bringt, was man nicht mehr braucht und nimmt mit, was einem gut gefällt. Der Bund Naturschutz Gröbenzell hat das Prinzip ausgeweitet auf - im weitesten Sinne - Gebrauchsgegenstände: Küchenutensilien, Geschirr, Dekoration, Sportartikel, auch Bücher, CDs, DVDs und vieles mehr kann man im Kreislauf-Container in Gröbenzell unkompliziert tauschen. Weil das verhindert, dass Sachen, die noch zu gebrauchen sind, weggeworfen werden, und das Ressourcen schont, und auch, weil die Idee so gut nachzumachen ist, hat die Jury des Umwelt- und Klimapreises von Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck und Fürstenfeldbrucker SZ das Projekt ausgezeichnet.
In Gröbenzell hat Gemeinderätin Larissa Holmer die Idee umgesetzt, die sie auf der Homepage des Vereins Kreislaufschrank entdeckt hatte. Sie fand ein Team von Unterstützern und als Standort ein privates Grundstück im Gewerbegebiet. Doch sie wollten nicht einen Schrank oder eine Gartenhütte verwenden, sondern bauten einen alten Bürocontainer um. "Innerhalb weniger Wochen wurde komplett aus alten und gebrauchten Materialien ein wohnlicher und ansehnlicher, begehbarer Container erschaffen", erzählt Holmer.
Das Einzige, was für den Ausbau des Containers neu angeschafft werden musste, war eine sehr widerstandsfähige und wetterbeständige Folie, die das Dach gut abdichtet. Die Kosten für den Um- und Ausbau beliefen sich Holmer zufolge auf rund 5000 Euro, sie wurden privat übernommen.
Das Projekt werde gut angenommen, berichtet Holmer. Nicht nur aus Gröbenzell kämen Leute, sondern zum Beispiel auch aus Puchheim, Olching und Fürstenfeldbruck. "Es ist wirklich faszinierend, was alles abgegeben und vor allem auch wieder von anderen mitgenommen wird." Dinge, die länger im Container blieben oder doch etwas groß seien, stelle sie in ein Kleinanzeigen-Portal ein und verschenke sie dort. Dass man auch alten Waschbecken einen neuen Sinn geben kann, zeigen drei bepflanzte Stücke, die das äußere des Schuppens schmücken.
Alle Nutzer hielten sich gut an die Spielregeln, sagt Holmer. "Es wird kein Müll abgegeben und auch nichts beschädigt." Und sie sei wirklich beeindruckt, wie viele Gegenstände durch den Container vor dem Müll bewahrt worden seien.
Was nicht neu produziert werden muss, schont das Klima
Auch zum Klimaschutz trage der Kreislauf-Container bei, erklärt Holmer. "Es ist ein Ort, der einen niedrigschwelligen und unkomplizierten Anreiz gegen den Trend der Wegwerfgesellschaft und des geplanten Verschleißes bieten soll." Denn der übermäßige Konsum der Industrienationen sei in hohem Maße für den Ausstoß von Kohlendioxid verantwortlich. Was nicht neu produziert werden und nicht transportiert werden muss, schont das Klima.
Damit es immer ordentlich aussieht, räumt Holmer nach eigenen Angaben etwa dreimal pro Woche für 15 Minuten im Container auf und stellt die Dinge an den vorgesehenen Platz. Dabei treffe sie immer wieder Leute, die sich freuten, dass es den Kreislauf-Container gibt. Manchmal können bestimmte Dinge nicht angenommen werden, weil der Platz fehlt - vor einigen Wochen waren das Bücher. Und manches muss im Container bleiben, als Einrichtungsgegenstand, Regale zum Beispiel. Diese Sachen sind mit einem roten Punkt gekennzeichnet.
Der Kreislaufschuppen steht in der Straße am Weidegrund 1A, vor den bunten Hallen des Betonwerks. Geöffnet ist er von Montag bis Sonntag von 8 bis 20 Uhr.
Die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck und die Fürstenfeldbrucker Süddeutsche Zeitung haben in diesem Jahr erstmals zusammen einen Klima- und Umweltpreis vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 4000 Euro wurde von der Sparkasse gespendet. Die vier Preisträger und zwei Empfänger eines Sonderpreises werden in loser Folge vorgestellt. Den Anfang machte der Fürstenfeldbrucker Verein "Turmgeflüster ", es folgten das "Gebrauchte Haus" der Familie Lambertz und die Projekte der Stadt Puchheim .
