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Kreisklinik:Tod ohne Abschied

Sechs Stunden lang liegt eine 89-Jährige in der Kreisklinik, dann stirbt sie, während die Angehörigen warten im Nebenzimmer. Diese kritisieren nun das Personal.

Bruck: Impression Kreisklinik / Krankenhaus / Klinikum

Zum wiederholten Mal beschweren sich Angehörige von Patienten über Vorkommnisse in der Kreisklinik Fürstenfeldbruck.

(Foto: Johannes Simon)

Erneut sieht sich die Leitung des Klinikums Fürstenfeldbruck nach dem Tod einer 89 Jahre alten Frau mit schweren Vorwürfen von Angehörigen konfrontiert. Die Frau war bereits im März 2012 in der Notaufnahme gestorben. Dort kollabierte sie nach einem Aufenthalt von acht Stunden in einem sogenannten Überwachungsabteil. Zwischen 12 Uhr und 18 Uhr verweigerten die Ärzte dem Sohn und der Tochter jegliche Auskunft über deren Gesundheitszustand. Die Angehörigen warteten nur wenige Meter von ihrer Mutter entfernt ebenfalls in der Notaufnahme. Die Ärzte gestatteten es den Kindern nicht, ans Krankenbett zu kommen, um Abschied von ihrer sterbenden Mutter zu nehmen.

Als ein Arzt die Tochter bat mitzukommen, nahm sie an, sie könne endlich ihre Mutter sehen. Stattdessen wurde ihr mitgeteilt, dass diese soeben gestorben war. Ihr Bruder durfte nicht dabei sein, als ihr die Todesnachricht überbracht wurde. Klinikvorstand Stefan Bauer und Chefarzt Prof. Dr. Rolf Eissele bedauern den Vorfall. "Den Angehörigen ist man nicht gerecht geworden, ich habe für die Leute Verständnis", erklärte Eissele auf SZ-Anfrage. Medizinisch sei jedoch nichts falsch gelaufen, ergänzt der Chefarzt. Die Frau sei über mehrere Monitore permanent überwacht worden. Zudem seien fünf bis sechs Untersuchungen gemacht worden, um zu diagnostizieren, wie und auf welcher Station der Patientin später geholfen werden sollte. Als das geklärt war, starb die 89-Jährige völlig "überraschend".

Die Bewohnerin des Seniorenheimes Jesenwang war nach einem Sturz mit dem Verdacht auf einen Schulterbruch ins Krankenhaus gebracht, wenige Tages später aber entlassen worden, weil sie nicht operiert werden konnte. Bereits am Tag nach der Entlassung wurde sie in einem schlechten Zustand wieder in die Klinik eingewiesen.

Der Chefarzt war nach einem Gespräch mit den beiden Kindern, das drei Monaten nach dem Tod geführt worden war, zu der Ansicht gekommen, dass alles geklärt sei, da "nichts unter den Tisch gekehrt wurde". Bauer und Eissele entschuldigten sich auch für das Verhalten der Klinikmitarbeiter. Tochter Evelyn Laumen sagt, sie sei nach dem Gespräch "erschüttert" gewesen. Auch weil sie erst da über die Todesursache aufgeklärt worden war. Die Moorenweiserin glaubte damals den Beteuerungen der Klinikleitung, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen würde. Ihr und ihrem Bruder war versprochen worden, die Organisation werde intern verbessert.

Die Berichterstattung der SZ über den Tod eines 80 Jahre alten Parkinsonpatienten veranlassten die Moorenweiserin dann dazu, sich nun doch noch mit dem Fall ihrer Mutter an die Öffentlichkeit zu wenden. Sie sei zu der Überzeug gelangt, dass ihre Erfahrungen "kein Einzelfall" sind. "Das kann so nicht weitergehen", lautet ihr Urteil. Die Angehörige des 80-Jährigen Fürstenfeldbruckers, der Anfang Oktober 2013 nach zwei Eingriffen wohl an einer Blutvergiftung starb, mussten zweieinhalb Stunden kämpfen, bis sie auf einer Station von urologischen Belegärzten einen Mediziner ans Bett des Schwerstkranken brachten. Der Mann lebte kurz danach auf der Intensivstation ab.

Rückblickend meint Eissele zum Tod der 89-Jährigen, dass es wohl das Beste gewesen wäre, die Frau gleich auf die Palliativstation der Kreisklinik zu bringen. Dort hätte sie in Würde sterben und die Kinder hätten vor ihr Abschied nehmen können. Die Tochter hat noch immer nicht den Schmerz überwunden, dass man sie und ihren Bruder nicht zu ihrer Mutter ließ, besonders da klar gewesen sei, dass sie nicht mehr zu retten war. An der medizinischen Betreuung haben sie und ihr Bruder nichts auszusetzen. Es lasse sie jedoch nicht zur Ruhe kommen, dass sie ihre Mutter nicht in ihren letzten Stunden begleiten konnte, sagt die Moorenweiserin. Zumal ihre Mutter bei vollem Bewusstsein und ansprechbar gewesen sein soll und wohl auf ihre Tochter wartete, da sie wusste, dass diese immer zur Stelle war, wenn es ihr schlecht ging.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) sieht in dem erneuten Vorfall keinen Anlass, irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Das wäre nur dann erforderlich, sagte er, wenn die Missstände über die in einem normalen gleicher Größe Klinikbetrieb hinaus gingen oder die Fehler auf politische Entscheidungen zurückzuführen wären. Beides sei nicht gegeben. Gleichwohl, so Karmasin, bedauere er den Vorfall und verstehe das Anliegen der Angehörigen sehr gut. Der Chefarzt habe sich jedoch bei den Angehörigen entschuldigt. Mehr könne man zwei Jahre danach in diesem Einzelfall leider nicht machen.