NaturschutzLobbyarbeit für die Landschaftspflege

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Blick auf das Ampermoos vom Beobachtungsturm in Kottgeisering. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, die Verbuschung zurückzudrängen.
Blick auf das Ampermoos vom Beobachtungsturm in Kottgeisering. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, die Verbuschung zurückzudrängen. (Foto: Niels P. Jørgensen)
  • Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz lädt Landtagsabgeordnete in Naturgebiete ein, um vor Kürzungen im bayerischen Naturschutzhaushalt zu warnen.
  • Das Ampermoos ist eines der drei bedeutendsten Brutgebiete der Bekassine in Bayern und beherbergt seltene Arten wie den Brachvogel.
  • Landwirte übernehmen die Landschaftspflege und benötigen verlässliche Finanzierung, da sie sich darauf spezialisiert und entsprechende Geräte angeschafft haben.
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Naturschützer arbeiten viel, um die Lebensräume von Tieren und Pflanzen zu sichern. Bei einer Exkursion durchs Ampermoos zeigen sie dem örtlichen CSU-Landtagsabgeordneten, was sie tun – und werben für finanzielle Unterstützung.

Von Ingrid Hügenell, Kottgeisering

Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern macht Lobbyarbeit für die Natur und lädt dafür die Landtagsabgeordneten in besondere Naturgebiete ein. Denn noch in diesem Jahr beschließt der bayerische Landtag den Doppelhaushalt für 2025 und 2026, und die Naturschützer haben große Sorge, dass es erneut Einsparungen in ihrem Bereich geben wird. Sie wollen zeigen, was auf dem Spiel steht, wenn Naturschutzgebiete nicht mehr gepflegt werden können, an diesem Montag am Beispiel des Ampermooses.

Dazu haben sie sieben Abgeordnete der Stimmkreise Fürstenfeldbruck, Landsberg und Starnberg eingeladen. Benjamin Miskowitsch, CSU-Stimmkreisabgeordneter für Fürstenfeldbruck-Ost, ist an diesem kalten, verregneten Montag als einziger gekommen. Er sieht sich selbst und die CSU als Lobbyarbeiter für den Naturschutz. Der gelernte Bürokaufmann, seit 2018 Landtagsabgeordneter, zeigt großes Interesse an der Natur. Seine Landtagskollegen hatten mehrheitlich andere Termine.

Der Termin in Kottgeisering am Rand des Ampermooses, eines knapp 550 Hektar großen, nach europäischem Recht geschützten Gebiets, bildet den Auftakt der Kampagne. Überall in Bayern planen und organisieren LBV-Kreisgruppen Einladungen an ihre Abgeordneten, um die Bedeutung der Naturschutzarbeit darzulegen.

Für Freitag hat etwa die Kreisgruppe Erding zu einem Treff in den Naturgarten Buch am Buchrain eingeladen. Dort gehe es um rund 4500 Quadratmeter mit Streuobstbäumen, Vogelschutzhecken und Blühstreifen, die den Wendehals, die Goldammer und weitere Vögel sowie einige selten gewordene Schmetterlinge beherbergen. Wildbienen und Zauneidechsen sind dort ebenfalls zu Hause. Dieser Naturgarten müsse regelmäßig gemäht werden. „Ohne Pflege verfilzt und verbuscht das Grünland sehr schnell – wertvoller Lebensraum ginge verloren.“ So erläutert es die Erdinger LBV-Vorsitzende Uschi Schmidt-Hoensdorf.

Viele Naturschützer im Ampermoos, und mittendrin ein Landtagsabgeordneter, Benjamin Miskowitsch (CSU; vierter von links). Der LBV ist vertreten mit (von links): Matthias Luy, Dana Marquardt, Manfred Ullmer, Peter Weibl, Eva Krüger, Gerhard Däubler, Simon Weigl, Julia Frenzel, Claudius Birke und Stefan Schilling.
Viele Naturschützer im Ampermoos, und mittendrin ein Landtagsabgeordneter, Benjamin Miskowitsch (CSU; vierter von links). Der LBV ist vertreten mit (von links): Matthias Luy, Dana Marquardt, Manfred Ullmer, Peter Weibl, Eva Krüger, Gerhard Däubler, Simon Weigl, Julia Frenzel, Claudius Birke und Stefan Schilling. (Foto: Ingrid Hügenell)

Ähnlich ist es im Ampermoos, wo die LBVler  deutlich in der Überzahl sind. Versammelt haben sich jeweils die hauptamtlichen Geschäftsstellenleiter und die ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden: Simon Weigl und Manfred Ullmer aus Fürstenfeldbruck, Claudius Birke und Stefan Schilling aus Starnberg, Dana Marquardt und Eva Krüger aus Landsberg sowie einige weitere Aktive. Ebenfalls dabei: Matthias Luy,  Landwirtschaftsreferent des LBV. Sie wollten die Abgeordneten der Regierungskoalition bitten, „sich für deutlich mehr finanzielle Mittel im bayerischen Naturschutzhaushalt und damit für den Erhalt unserer einzigartigen Landschaft einzusetzen“.

Denn das Ampermoos, an dem alle drei Landkreise einen Anteil haben, ist Heimat der Bekassine und sogar eines der drei bedeutendsten Brutgebiete des Vogels in Bayern, wie Simon Weigl erläutert. Seit 2004 brütet der Brachvogel wieder dort. Es kommen auch drei fleischfressende Pflanzenarten dort vor, darunter der Wasserschlauch, der unter Wasser kleine Tierchen in winzige Fangblasen einsaugt. Den Schmetterling des Jahres 2026, den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, gebe es dort ebenfalls noch in großer Zahl. Der gesamte Lebensraum spielt zudem eine große Rolle im Hochwasserschutz. Er benötigt Pflege, um erhalten zu bleiben. Die übernehmen Landwirte im Auftrag vor allem von LBV und Landschaftspflegeverband (LPV).

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Inzwischen gebe es wegen der Finanzierung positive Signale aus dem Kabinett, berichtet Matthias Luy. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) habe kürzlich bei einem Termin mit Landwirten berichtet, sein Ministerium werde sogar zehn Millionen Euro mehr erhalten.

Der Landtagsabgeordnete Miskowitsch hat sich mit dem Thema schon ausführlich beschäftigt. Er war mit Simon Weigl am Fliegerhorst, wo es ebenfalls wertvolle Naturschutzflächen gibt und mit der Gebietsbetreuerin im ebenso europäisch geschützten Ampertal. „Es ist wichtig, aus erster Hand zu erfahren, worum es tatsächlich geht“, sagt er und bedankt sich bei den Naturschützern, dass sie sich dafür die Zeit nehmen. Ihm gehe es darum, die Natur, die ja auch seine Heimat sei, zu erhalten. Und es geht ihm um die Bauern, denn die CSU sei auch die Partei der Landwirte, und die übernehmen den Großteil der Arbeiten in der Landschaftspflege. „Wenn wir das vernachlässigen würden, würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden.“

Das Moos braucht die Landwirte, und die brauchen Verlässlichkeit

Das betonen an diesem Tag alle: Die Landwirte, die die Pflegemaßnahmen übernehmen, sind auf Kontinuität und verlässliche Bezahlung angewiesen. Denn viele haben sich auf die Landschaftspflege spezialisiert, extra Maschinen und Geräte dafür angeschafft. Bliebe die Bezahlung aus, müssten sie sich andere Einkommensquellen suchen und würden für die Landschaftspflege ausfallen. Der Starnberger LBV-Vorsitzende Stefan Schilling sagt: „Artenschutz und Landschaftspflegemaßnahmen sind nur durch das Engagement und die Zusammenarbeit von Naturschützern und Landwirten sowie eine ausreichende Finanzierung möglich.“

Dass der Brachvogel wieder im Ampermoos brütet, freue ihn sehr, sagt Miskowitsch weiter. „Das Ampermoos gehört zu den wichtigsten bayerischen Wiesenbrütergebieten“, auch dank der Arbeit des LBV, mit laut Luy vielen tausend ehrenamtlichen Stunden. Das Geld vom Freistaat sei gut angelegt, sagt Miskowitsch.  „Wenn wir an den Programmen sparen, holt uns das wieder ein.“ Das wisse er auch aus intensiven Gesprächen mit seinem Schwager Emanuel Staffler (CSU), Bürgermeister von Türkenfeld und Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands Fürstenfeldbruck.

Miskowitsch zufolge hat der Regierungsbezirk Oberbayern in diesem Jahr das Nachsehen gehabt, als die Mittel vergeben wurden. Das habe unter anderem an vielen genehmigten Mehrjahresanträgen in anderen Regierungsbezirken gelegen. Besonders der LPV Fürstenfeldbruck habe sehr gelitten. „Dieses Ungleichgewicht muss vonseiten des Umweltministeriums korrigiert werden.“

Gebietsbetreuer Christian Niederbichler zeigt, welche Blumen auf den Wiesen wachsen: Lungenenzian , Duftlauch , Färberscharte und Teufelsabbiss.
Gebietsbetreuer Christian Niederbichler zeigt, welche Blumen auf den Wiesen wachsen: Lungenenzian , Duftlauch , Färberscharte und Teufelsabbiss. (Foto: Ingrid Hügenell)

Und dann – es ist ja eine Exkursion angekündigt – stehen alle in einer sehr nassen Wiese am Rande des Ampermooses, die gar nicht zum geschützten Gebiet gehört. Gebietsbetreuer Christian Niederbichler erklärt einige der Zusammenhänge, die Naturschutzarbeit oft so komplex machen. Die Wiese wird im Vertragsnaturschutzprogramm gemäht und mit Festmist gedüngt. Die Düngung sei eigentlich nicht vorgesehen, jedoch notwendig.

Denn: „Der Mist bringt die Regenwürmer in den Boden, und die wiederum frisst der Brachvogel.“ Der brütet im Moorgebiet und ernährt sich und seine Küken überwiegend mit großen Insekten. Im Februar und März, wenn die Insekten noch nicht so weit sind, nutzt er die Wiesen rund um das Moor als Futterquelle. Fehle ein solcher Wiesengürtel, blieben auch die Brachvögel aus. Das könne man am Murnauer Moos sehen, sagt Niederbichler. Und ist wieder bei den Bauern, die diese extensiven Wiesen erhalten. Dazu hat Miskowitsch eine gute Nachricht: Die Staatsregierung plane, auch 2026 und 2027 die Förderung der Landschaftspflegeverbände „auf hohem Niveau weiterzuführen“.  Dem Haushaltsplan des Kabinetts müssen die Landtagsabgeordneten noch zustimmen, voraussichtlich im Dezember.

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