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Konzert:Von kristalliner Klarheit

Aaron Pilsan beschließt umjubelt den Fürstenfelder Klaviersommer

Im Abstand von nur einer Woche folgte am Freitag der dritte und letzte Abend des "Fürstenfelder Klaviersommers". Diesmal waren mehr Stühle aufgestellt, und mit gut 300 Zuhörern waren diese auch besetzt. Mit dem 1995 geborenen Österreicher Aaron Pilsan gastierte der jüngste der drei Pianisten dieses Klaviersommers. Als der junge Mann mit schwarzem Anzug samt Fliege den Stadtsaal mit kraftvollem Schritt betrat, hätte man ihn für einen Abiturienten bei der Abiturfeier halten können. Dazu passte auch, dass der Saal diesmal weitgehend abgedunkelt war, so dass mit Spot auf Flügel und Pianist eine Art Clubatmosphäre entstand. Seine zumindest auf den ersten Blick eher ungewöhnliche Programmzusammenstellung hatte Aaron Pilsan unter das Motto "grandios und virtuos" gestellt.

Mit dem "Concerto nach italienischem Gusto" in F-Dur BWV 971 von Johann Sebastian Bach begann der Abend. Von den ersten Takten des raschen Kopfsatzes an ließ der Pianist keinen Zweifel daran, dass er interpretatorisch klare Vorstellungen hat, die er konsequent umsetzt. Dabei fielen einige Besonderheiten im Spiel von Aaron Pilsan auf, die am ganzen Abend zu beobachten waren: Sein Ton ist von geradezu kristalliner Klarheit geprägt, dabei aber stets rund und beseelt. Ein absolut durchgehaltenes Metrum und eine Tempowahl, die keine zufälligen Schwankungen zulässt, gehören zu den Grundfesten seines Musizierens. Im Andante spürte der Pianist einerseits den musikalischen Bögen nach, die auf dem modernen Flügel leichter als auf dem Cembalo in Klang zu verwandeln sind. Andererseits übertrug er die dynamische Abschattierung, die durch das gleichzeitige Spiel auf zwei Manualen beim Cembalo entsteht, überzeugend auf die klanglichen Differenzierungsmöglichkeiten auf dem Klavier. Im Presto beeindruckte der Leggiero-Anschlag, der trotz des raschen Tempos eine gute Durchhörbarkeit gewährleistete.

Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 aus der Feder von Johannes Brahms folgten. Aaron Pilsan changierte in den zahlreichen Variationen geschickt zwischen der klanglichen Fülle und seinem Anspruch an Transparenz. Dabei gelangen ihm eine Vielzahl an Farben und Nuancen, die vergessen ließen, dass es sich immer um Töne des Klaviers handelte.

Drei "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn Bartholdy waren nach der Pause Gesangsstücke in dem Sinn, dass der vokale Charakter ausgezeichnet getroffen war. Auch das Rondo capriccioso in E-Dur op. 14 des gleichen Komponisten lebte von der kantablen Melodik, die allerdings mit virtuosen Spielfiguren kombiniert war. Dass die Brillanz des Stücks dennoch nie den liedhaften Gestus überdeckte, war ein Verdienst des Pianisten. Sehr sanglich ging es mit dem "Sonetto 47 del Petrarca" aus den "Années de pèlerinage" von Franz Liszt weiter. Mit Liszts "Mephisto Walzer" Nr. 1 wechselte der Fokus dann hin zum akrobatischen Klavierspiel, bei dem Sehen und Hören Hand in Hand gingen. Aaron Pilsan nutzte diese Momente geschickt, um die Stimmung im Publikum anzuheizen. Auf die Bravo-Rufe danach folgte ein Nachschlag in Form der Nummer 8 aus Liszts "Études d'exécution transcendante" mit dem Titel "Wilde Jagd".

Der "Versuchsballon" mit dem "Fürstenfelder Klaviersommer" hat sich als voller Erfolg herausgestellt, was zeigt, dass das Publikum im Sommer nicht nur Garten- und Grillfeste besuchen möchte. Die mit dem Flyer auf den Plätzen besiegelte Fortsetzung im nächsten Jahr ist daher sicher die richtige Antwort auf die von Abend zu Abend anwachsende Zahl an Zuhörern. Es zeigt auch einmal mehr, dass die künstlerischen Leiter Susanne und Dinis Schemann das Ohr genau am Puls ihres Publikums haben. Das offene Format und die unmittelbare Nähe zu den Künstlern vervollständigten in dieser Reihe die abwechslungsreiche und inspirierende Klaviermusik zum Konzerterlebnis.