Konzert Rückreise in den Lenz der Unterhaltungsmusik

Evergreens aus den Zwanziger- und Dreißigerjahren: Pianist Jan Golch, Peter Cismarescu, Marko Cilic, Andreas Burkhart, Marc Megele und Markus Scharpf von den Nostalphonikern lassen im Olchinger Kom die Schlager der Comedian Harmonists hören.

(Foto: Günther Reger)

Die Nostalphoniker erinnern in einem Konzert an die großen Erfolge der Comedian Harmonists und an das Auftrittsverbot für das äußerst beliebte Männer-Sextett im Jahr 1934. Die Besucher im Olchinger Kom spenden viel Applaus

Von Karl-Wilhelm Götte, Olching

Das Publikum im Olchinger Kom fühlt sich sofort ganz nahe bei den "Comedian Harmonists". Schließt man die Augen bei "Veronika, der Lenz ist da", dem melodischen Eröffnungslied der "Nostalphoniker", scheint die Zeit zurückgedreht auf Anfang 1934 zu sein. Das Sextett bietet nicht nur perfektes "Play-back" ihrer Vorbilder, sondern die fünf Sänger und Pianist Jan Golch interpretieren das Repertoire der Comedian Harmonists auf ihre eigene Art, obwohl sie sich ausdrücklich an das Original anlehnen wollen. "Die Comedian Harmonists sangen...", sagt Golch eingangs, sei dann auch der von ihnen bewusst gewählte Konzerttitel. Die 70 Besucher erleben jedoch nicht nur Gesangskunst, sie bekommen auch in der immer parallel eingeblockten Lesung durch die Akteure selbst einen dokumentarischen Einblick in die Märztage 1934, die mit dem Auftrittsverbot des bis dato erfolgreichsten deutschen Gesangsensembles durch die Nazis endete, weil dem Sextett drei jüdische Sänger angehörten. Zwischen 1928, dem Jahr des ersten Auftritts, und 1934 hatte das Sextett 69 Schallplatten aufgenommen und in ständig ausverkauften Konzertsälen gastiert.

Der 9. November als Konzerttag im Kom ist bewusst gewählt. Es ist auch der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. An diesem Tag wiederholen sich der Hitlerputsch von 1923 in München und die Pogromnacht 1938 gegen die Menschen jüdischen Glaubens. Die Nostalphoniker singen aber zu allererst. Das machen sie seit 15 Jahren. Peter Cismarescu, Marko Cilic und Jan Golch sind seit Gründung des Ensembles dabei. "Wir sind erstmals am 13. März 2003 aufgetreten", erzählt Golch, "da wussten wir noch gar nichts vom 13. März 1934. Da fand das letzte Konzert der a-capella-Gruppe mit Klavierbegleitung in München statt. Danach kam auch das Auftrittsverbot in der bayerischen Metropole und ab 1. Mai 1934 in ganz Deutschland. Dieses Konzert in München war auch am Vortag kurzfristig verboten worden, aber unter Auflagen, weil es in der damaligen Tonhalle mit 2000 Zuschauern schon restlos ausverkauft gewesen war, konnte es nach Verhandlungen der Konzertagentur mit den Nazis doch noch stattfinden. Die Auflagen waren so dreist wie unverschämt. Vor allem war es der Presse verboten, zu berichten.

Die Nostalphoniker - Andreas Burkhart, Marc Megele und Markus Scharpf sind im Laufe der Jahre zu den anderen Drei hinzugekommen - legen ihre Haare mit Gel formschön zurecht. Sie singen: "Mein lieber Schatz, bist du aus Spanien? In deinen Küssen brennt die Sonne von Spanien, deine Augen sind wie Kastanien". Sie singen das Ständchen von Schubert oder "So ein Kuss" und enden bei "Mama" und "In einem kühlen Grunde". Lange nicht so schön gehört. Die Stimmen Tenor, Bariton und Bass sind virtuos aufeinander abgestimmt. Mimik und Gestik sitzen perfekt. 17 Lieder, garniert mit schauspielerischen Einlagen, plus Zugaben tragen die Nostalphoniker im Kom dem begeistert applaudierenden Publikum vor. Bass Markus Scharpf hat Mühe bei "Oi Marie" gegen die eifersüchtigen Mitsänger, so das Spiel, sich mit seinem italienischen Solo durchzusetzen.

Am Ende liegen sich alle Sänger mitten im Publikum in den Armen. Besonders "Meine kleine Frühlingswiese" mit "nimm mein Herz mit auf die Reise", geht den Besuchern unter die Haut. Dazwischen immer wieder der dokumentarische Briefwechsel der Konzertagentur Karl Genzberger mit den Comedian Harmonists. Das Konzert in Hof, erster Ort der beabsichtigten bayerischen Tournee von 10. bis 15. März 1934 wird von den Nazis verboten.