bedeckt München 30°

Konzert:Nebeneinander

Klavier und Geige finden nicht immer zusammen

Es war das erste Mal in der fast 30-jährigen Geschichte der "Gröbenzeller Konzertreihe", dass viele Stühle im Saal der Steinerschule frei blieben. Das aber lag nicht an der Musik, sondern wohl an der Verunsicherung bei den Zuhörern, für die der Corona-Virus verantwortlich ist. Zu Gast waren die Geigerin Caroline Goulding und die Pianistin Danae Dörken mit drei Sonaten von Ludwig van Beethoven, Gabriel Fauré und Benjamin Britten.

Gleich zu Beginn stellte sich in Beethovens "Frühlingssonate" für Klavier und Violine in F-Dur op. 24 die entscheidende Frage des Abends: Was ist Kammermusik? Zumeist wird diese Frage so beantwortet, dass Übereinstimmung und Verschmelzung wesentliche Kriterien für die Qualität einer Interpretation sind. Diese Auffassung konterkarierten die beiden Musikerinnen bereits im Kopfsatz Allegro. Die Pianistin stellte eine Melodieführung in den Vordergrund, die wunderbar lyrisch an den Möglichkeiten der menschlichen Stimme orientiert war. Dagegen setzte die Geigerin in ihrem Spiel scheinbar mehr auf die Beethoven zugeschriebenen Charaktereigenschaften, nach denen er viele seiner Mitmenschen vor den Kopf stieß. Sie arbeitete mit einem hörbar hohen Druck auf den Bogen, was Auswirkungen auf die Tonqualität hatte. Es entstand ein etwas gepresster Klang, der Bogenansatz geriet oft ruppig, und das Vibrato wirkte hektisch.

Diese zwei Sicht- oder Spielweisen standen weitgehend unversöhnlich nebeneinander. Die Pianistin versuchte immer wieder, die Geigerin ins Boot zu holen, was ihr aber nur abschnittsweise gelang. Die Problematik stellte sich den ganzen Abend, auch wenn die Gegensätze aus stilistischen Gründen nicht mehr ganz so dominierend waren. Unter diesem Aspekt lässt sich der Abend als Versuch einer interpretatorischen Annäherung zweier Partner zusammenfassen.

Auch der Mittelsatz, ein Adagio molto espressivo, warf Fragen auf. Die Geigerin blieb bei nicht einwandfreier Intonation immer wieder rhythmisch unklar und löste den ausdrucksvollen Klang durch romantisierende Portamenti ein. Auch das Scherzo gelang nicht ganz präzise, was zu Lasten des witzigen Charakters ging. Musizierte die Pianistin schließlich das Thema des Final-Rondos nuanciert, so übersteigerte es sich in der Violine zur Karikatur.

Die eher selten zu hörende Sonate für Violine und Klavier in A-Dur op. 13 von Gabriel Fauré folgte. Der Eingangssatz (Allegro molto) lebte von der großen Geste, in der virtuose Elemente und komplexe rhythmische Strukturen wesentlich für den leidenschaftlichen Ausdruck verantwortlich waren.

Das Spiel der beiden Künstlerinnen war hier musikalisch aufeinander bezogen, auch wenn die Farbpalette der Pianistin reicher war als die der Geigerin. In der richtigen Balance gelang auch das Andante, das den Charme einer Nocturne durch die wechselseitige Ergänzung beider Instrumente verkörperte. Das Schluss-Allegro jonglierte geschickt mit Spannung, Dynamik und motorischer Entwicklung, so dass der Eindruck einer Elegie entstand.

Während das Fauré-Werk von Noblesse getragen war, war der effektvoll-extrovertierte Klanggestus Merkmal der Sonate für Violine und Klavier in e-Moll op. 82 von Edward Elgar nach der Pause. Den hohen Energielevel am Beginn (Allegro) nahmen die Musikerinnen im Verlauf organisch zurück, so dass die verschiedenen motivischen Gedanken in Zwiegespräche eingebracht werden konnten. In der Romance spürte das Duo Stimmungen nach, wenngleich die Intonation für leichte Trübungen sorgte. Eng umschlungen präsentierten sich die beiden Instrumente schließlich im Finale. Am Schluss gab es zum Beifall noch zwei Zugaben.

© SZ vom 11.03.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite