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Konzert:Kraftvoll-lyrischer Beethoven

Mehr Kartenwünsche als Sitzplätze für das Konzert der Jungen Stars: Die Plätze fürs Publikum werden verlost.

(Foto: Oliver Kayser)

"Junge Stars in Fürstenfeld" mit dem Emmeringer Pianisten Jakob Aumiller

Von Klaus Mohr, Fürstenfeldbruck

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt auch im Landkreis, und auf der Bühne des Stadtsaals spielte am Samstag erstmals seit vielen Monaten ein Orchester mit 40 Musikern. Was paradox klingt, beschreibt das Phänomen, dass man durch ausgefeilte Hygienepläne inzwischen gelernt hat, mit dem Virus zu leben und dennoch die Gesundheit der Menschen an oberste Stelle zu setzen. "Junge Stars in Fürstenfeld" hieß es wie jedes Jahr bei diesem Konzert im locker und doch voll besetzten Stadtsaal, für das der Kulturverein Fürstenfeld und das Veranstaltungsforum verantwortlich zeichneten. Es spielte die jugendlich und sehr international besetzte Neue Philharmonie München unter der Leitung des Dirigenten Johannes Zahn, der derzeit an der Zürcher Hochschule der Künste studiert. Auf dem Programm standen ausschließlich Werke von Ludwig van Beethoven, eine Hommage an seinen 250. Geburtstag und eine pädagogisch wertvolle Entscheidung zugleich.

Die Idee, jungen Solisten in Fürstenfeldbruck ein Podium mit Orchester zu bieten, wurde auch diesmal verwirklicht. Mit dem 19-jährigen Pianisten Jakob Aumiller, der am Konservatorium in Trient studiert, war ein Emmeringer Solist im Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll zu hören. Den Kopfsatz (Allegro con brio) eröffnete der Pianist nach der Orchestereinleitung mit kraftvollen Akkorden, die wie Säulen standen. Diesen stellte er unmittelbar folgend eine ganz lyrische Passage gegenüber. Er erwies sich dabei als dialogisierender Partner des Orchesters, seine kantablen Feinzeichnungen wurden etwas vergröbert vom Orchester übernommen. Aumillers Spiel war von Augenmaß und klanglicher Eleganz gekennzeichnet, das galt für die perlenden Intermezzi genauso wie für die rauschenden Klangkaskaden der Kadenz. Nie forcierte er den Klang durch seinen Anschlag oder flüchtete in dynamische Extreme. Im Zusammenspiel mit dem Orchester führten kleine Temposchwankungen beim Pianisten manchmal zu minimalen klanglichen Schwebungen, ein Problem, das der begrenzten Probenzeit zuzuschreiben sein dürfte. Innere Ruhe und gut ausbalancierte Akkorde bestimmten seine Herangehensweise im Largo. Im Final-Allegro führte der Pianist höchst vital von Beginn an klar. Das Orchester folgte ihm einfühlsam und mit sehr präzisen Einsätzen. Mit einer vor rhythmischer Virtuosität sprühenden Zugabe von Nikolai Kapustin bedankte sich Jakob Aumiller schließlich für den großen Beifall beim Publikum.

Die zweite Solistin dieses Konzerts, die Sopranistin Katharina Sandmeier, hatte ihren Auftritt bei den "Jungen Stars" kurzfristig absagen müssen, da sie sich nach einem Heimaturlaub in Griechenland coronabedingt in häuslicher Quarantäne befindet. Auf diese Weise warf Corona auch seine dunklen Schatten auf das Konzert. Begonnen hatte das Programm mit Beethovens 3. Symphonie, der "Eroica". Für das Orchester bedeutete dieses Werk eine gewaltige Herausforderung, die es hervorragend bestand. In vielen Details zeigte sich, dass durch die konstruktive Probenarbeit eine auch musikalisch überzeugende Interpretation entstanden war. Großer Beifall am Ende.

© SZ vom 28.09.2020

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