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Kommunikation:Viel Arbeit für Übersetzer

Germerings Sozialreferent fordert Behördentexte in leichter Sprache

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Die Integration von behinderten Menschen erfolgt auch über die sogenannte Leichte Sprache. Germerings Sozialreferent Herbert Sedlmeier (CSU) kennt sich damit aus. Er berichtete kürzlich dem Sozialausschuss des Germeringer Stadtrates über eine Schulung, die er in seiner Funktion als Behindertenbeauftragter des Landkreises mitgemacht habe. Der Sozialreferent des Stadtrates, der selbst im Rollstuhl sitzt, macht sich für einen kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Menschenrechtskommission stark. Inklusion bedeutet die Teilhabe von Behinderten an möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen. Sedlmeier spricht von "allen Bereichen". Sein Anspruch: "Behinderte sollen von Anfang teilnehmen können."

Dazu zähle auch, dass für geistig behinderte Menschen Texte so verfasst werden, dass sie für diesen Personenkreis verständlich sind. Dass das Formulieren in Leichter Sprache keineswegs leicht ist, habe er selbst erfahren müssen, als er in Augsburg an einem Kurs teilgenommen hat: "Wir haben zu zweit bei einer Übung für einen kleinen Absatz eine halbe Stunde gebraucht." Auch Migranten und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen würden sicherlich von Leichter Sprache profitieren. Er richtete einen Appell an die örtliche Presse, die eine entsprechende Rubrik einrichten könnte. Eine Runde von Experten im Landkreis habe auch empfohlen, dass das Landratsamt eine entsprechende Fachkraft einstellt oder ausbildet, die auch für die Kommunen Texte in Leichte Sprache übersetzt. So ist es wichtig, nur kurze Sätze zu verwenden, die möglichst nur aus Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen. Auf passive Verbformen soll verzichtet werden. Ebenso ist bei der Leichten Sprache der Konjunktiv entbehrlich; genauso wie Synonyme.

"Was kann Germering?", fragte Sedlmeier die Stadträte. Als vorbildlich gilt hier die Internetseite des Mehrgenerationenhauses Zenja. Hier kann per Klick beinahe jeder Text in Leichter Sprache gelesen werden. Daran war allerdings zwei Jahre gearbeitet worden. Grünen-Stadträtin Barbara Hagmann wollte von Sedlmeier wissen, wie lange das Umformulieren einer städtischen Broschüre in Leichte Sprache dauere. In Bayern gebe es fünf autorisierte Studios erwiderte der CSU-Stadtrat. "Die haben aber vier Monate Wartezeit." In Nordrhein-Westfalen komme man schon in drei Wochen voran. Sedlmeier hätte gerne, dass als nächstes die Internetseite der Stadt sich der Leichten Sprache annehme.

"Wir werden daran arbeiten", versprach Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) seinem Sozialreferenten, in Sachen Internetseite tätig zu werden, "und es in den Gremien zu besprechen." Einen Zeitplan konnte Haas jedoch nicht nennen. Als Anfang empfahl Sedlmeier, beim nächsten Wirtschaftsempfang der Stadt einen Gebärdensprachendolmetscher zu engagieren. Sein großes Anliegen ist es, das machte er deutlich, in der Bevölkerung für die Inklusion das notwendige Bewusstsein zu schaffen. Es fange schon damit an, dass Barrierefreiheit nur mit Rollstuhlfahrern in Verbindung gebracht werde. Sedlmeier ist sich aber sicher: "Auch Menschen mit Rollator hilft das Absenken der Bordsteine, genauso wie Müttern mit Kinderwagen."

© SZ vom 20.02.2018
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