Kommunalwahlen 2020 Weg vom Ich, hin zum Wir

Sie bereiten sich mit der Allinger Bürgervereinigung auf die Kommunalwahlen vor: Klaudia Schröder (von links), Hans Schröder, Marina Nigl, Andi Lang und Sonja Bauer.

(Foto: Günther Reger)

Im Streit ist Allings Zweiter Bürgermeister Hans Schröder aus der CSU ausgetreten. Jetzt will er mit einer neu gegründeten Vereinigung das Rathaus erobern

Von Manfred Amann, Alling

Eine Vielzahl Allinger Bürger wünscht sich offensichtlich einen neuen Politikstil mit mehr Transparenz und Bürgernähe. Hans Schröder, der unlängst wegen massiver Differenzen über die aktuelle Ortspolitik und über die versagte Unterstützung im Streit mit Bürgermeister Frederik Röder (CSU) dem CSU-Ortsverband den Rücken kehrte, will nun mit einer neuen Wählergruppe "Allinger Bürgervereinigung" (ABV) bei den Kommunalwahlen 2020 antreten. Es ist eine Kandidatenliste für den Gemeinderat geplant, und Schröder selbst will Bürgermeister werden, um mehr Offenheit und eine bessere Einbindung der Bürger durchzusetzen.

Aufs Engste zusammenrücken und Stühle tragen war am Sonntagabend im Nebenzimmer der Starzl-Stubn bei der Gründungsversammlung angesagt. Selbst Schröder war "überrascht", dass 68 Allinger gekommen waren, von denen 49 per Unterschrift ihre Unterstützung erklärten. Auffällig viele Interessierte jüngeren und mittleren Alters, die in Allinger Vereinen und Organisationen aktiv sind, wenige Senioren, etwa zehn Frauen, aber auch einige CSU-Mitglieder sowie Bürger aus dem Ortsteil Biburg waren der Einladung gefolgt. Zum Sprecher der Wählergruppe wurde erwartungsgemäß Hans Schröder gewählt. Als nächsten formalen Schritt wird nun eine "Kreativgruppe", Hans Schröder, Marina Nigl, Claudia Schröder, Sonja Bauer und Andreas Lang, den Zweck der Gruppierung und deren Zielsetzung und Leitlinien ausformulieren, um die Zulassung der Wählergruppe durch die Kommunalaufsicht im Landratsamt zu erwirken. Vorrangig sei dabei auf jeden Fall, die Kommunikation im Gemeinderat und mit den Bürgern zu verbessern sowie vor grundlegenden Entscheidungen über die Entwicklung der Gemeinde möglichst frühzeitig die Meinung der Bevölkerung "basisdemokratisch" einzuholen. Die Aufstellung der Kandidatenliste für die Gemeinderatswahlen werde nach der Zulassung der ABV voraussichtlich in einem Monat erfolgen, sagte Schröder. Er sei nun "sehr zuversichtlich, die Liste voll zu kriegen". Der Vorteil der ABV liege darin, dass keiner der Kandidaten einer Partei verpflichtet sei, sondern lediglich das gemeinsam erarbeitete Leitbild akzeptieren müsse. "Es können bei der ABV also auch Mitglieder anderer Wählergruppen oder Parteien kandidieren". Zum Streit mit Röder führte der Vizebürgermeister aus, schon länger mit dessen ichbezogenem Führungsstil gehadert zu haben. Beim Versuch, die Allinger Wasserversorgung an den Zweckverband zur Wasserversorgung der Ampergruppe abzugeben, habe er von Anfang an dafür plädiert, diese für die Ortsentwicklung grundlegende Entscheidung per Ratsbegehren den Bürgern zu überlassen. "Meine Meinung wurde jedoch ignoriert." Die Folge davon sei gewesen, dass die Absicht wegen eines von den Freien Wählern organisierten Aufbegehrens der Allinger letztlich nicht mehr durchsetzbar gewesen sei. Dass ihm damals Bürgermeister Röder nahegelegt habe, sein Amt als sein Stellvertreter abzugeben, wenn er mit seiner Politik nicht einverstanden und er als dessen Stellvertreter selbst in für die Gemeinde wichtigen Fragen nicht mehr eingebunden worden sei und zudem vom CSU-Ortsverband keine Unterstützung gekommen sei, habe er beschlossen, die Partei zu verlassen und mit einer neuen Wählergruppe einen eigenen Weg zu beschreiten. "Immer wieder habe er sich Klagen anhören müssen, zu wenig oder zu spät über anstehende Veränderungen und Planungen in der Gemeinde informiert zu werden", sagte Schröder. Unter dem Motto "Tradition bewahren, Zukunft gestalten" hoffe er nun, möglichst viele Wähler gewinnen zu können, um eine offenere und dem Bürger zugewandte Gemeindepolitik durchsetzen zu können.