Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahlen:Die Grünen wollen das Emmeringer Rathaus erobern

Erstmals tritt die Ökopartei zur Kommunalwahl an und schickt zugleich mit der Architektin Ulrike Saatze eine Bürgermeisterkandidatin ins Rennen

Die Kommunalwahl verspricht in Emmering besonders spannend zu werden. Neben den vier bereits bekannten männlichen Bewerbern strebt mit Ulrike Saatze erstmals eine Frau nach dem Bürgermeisteramt. Auf der Nominierungsversammlung des Ortsverbandes Fürstenfeldbruck-Emmering (OV) von Bündnis 90/Die Grünen im Bürgerhaus wurde die Architektin von 15 Wahlberechtigten mit einer Nein-Stimme gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Ebenso zum ersten Mal wollen die Grünen in den Emmeringer Gemeinderat einziehen. Bei der Aufstellung der Kandidatenliste wurden alle 20 Bewerber und drei Ersatzleute einstimmig gewählt. Bezirksrätin Gina Merkl und Bezirksrat Jan Halbauer, der die Wahl leitete, zeigten sich begeistert über den Erfolg, in kurzer Zeit eine volle Liste hinbekommen zu haben, und dankten insbesondere dem Vorsitzenden-Duo der OV, Stephan Dietz und Johanna Mellentin. In Emmering hätten die Grünen zuletzt über 20 Prozent der Stimmen bekommen. "Wir hatten richtig Zulauf bei unseren Vorbesprechungen, man kann sagen, die Grünen sind in Emmering angekommen", sagte Dietz. Man wolle in Emmering nicht nur wie bisher ein wenig mitreden, sondern "wir blasen zum Sturm auf das Rathaus".

Zum Wahlziel gab es Vorstellungen von "drei bis vier Sitze plus X und auf jeden Fall den Bürgermeisterstuhl". "Ich wünsche mir eine möglichst starke Mannschaft, damit ich was bewegen kann", befand dazu Ulrike Saatze, wichtig sei ihr aber auch ein "sachliches und friedliches Miteinander im Gemeinderat", nur so könne man Emmering voranbringen. Die Kandidatin ist Mutter von vier Kindern und leitet seit 1996 das Büro Saatze, Architektur, Arbeitssicherheit, Brandschutz. Bei Besprechungen in den Rathäusern zu Bauvorhaben habe sie einen guten Einblick in die kommunale Verwaltungsarbeit bekommen, so dass ihr die Bürgermeisterarbeit nicht schwer fallen werde, erklärte sie. A

Besonders am Herzen liegen ihr die Erhaltung des Emmeringer Hölzl und der Naturlandschaft entlang der Amper sowie Maßnahmen zum Artenschutz. Trotz allem wolle sie versuchen, das Dorf in finanzieller Hinsicht zukunftsfähig und ortsgestalterisch noch schöner zu machen. Ein reges Dorfleben und die Verbesserung sozialer Strukturen hält Saatze für ebenso wichtig, wie die Förderung der Vereine, der Jugend und der Senioren, den S4-Ausbau und die Lösung der Verkehrsprobleme. Sie will Bürgermeisterin werden, wollte aber nicht als Spitzenkandidatin antreten, sondern belegt den dritten Listenplatz. Zur Begründung sagte sie, damit signalisieren zu wollen, "dass wir eine Mannschaft sind und ich nicht im Vordergrund stehe."

Konkurrenten von SPD und FDP

Auch Emmerings SPD und FDP streben das Bürgermeisteramt an. Die Liberalen wollen bei der Aufstellungsversammlung im Januar Maximilian Gerber nominieren: 37 Jahre alt, Ortsvorsitzender, Diplomwirtschaftsingenieur, Vater zweier Kinder, wohnt seit 2018 in Emmering. Sein Motto: "Ich möchte, auch für meine beiden kleinen Söhne, unsere neue Heimat mitgestalten." Nach zwei Kommunalwahlen Pause schicken die Emmeringer Sozialdemokraten 2020 wieder einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen. Tomas Kraut wurde auf der Aufstellungsversammlung einstimmig zum Spitzenkandidaten gewählt, der auch Nachfolger von Gemeindechef Michael Schanderl (FW) werden will. Der 34-jährige Abwassertechniker, den Freunde "Kraudi" nennen, stammt aus einer seit mehr als hundert Jahren in Emmering ansässigen Familie und ist Jugendausbilder bei der Feuerwehr, Mitglied im Krieger- und Soldatenverein sowie bei den Wörthsee-Fischern. "Wer etwas verändern will, muss ich einbringen", lautet seine Devise. Der Ortsverband der SPD hat insgesamt zehn Bewerber nominiert. Da Emmerings Gemeinderat 20 Mitglieder hat, wird jeder SPD-Bewerber zwei Plätze auf der Liste belegen. Die beiden aktiven SPD-Gemeinderäte, Karl Ring und Eberhard Uhrich, treten erneut an. mann

Die Liste der Emmeringer SPD: 1. Tomas Kraut 2. Eberhard Uhrich 3. Katja Brinkmann 4. Iris Bürgermeister 5. Alexander Dadasios 6. Susanne Görtz 7. Franco Karmann 8. Annemarie Rupp 9. Karl Ring 10. Otfrid Lankes.

Die Bewerber wurden in zwei Abschnitten gewählt. Die ersten sechs per Einzelwahl, die Listenplätze sieben bis 20 wurden - wie vom OV vorgeschlagen - ohne Änderungswünsche angenommen. Zur Spitzenkandidatin wurde Kathrin Durach gewählt. Sie leitet als Erzieherin die Mittagsbetreuung am Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck, ist Beisitzerin im OV und hatte federführend dafür gesorgt, dass in Emmering die Aufstellung einer eigenen Kandidatenliste gelingt. Wie bei den Grünen üblich folgt auf Listenplatz zwei mit Gärtnermeister Korbinian Würstle ein Mann, und dahinter mit Ulrike Saatze wieder eine Frau und so fort. Insgesamt kandidieren neun Frauen und elf Männer aus verschiedenen Berufen und unterschiedlichen Altersgruppen.

Grünen-Kandidatenliste: 1. Kathrin Durach 2.Korbinian Würstle 3. Ulrike Saatze 4. Herbert Groß 5. Sigrid Hofmann 6. Patrick Gailer 7. Christian Dost 8. Andreas Weigand 9. Birgit Kretzschmar 10. Gunther Durach 11. Annabelle Koscha 12. Roger Anders 13. Martina Seifert-Groß 14. Steven Mehrer 15. Daniela Pauli 16. Ole Petersen-Hofmann 17. Anna Grätz 18. Marcel Kurz 19. Anke Simon-Gailer 20. Wolfgang Schramm. Ersatzkandidaten: Andrea Holub, Elisa Glufke, Christine Schnurrer.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4711823
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 06.12.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.