Stichwahlen  im Landkreis FürstenfeldbruckEin Grüner siegt in Gröbenzell, ein SPD-Kandidat in Germering

Lesezeit: 3 Min.

Vorfreude: Daniel Holmer verfolgt in Gröbenzell zuversichtlich die Auszählung in den Wahlbezirken. Rechts neben ihm sein Grünen-Parteifreund Martin Runge, noch amtierender zweiter Bürgermeister.
Vorfreude: Daniel Holmer verfolgt in Gröbenzell zuversichtlich die Auszählung in den Wahlbezirken. Rechts neben ihm sein Grünen-Parteifreund Martin Runge, noch amtierender zweiter Bürgermeister.
Johannes Simon

Die Bürgermeister-Stichwahlen im Landkreis Fürstenfeldbruck bringen viele Überraschungen. In Emmering wird sogar der Amtsinhaber deutlich abgewählt.

Von Manfred Amann, Peter Bierl, Gerhard Eisenkolb und Karl-Wilhelm Götte, Emmering/Germering/Gröbenzell/Puchheim

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Der Landkreis Fürstenfeldbruck erhält  seinen ersten Grünen-Bürgermeister. In einer anderen Gemeinde wird der Amtsinhaber förmlich abgewatscht. Und in der größten Stadt holt der SPD-Bewerber den deutlichen Rückstand noch auf. Die Bürgermeister-Stichwahlen am Sonntag bringen einige Überraschungen.

Gröbenzell

Es ist die erste Kommune im Landkreis, an deren Spitze ein Bürgermeister von Bündnis 90/Die Grünen steht. Daniel Holmer entschied die Stichwahl mit 51,6 Prozent der Stimmen für sich. Der unterlegene Jens Wäcken erreichte ein Ergebnis von 48,6 Prozent. Seit Jahrzehnten ist die Gemeinde im Landkreis eine Hochburg der Grünen. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Martin Runge sagte: „Zeit ist es geworden.“ Jetzt könnten die Gröbenzeller Grünen in Ruhe arbeiten und viele grüne Ziele umsetzen. Versöhnlich gab sich der CSU-Kandidat Wäcken. Er gratulierte dem Sieger und sagte, er freue sich, mit ihm im Gemeinderat zu sitzen und Gröbenzell voranzubringen. Nach dem Schütteln unzähliger Hände sprach Holmer von einem angenehmen Wahlkampf. Sein Ziel sei es, für alle Politik zu machen, was dem überparteilichen Charakter des Amtes entspreche. Holmer lag von Beginn der Auszählung an um zwei bis drei Prozentpunkte vorne. Die Bekanntgabe der Wahlergebnisse verfolgten im Sitzungssaal etwa 100  Interessierte.

Emmering

Anhänger des EBG-Kandidaten feiern den Sie von Ulrich Wiltawsky in Emmering.
Anhänger des EBG-Kandidaten feiern den Sie von Ulrich Wiltawsky in Emmering.
Johannes Simon

Die Geschicke der Gemeinde Emmering werden zukünftig von Ulrich Wiltawsky gelenkt. Der Kandidat der Emmeringer Bürgergemeinschaft (EBG) hat bei der Stichwahl fast doppelt so viele Stimmen bekommen wie Amtsinhaber Stefan Floerecke (CSU), der das Amt seit 2020 bekleidete. Ulrich Wiltawsky, Studienrat an der Realschule in Maisach, erreichte 64,3 Prozent der Stimmen. „Ich habe an mich geglaubt und ein gutes Ergebnis erhofft, aber der eindeutige Sieg kam überraschend, ich muss im Wahlkampf wohl ein gutes Bild abgegeben haben“, sagte der Sieger, dem die Anwesenden mit anhaltenden „Uli-Uli“-Rufen hochleben ließen. Noch-Bürgermeister Stefan Floerecke zeigte sich „enttäuscht“, nimmt es aber sportlich. In der Politik müsse man mit Überraschungen rechnen, er werde sich nun neu orientieren und auch nicht dem Gemeinderat angehören.

Mit Wiltawskys Sieg hat die EBG nach nur einer Periode das höchste politische Amt in der Gemeinde zurückgewonnen. Die Anspannung der etwa drei Dutzend EBG-Unterstützer im Sitzungssaal des Rathauses wich bereits nach der Anzeige des ersten Auszählungsergebnisses auf dem Bildschirm, als ihr Kandidat mit 63,6 Prozent vorne lag. Freudenjubel brach aus und es herrschte fortan lockere Stimmung, denn in keinem der neun Wahlbezirke rutschte der EBG-Bewerber unter die 62-Prozent-Marke.

Germering

Fotofinish: Im Rathaus-Foyer erhält Daniel Liebetruth (SPD) von Amtsvorgänger Andreas Haas (CSU) einen Blumenstrauß (rechts seine Frau Erika Todano).
Fotofinish: Im Rathaus-Foyer erhält Daniel Liebetruth (SPD) von Amtsvorgänger Andreas Haas (CSU) einen Blumenstrauß (rechts seine Frau Erika Todano).
Johannes Simon

Neuer Oberbürgermeister von Germering ist Daniel Liebetruth von der SPD. Der 37-jährige Gymnasiallehrer gewann die Stichwahl mit 50,5 Prozent knapp gegen den CSU-Kandidaten Hannes Kirmair, 32. Vor der Auszählung des letzten Briefwahlstimmbezirkes war es nochmal spannend geworden, weil der Vorsprung Liebetruths von mehr als 300 auf 36 Stimmen zusammengeschmolzen war. Doch dann wurde der neue SPD-OB doch noch mit exakt 151 Stimmen Vorsprung ins Amt gewählt.

Liebetruth hatte im SPD-Parteibüro denkbar nervös den Endspurt der Auszählung verfolgt, ehe er unter dem Jubel der SPD-Mitglieder im Rathaus empfangen wurde. „Lange war ich sehr ruhig gewesen, richtig aufgeregt bin ich erst jetzt“, sagte er merklich angefasst. Dort gratulierte ihm Andreas Haas (CSU) mit einem großen Blumenstrauß.

„Ich habe nur eine Wahl gewonnen und noch nichts geleistet“, gab sich Liebetruth im Foyer des Rathauses vor seinen Anhängern und Zuschauern bescheiden. Kirmair tauchte dort noch nicht auf. Der anwesende CSU-Ortsvorsitzende Marcus Breu zeigte sich enttäuscht, dass ihr Kandidat nach der guten Ausgangslage im ersten Wahlgang nicht als Sieger durchs Ziel ging: „Wir hatten einen hervorragenden Kandidaten. Woran es gelegen hat, muss ich erst analysieren.“

Puchheim

Becker-Faust im Landratsamt: Puchheims neuer Bürgermeister Thomas Hofschuster (CSU).
Becker-Faust im Landratsamt: Puchheims neuer Bürgermeister Thomas Hofschuster (CSU).
Johannes Simon

Die CSU in Puchheim hat nach 38 Jahren SPD-Herrschaft wieder das Sagen im Rathaus. Ihr Kandidat Thomas Hofschuster, bislang dritter Bürgermeister, gewann die Stichwahl am Sonntag klar mit 55,3 Prozent, sein Kontrahent, der SPD-Fraktionssprecher Jean-Marie Leone, musste sich geschlagen geben. „Das ist ein deutliches Ergebnis und freut mich umso mehr“, sagte Hofschuster. Zu den Gründen für den Erfolg wolle er erst etwas sagen, wenn er eine Nacht geschlafen habe.

Hofschuster feierte seinen Sieg im Landratsamt in Fürstenfeldbruck, während Leone bei der Wahlparty im Kulturzentrum Puc von seinen Parteifreunden getröstet wurde. „Ich habe weniger Leute überzeugt als Hofschuster.“ Dazu liege die SPD nicht im Trend. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Hofschuster bereits mit 40,5 Prozent in Führung gelegen, gefolgt von Leone mit 21,9 Prozent. Die Grünen und die UBP hatten zur Wahl Leones aufgerufen – vergeblich. Die Wahlbeteiligung sackte bei der Stichwahl auf 48 Prozent gegenüber 59,1 Prozent im ersten Wahlgang ab.

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