Kommunalwahl 2026 im Landkreis FürstenfeldbruckWo es besonders spannend wird

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Seit 18 Jahren ist Andreas Haas Oberbürgermeister von Germering. Nun tritt er ab.
Seit 18 Jahren ist Andreas Haas Oberbürgermeister von Germering. Nun tritt er ab. Leonhard Simon
  • In Germering, Olching, Puchheim und Gröbenzell treten die bisherigen Bürgermeister nicht mehr an, sodass es dort neue Rathauschefs geben wird.
  • Landrat Thomas Karmasin (CSU) bewirbt sich nach 30 Jahren im Amt um eine sechste Amtszeit gegen sechs Konkurrenten.
  • Etwa 167 000 Bürger sind wahlberechtigt, der Anteil der Briefwähler ist erneut gestiegen und die Ergebnisse werden erst ab 21 Uhr erwartet.
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In Germering, Olching, Puchheim und Gröbenzell treten die Bürgermeister ab. Landrat Thomas Karmasin dagegen will nach 30 Jahren weitermachen – zum sechsten Mal und gegen sechs Herausforderer. Der große Überblick zur Kommunalwahl.

Von Heike A. Batzer und Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Es herrscht Umbruchstimmung im Landkreis Fürstenfeldbruck. Nicht etwa, weil die Bürger Veränderung fordern, sondern weil sich in vier großen Städten und Gemeinden die bisherigen Chefs aus den Rathäusern zurückziehen und es dort neue Bürgermeister oder Bürgermeisterinnen geben wird: In Germering, der mit 42 000 Einwohnern größten Kommune im Landkreis, tritt Oberbürgermeister Andreas Haas (CSU) nach 18 Jahren ab, auch in Olching, Puchheim und Gröbenzell machen die Amtsinhaber Andreas Magg, Norbert Seidl (beide SPD) und Martin Schäfer (UWG) Schluss. Bleiben möchte indes Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin (CSU), der seit exakt 30 Jahren im Amt ist.

Würde Karmasin ein weiteres Mal gewählt, wäre es zum sechsten Mal. Eine Konkurrentin und fünf Konkurrenten treten gegen ihn an. Je mehr Bewerber es gibt, desto größer ist die Chance, dass es zu einer Stichwahl kommt. Karmasin gilt als Favorit. In die Stichwahl musste er bislang nur bei seiner ersten Bewerbung im Jahr 1996.  2020 holte er etwas mehr als 52 Prozent der Stimmen. Es war indes ein ungewöhnliches Bild, damals vor sechs Jahren: Nur einige handverlesene Gäste erschienen im Landratsamt von Fürstenfeldbruck, nicht wie sonst im großzügigen Foyer, sondern oben im kleinen Sitzungssaal. Die Corona-Pandemie hatte gerade begonnen und schon den Kommunalwahlkampf gestört. Corona ist mittlerweile vorbei und deshalb wird es am 8. März im Landratsamt wieder einen öffentlichen Wahlabend geben, an dem Kommunalpolitiker und Bürger zusammenkommen können (ab 17.30 Uhr).

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Die Stadt Fürstenfeldbruck ist – anders als 2020 – bei der diesjährigen Kommunalwahl wieder mit dabei. OB Christian Götz (BBV) stellt sich schon nach drei Jahren wieder zur Wahl, um den Turnus von OB- und Stadtratswahl anzugleichen. Seine erste Amtszeit endet deshalb vorzeitig. Ob eine weitere hinzukommt, wollen vier Gegenkandidaten – allesamt Männer – verhindern. Einer davon ist der Grüne Jan Halbauer, der vor sechs Jahren noch Landrat werden wollte – und dabei mit fast 22 Prozent das zweitbeste Ergebnis an jenem Abend und das beste Ergebnis eines Landratsbewerbers seiner Partei überhaupt erzielte.

In Olching und Puchheim wird es für die SPD spannend

Bei den Kommunalwahlen 2020 erzielten die Grünen auf dem Höhepunkt der Klimabewegung deutliche Zugewinne und lösten die SPD als zweitstärkste Partei ab. Die SPD stürzte regelrecht ab, die CSU verlor im Landkreis fast flächendeckend. Die Ergebnisse der Freien Wähler und Parteifreien waren durchwachsen, die Unabhängigen verloren. Die Linke zog erstmals in den Kreistag ein (ihr Vertreter wechselte später zur SPD), ebenso in die Stadträte von Fürstenfeldbruck und Germering. Die AfD landete mit drei Vertretern im Kreistag (von denen zwei die Partei wieder verließen).

Andreas Magg will seinen Bürgermeisterjob in Olching gegen den des Landrats eintauschen.
Andreas Magg will seinen Bürgermeisterjob in Olching gegen den des Landrats eintauschen. Johannes Simon
Zwei, die sich nicht mehr als Bürgermeister zur Wahl stellen: Norbert Seidl (vorne), Bürgermeister von Puchheim, und sein Amtskollege aus der Nachbarkommune Gröbenzell Martin Schäfer (daneben).
Zwei, die sich nicht mehr als Bürgermeister zur Wahl stellen: Norbert Seidl (vorne), Bürgermeister von Puchheim, und sein Amtskollege aus der Nachbarkommune Gröbenzell Martin Schäfer (daneben). Johannes Simon

Am besten hielten sich CSU und SPD vor sechs Jahren in den Kommunen, in denen sie die Bürgermeister stellten. Insofern dürfte der Ausgang in Olching und Puchheim für die SPD spannend werden, die einzigen Rathäuser, die sie bislang mit Andreas Magg und Norbert Seidl in der Hand hatte. Magg bewirbt sich diesmal als Landrat, Seidl hört auf. In Germering scheidet der populäre OB Andreas Haas (CSU) aus, der seiner Partei trotz Gegenkandidaten stets Top-Wahlergebnisse bescherte: Knapp 69 Prozent waren es 2020. In Gröbenzell tritt Martin Schäfer (UWG), dessen Amtszeit von einigen Querelen begleitet war, nach zwölf Jahren nicht mehr an.

Sieben Rathäuser – in Alling, Emmering, Jesenwang, Maisach, Moorenweis und Türkenfeld – werden derzeit von der CSU regiert. Diese Quote möchte die Partei, wie ihre Kreisvorsitzende Katrin Staffler bei der vergangenen Kreisversammlung betonte, unbedingt verbessern. Nicht überall konnte die CSU jedoch Kandidaten finden.

Christian Götz (links) wurde erst vor drei Jahren zum OB von Fürstenfeldbruck gewählt. Neben ihm der Mitbewerber der Grünen, Jan Halbauer, der vor sechs Jahren noch Landrat werden wollte.
Christian Götz (links) wurde erst vor drei Jahren zum OB von Fürstenfeldbruck gewählt. Neben ihm der Mitbewerber der Grünen, Jan Halbauer, der vor sechs Jahren noch Landrat werden wollte. Stefan Salger

Briefwahl boomt

In den großen Kommunen ist Bürgermeister schon lange ein Hauptberuf, der Trend hat auch die kleinen Gemeinden erreicht. Vor allem seit die Regelung gilt, dass in Gemeinden mit mehr als 2500, aber höchstens 5000 Einwohnern der Bürgermeister automatisch berufsmäßig tätig ist – es sei denn, der Gemeinderat legt anderes fest. In Türkenfeld wird der Rathauschef deshalb seinen Job künftig als Beruf ausüben, Amtsinhaber Emanuel Staffler (CSU) ist dort der einzige Kandidat. In Egenhofen und Althegnenberg wurde diese Entwicklung schon vor sechs Jahren vollzogen. Ehrenamtliche Bastionen bleiben Adelshofen, Hattenhofen, Jesenwang, Kottgeisering, Landsberied, Oberschweinbach, Mittelstetten und Schöngeising.

Gewählt werden Bürgermeister nur in 21 Kommunen: In Eichenau wurde er zuletzt 2022 bestimmt (Peter Münster, parteifrei) und in Moorenweis erst im vorigen Jahr (Christoph Gasteiger, CSU). Wahlberechtigt sind diesmal etwa 167 000 Bürgerinnen und Bürger, bei der Wahl 2020 lag die Wahlbeteiligung bei 58 Prozent.

Bis Mittwochfrüh hatten in Fürstenfeldbruck 8900 von etwa 27 200 Stimmberechtigten Briefwahl beantragt, in Germering waren es etwa 12 500 von 29 800. Das entspricht einem Anteil von etwa 33 Prozent in Bruck und 45 Prozent in Germering. Legt man die Beteiligung an den Kommunalwahlen 2020 zugrunde, würden schon jetzt mehr als die Hälfte aller Stimmberechtigten ihre Kreuze zu Hause vergeben. Der Anteil wird noch steigen, denn Briefwahlunterlagen können bis Freitag um 15 Uhr beantragt und abgeholt werden, allerdings nur noch persönlich in den Rathäusern, weil sonst nicht garantiert ist, dass die Post die Unterlagen rechtzeitig zustellt.

Bisher gibt es im Landkreis nur eine einzige Bürgermeisterin

In ganz Bayern sind nur zehn Prozent der Bürgermeister weiblich. Im Landkreis Fürstenfeldbruck liegt ihr Anteil noch niedriger – bei vier Prozent. In absoluten Zahlen heißt das: Es gibt nur eine Bürgermeisterin, nämlich Andrea Schweitzer in Landsberied. Auf jeden Fall eine Bürgermeisterin wird es künftig in der kleinen Gemeinde Mittelstetten geben: Dort treten zwei Frauen an – eine Seltenheit. In zwölf Kommunen stellen sich ausschließlich Männer zur Bürgermeisterwahl, darunter in acht Kommunen nur jeweils ein einziger Kandidat.

Auseinandersetzung mit Argumenten: die Landratsbewerber (von links) Christian Holdt (ÖDP), Ronja von Wurmb-Seibel (Grüne), Andreas Magg (SPD), Ulrich Bode (FDP), Stefan Weinberger (FW), Thomas Karmasin (CSU) und Peter Banholzer (AfD) im Wahlkampf bei einer Podiumsdiskussion.
Auseinandersetzung mit Argumenten: die Landratsbewerber (von links) Christian Holdt (ÖDP), Ronja von Wurmb-Seibel (Grüne), Andreas Magg (SPD), Ulrich Bode (FDP), Stefan Weinberger (FW), Thomas Karmasin (CSU) und Peter Banholzer (AfD) im Wahlkampf bei einer Podiumsdiskussion. Jana Islinger

Neben Landrat und Bürgermeistern werden bei der Kommunalwahl auch die Stadt- und Gemeinderäte sowie der Kreistag gewählt. Um ein Mandat im 70-köpfigen Kreistag bewerben sich CSU, Freie Wähler, AfD, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, die Unabhängigen Bürgervereinigungen (UBV), ÖDP, FDP und Die Linke. Die Fürstenfeldbrucker Mitte (FBM), die sich im vorigen Herbst von der CSU in Fürstenfeldbruck abgespalten hatte, wurde nicht zur Kreistagswahl zugelassen. Statt 470 Unterstützungsunterschriften brachte die Gruppe nur 366 ein.

In den Städten und Gemeinden treten neben den Parteien etliche lokale Listen an. Eine Besonderheit ist das Panaschieren und Kumulieren. Die Wähler können ihre Stimmen auf mehrere Listen verteilen und bis zu drei Stimmen auf eine Person häufeln und dadurch die Reihenfolge verändern, die die Parteien und Wählergruppen beschlossen haben. Stimmberechtigt sind auch EU-Bürger, über ihren Anteil im Landkreis gibt es keine Daten. Bei der Europawahl 2024 hatte diese Wählergruppe einen Anteil von unter einem Prozent in den meisten Kommunen.

Die Helfer in den Wahllokalen der Städte und Gemeinden zählen am Sonntagabend von 18 Uhr an zuerst die Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl aus, dann die für den Landrat, es folgen die großen Scheine für die Stadt- und Gemeinderäte und zuletzt für den Kreistag. Kreiswahlleiter Robert Drexl erwartet, dass das Ergebnis der Landratswahl nicht vor 21 Uhr vorliegen wird.

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