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Kommunalwahl in Maisach:Von der Gletscherschmelze zum Klimaflüchtling

Der Wirtschaftswissenschaftler Matthias Weiss referiert in Maisach über den Klimawandel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Wirtschaftswissenschaftler Matthias Weiss verdeutlicht bei einem Vortrag in Maisach, was sich alles ändern muss, um die Erderwärmung zu stoppen

Von Marija Barišić, Maisach

Wer bis jetzt immer noch nicht verstanden hat, wie sich der Klimawandel auf unsere Erde auswirkt, wenn wir so weitermachen wie bisher, der war bei dem Vortrag des Grünen-Wirtschaftswissenschaftlers Matthias Weiss in Maisach wohl am richtigen Ort. Gemeinsam mit Bürgermeisterkandidatin Christine Wunderl und ihren Nachfolgern auf der Liste für die Gemeinderatswahlen Barbara Helmers und Patrick Götz, hat dieser im Maisacher Bürgerzentrum eine Veranstaltung zum Thema "Klimawandel - was tun?" organisiert. In seinem Vortrag gelingt Weiss dabei etwas, das Wissenschaftlern meist sehr schwerfällt: sich einfach auszudrücken.

So vergleicht er den schädlichen CO₂-Ausstoß, über den alle so viel sprechen, aber gegen den viel zu wenig unternommen werde, mit der Fensterscheibe eines Treibhauses, die Wärme zwar hinein-, aber nicht mehr herauslasse und damit zu einer gefährlichen Erderwärmung beitrage. Die Folgen dieses "Treibhauseffektes", die Weiss im Anschluss aus der Wissenschaft zitiert, sind den 30 Besuchern des Vortrages, von denen die meisten selbst Mitglied bei den Grünen sind, vermutlich längst bekannt: Je wärmer die Erde, desto flüssiger die Gletscher, desto höher der Meeresspiegel, desto mehr unbewohnbare Gebiete, desto mehr Klimaflüchtlinge. Die Liste der Gefahren, die vom Klimawandel ausgehen, scheint endlos lang zu sein und reicht vom Aussterben diverser Tierarten über Korallensterben in den Ozeanen bis hin zu Häufungen von Extremwetterereignissen, wie man sie dieser Wochen in Australien beobachten konnte. Dort zerstören massive Waldbrände seit Monaten den Lebensraum von Mensch und Tier.

Weiss plädiert für die Einführung einer CO₂-Steuer oder des sogenannten Emissionshandelsrechts, das finanzielle Anreize für Industrieunternehmen schaffen soll, die klimafreundlich produzieren, während klimaschädliches Verhalten abgestraft werden soll. Ganz egal, für welchen Weg sich Deutschland entscheiden sollte: Wichtig sei es eine Vorbildfunktion für andere europäische Staaten zu übernehmen, ähnlich wie Schweden, wo schon 1991 eine CO₂-Steuer eingeführt wurde und "die Wirtschaft trotzdem nicht den Bach untergeht", wie Weiss allen Skeptikern der Steuer entgegnen möchte. Das Thema Vorbildfunktion führt an diesem Abend allerdings noch zu längeren Diskussionen. Wie könne es denn sein, will eine 20-jährige Lehramtsstudentin aus dem Publikum wissen, dass ausgerechnet die Grünen-Abgeordneten im Bundestag in der letzten Legislaturperiode am meisten geflogen seien? Weiss, der offensichtlich zum ersten Mal mit den Zahlen aus dem Bundestag konfrontiert wird, nickt verständnisvoll und antwortet nach einer kurzen Denkpause: "Es gibt Abgeordnete im Bundestag, die arbeiten praktisch gar nicht. Die müssen dann natürlich auch wenig Autofahren, Zugfahren und Fliegen." Wie das denn überhaupt möglich sei, wenn die Grünen in den letzten Jahren nicht einmal Teil der Regierung gewesen seien?, will die diskussionsfreudige Studentin wissen. Weiss könne mit seiner Antwort nur "spekulieren", aber "die Grünen sind generell international interessiert".

Für die Aussage erntet der Wirtschaftswissenschaftler spöttisches Gelächter im Publikum, das erst von Gemeinderatskandidatin Barbara Helmers unterbrochen wird. Zur Verteidigung der Grünen erzählt diese über die Grünen-Parteitage, zu denen sie selbst und "viele andere" in den letzten Jahren immer mit der Bahn angereist seien und wo immer strengere Regeln gälten. So werde mittlerweile nur mehr veganes Essen aufgetischt - "Versucht das an die Öffentlichkeit zu bringen!", unterbricht sie die Studentin, "das ist unheimlich wichtig". Helmers versteht die Aufregung rund um die Flüge der Grünen, allerdings dürfe man nicht vergessen, dass "die Dringlichkeit, mit der die Klimakatastrophe auf uns zurollt, uns allen ja erst jetzt so richtig bewusst wird. Diese Entwicklung machen auch die Grünen als Personen mit". Zum Schluss bittet sie die Studentin noch ihr die Zahlen aus dem Bundestag zukommen zu lassen.

© SZ vom 28.01.2020
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