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Kommunalwahl im Landkreis Fürstenfeldbruck:Karmasin bleibt Landrat

Begrüßung in Corona-Zeiten: Türkenfelds neuer Bürgermeister Emanuel Staffler (von links), Landtagsabgeordneter Benjamin Miskowitsch und der alte und neue Landrat Thomas Karmasin geben ein glückliches CSU-Trio ab.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Amtsinhaber wird mit 52,54 Prozent zum fünften Mal gewählt. Die größte Überraschung ist jedoch das schlechte Ergebnis von acht Prozent für den SPD-Kandidaten Christoph Maier

Landrat Thomas Karmasin bleibt weiter im Amt. Mit 52,54 Prozent wählten die Landkreisbürger den 57 Jahre alten CSU-Politiker neuerlich zu ihrem Landrat, der damit in seine fünfte Amtsperiode geht. Vor sechs Jahren hatte er etwas mehr als 56 Prozent erreicht. Die größte Überraschung des Wahlabends war jedoch das lediglich einstellige Ergebnis für den SPD-Bewerber Christoph Maier. Jan Halbauer von den Grünen kam auf 21,83 Prozent. Noch nie schnitt ein grüner Kandidat so gut ab.

Halbauer und Maier hatten sich im Vorfeld der Wahl Hoffnungen gemacht, den amtierenden Landrat in eine Stichwahl zwingen zu können. Eine solche gab es zuletzt 1996. Die gewann der damals noch unbekannte Polit-Novize Thomas Karmasin. Bei den folgenden vier Wahlen einschließlich der von Sonntagabend benötigte Karmasin jeweils nur einen Wahlgang. Dabei hatte er diesmal tatsächlich befürchtet, dass es zu einer Stichwahl kommen könnte. Die ersten Auszählungen sehen ihn bei um die 49 Prozent. Sein bestes Ergebnis wird er dann in Jesenwang holen mit 68,07 Prozent, am wenigsten Stimmen erhält er in Eichenau (44,65 Prozent).

Zehn Minuten vor acht kommt Karmasin in den kleinen Sitzungssaal im Landratsamt, wo sich Medien und ein paar ausgewählte Parteigänger versammelten. Zu diesem Zeitpunkt sieht ihn das Wahlergebnis bereits aussichtsreich bei mehr als 52 Prozent. Sein Sieg deutet sich an, denn ausgezählt sind bereits 90 Prozent der Stimmen. Seine Stellvertreterin Martina Drechsler ist da, auch der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch verfolgt die Zwischenstände auf der großen Leinwand und andere Wahlergebnisse auf seinem Handy. Karmasin schenkt sich ein Bier ein, die Mitarbeiterinnen und sein Chauffeur, Hans Neider, freuen sich auch über den Wahlausgang, der sich da andeutet. Ein bisschen traurig seien die Umstände schon, meint Karmasin, denn es sei ja eine schöne Feier im Landratsamt geplant gewesen. Doch wegen Corona musste alles abgesagt werden. Später kommt dann noch Andreas Haas, der wiedergewählte Oberbürgermeister von Germering, vorbei, um Karmasin zu gratulieren. Die beiden Germeringer sind ja nicht nur Parteifreunde, sondern kennen einander schon seit vierzig Jahren, lässt Karmasin wissen. Als eine Art Krisenmanager muss sich der Landrat bewähren. Den Wahlkampf hatten sämtliche Parteien auf ein Minimum reduziert. Die Leute würden wohl "in schwierigen Zeiten auf Kontinuität setzen", sagt Karmasin. Dass die Zeiten schwierig seien, liege aber nicht nur an Corona.

Auch Christoph Maier schaut kurz vorbei, hat seinen Sohn dabei. Er spricht von "Enttäuschung", denn das Ziel sei gewesen, die Stichwahl zu erreichen. Davon ist Maier mit 8,04 Prozent meilenweit entfernt, nur in Türkenfeld (16,12 Prozent), wo er wohnt, und in Puchheim (13,53), wo er mal Gemeinderat war, ist sein Ergebnis zweistellig. "Es ist kein so richtig guter Tag", sagt er noch. Er müsse das Ergebnis akzeptieren, eine Erklärung habe er nicht. Die haben auch die Konkurrenten nicht, die sich ebenso überrascht zeigen. Dass jemand, der "so massiv reingeht", ein so schlechtes Ergebnis einfahre, das habe er noch nie erlebt, sagt Karmasin. Rechtsanwalt Maier hatte einen aufwendigen Wahlkampf geführt und noch am Wahlwochenende mit Anzeigen in der lokalen Tagespresse auf sich aufmerksam zu machen versucht. "Das ist bitter bei dem Einsatz", findet auch FDP-Kandidat Ulrich Bode, der mit seinen 2,80 Prozent durchaus zufrieden ist: "Das ist besser als erwartet." Er habe befürchtet, dass die Sache mit Thüringen der FDP mehr schaden würde. Bode führt das Trio am Ende der Rangliste an. Christian Holdt (ÖDP) kommt auf 2,78 Prozent, Linken-Kandidatin Ernestine Martin-Köppl auf 1,64 Prozent. Sie ist neu in der Politik, wie auch die Linke neu im Landkreis ist mit ihren politischen Bewerbern.

Ein gutes Ergebnis mit 10,37 Prozent bringt Sandra Meissner den Freien Wählern ein. In Kottgeisering, wo sie noch Bürgermeisterin ist, schafft sie 21,65 Prozent. Jan Halbauer freut sich über das beste Ergebnis, das ein grüner Landratskandidat im Kreis Bruck je erreicht hat: 21,83 Prozent. Deutlich mehr als jene 14 Prozent, die es 2008 für Martin Runge gab, für den Halbauer als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Halbauers bestes Ergebnis stammt aus Grafrath (28,68).

© SZ vom 16.03.2020

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