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Kommunalwahl im Landkreis:Aus dem Landratswahlkampf in den Kreistag

In Sandra Meissner und Christoph Maier mischen zwei unterlegene Herausforderer von Thomas Karmasin künftig in der Kreispolitik mit. Drei weitere Herausforderer verteidigen ihren Sitz im Gremium. Insgesamt sind 25 von 70 Kreisräten neu

Neu im Kreistag: Sandra Meissner, erste Frau in der Freien-Wähler-Fraktion, und SPD-Mann Chrisoph Maier.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Christoph Maier hat seine Facebookseite inzwischen aktualisiert und das bisher im Zusammenhang mit seinem Namen benutzte Wort Landrat durch den Zusatz "für Sie im Kreistag Fürstenfeldbruck" ersetzt, sein großes Wahlplakat an der B 2 gegenüber dem Landratsamt aber zuletzt noch dort hängen lassen. Der 50-Jährige hatte bekanntlich als Landrat kandidiert, war mit einem Ergebnis von nur acht Prozent der Stimmen aber beim Wähler durchgefallen. Weil er auch als Spitzenkandidat die Kreistagsliste der SPD anführte, zieht er nun als einziger Neuer in die SPD-Fraktion ein, die künftig nur noch halb so groß sein wird wie zuvor. Maier, der promovierte Jurist, wird als Vorsitzender der nur mehr siebenköpfigen Fraktion künftig ihr Wortführer sein, als Nachfolger des viele Jahre in dieser Funktion amtierenden Peter Falk. Maiers Stellvertreterin soll Petra Weber werden, die mit dem siebtbesten Ergebnis ihrer Fraktion gerade so den Wiedereinzug in den Kreistag geschafft hat. Mit Spannung wird erwartet, welchen Ton Maier in der neuen Funktion anschlagen wird. Im Wahlkampf hatte er Landrat Thomas Karmasin (CSU)

bisweilen heftig verbal attackiert. Die Kreistags-Grünen haben schon Routine darin, sich von Karmasin und der CSU-Fraktion abzusetzen, was schon allein dadurch sichtbar wird, dass sie regelmäßig Begründungen dafür finden, den Kreishaushalt abzulehnen. Ihre Stimme wird mehr Gewicht haben in der neuen Konstellation, denn die Zahl der Grünen-Mandate ist von zehn auf 17 gewachsen. Allein dieser Anstieg bringt es mit sich, dass darunter auch neue Kreisrätinnen und Kreisräte sind: Spitzenkandidatin Barbara Helmers zum Beispiel, Bezirksrätin Gina Merkl, die politische Rückkehrerin Angelika Simon-Kraus, aus Germering Christian Huber und Sophie Schuhmacher, der Eichenauer Hans Sautmann, der im Ehrenamt als Asylhelfer schon des öfteren die Politik des Landrats kritisiert hatte, Johanna Mellentin aus Fürstenfeldbruck und die Bürgermeisterkandidaten Andreas Birzele (Althegnenberg), der auch Kreissprecher der Grünen ist, und Christine Wunderl (Maisach). Fraktionssprecher der Grünen bleibt Martin Runge.

Insgesamt ziehen 25 neue Kreisrätinnen und Kreisräte - das sind 36 Prozent - mit der konstituierenden Sitzung am 18. Mai in das 70-köpfige Gremium ein. Wegen der Corona-Krise wird die erste Zusammenkunft nicht wie üblich im großen Sitzungssaal des Landratsamtes, sondern - um die Abstände wahren zu können - in der Turnhalle der Brucker Realschule stattfinden.

Fünf Mandate verloren hat die CSU, die aber jene Partei mit den meisten Mandaten, nämlich 26, bleibt. Zudem verfügt sie bei Abstimmungen über die Stimme des Landrats. Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff, der im März selbst nicht zur Wahl stand, ist derjenige der sechs Neuen, der am meisten Stimmen bekam, und einer der Bürgermeister, die sich dafür beworben haben, auch in der Kreispolitik mitzumischen, die ja auch Auswirkungen auf die einzelnen Städte und Gemeinden hat. Bei Emanuel Staffler war es umgekehrt. Im Laufe der vergangenen Amtsperiode löste er Frederik Röder als Fraktionssprecher ab, nun ist Staffler auch neuer Bürgermeister von Türkenfeld. Über die Frage, ob er auch künftig den Sprecher seiner Fraktion im Kreistag geben wird, will die CSU am 15. Mai befinden. Neue CSU-Kreisräte sind zudem die ehemalige JU-Kreisvorsitzende Thuy Tran aus Germering, die seit ihrer Hochzeit kurz vor den Kommunalwahlen nun Thuy Wegmaier heißt, ihr Nachfolger bei der JU, Wolfgang J. Vogt aus Moorenweis, der erst in der Stichwahl geschlagene junge Olchinger Bürgermeisterkandidat Maximilian Gigl sowie als politische Seiteneinsteiger die Leiterin des Fürstenfeldbrucker Schulamts, Bettina Betz, und der Obermeister der Metzgerinnung und Geschäftsführer des Brucker Schlachthofs, Engelbert Jais. Den häufelten die Wähler vom unscheinbaren Platz 37 auf der Kreistagsliste auf Platz 15 vor - ein Zeichen dafür, dass es nützlich sein kann, wenn man den Wählern bekannt ist. Das muss nicht unbedingt aus der Politik sein.

Erstmals in den Kreistag schickten die Wähler drei AfD-Vertreter (Christian Müller, Rolf Ertel, Florian Jäger) und für die Linke Jörn Weichold. Eines von drei Mandaten für die ÖDP wird als Neuling Carmen Greiff einnehmen. Bei den Unabhängigen Bürgervereinigungen (UBV) ist Christian Götz, bisher zweiter Bürgermeister in Fürstenfeldbruck, neu dabei, bei den Freien Wählern (FW) sind es der Landtagsabgeordnete Hans Friedl, BBV-Kreisobmann Georg Huber und Sandra Meissner. Die ehemalige Bürgermeisterin aus Kottgeisering bereichert die achtköpfige - bislang männliche - FW-Fraktion mit der Stimme von immerhin einer Frau, sie wird zudem als Sprecherin ihrer Fraktion agieren. Mit SPD-Mann Maier hat sie gemein, dass auch sie Landratskandidatin war. Jan Halbauer (Grüne), Ulrich Bode (FDP) und Christian Holdt (ÖDP), die ebenfalls als Landratsherausforderer angetreten waren, verteidigten ihre Mandate im Kreistag.

Landratsvertreter

Landrat Thomas Karmasin (CSU) wusste in den vergangenen Amtsperioden jeweils eine erste Stellvertreterin aus dem eigenen Lager hinter sich. Erst Gisela Schneid, zuletzt Martina Drechsler. Die Olchinger CSU-Stadt- und Kreisrätin "würde es gerne wieder machen", sagt sie der SZ. Es sei eine Aufgabe, die sie gerne übernommen habe, weil sie "gerne mit Menschen umgeht und auch umgehen kann". Aber auch die Grünen zeigen Ambitionen. Wenn man konstruktiver zusammenarbeiten wolle, dann "wäre es ein Zeichen", wenn auch die deutlich angewachsene Grünen-Fraktion einen Stellvertreterposten bekäme, sagt Jan Halbauer. Als Landratskandidat signalisiert Halbauer selbst Interesse an einem Stellvertreterposten, sieht aber auch Kandidatinnen in seiner Fraktion als geeignet an. Weil CSU und Freie Wähler (FW) in vielen Fragen zusammenhalten, sind die Chancen der Grünen möglicherweise aber gering. Die Freien Wähler finden, dass zwei Landratsstellvertreter - bislang waren es in Martina Drechsler, Johann Wieser (FW) und Ulrich Schmetz (SPD) drei - ausreichend seien. Ihr Kandidat soll der bisherige Emmeringer Bürgermeister Michael Schanderl sein. Er stehe "für den weiteren Vertreter" zur Verfügung, bestätigt Schanderl auf Anfrage.

baz

© SZ vom 02.05.2020

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