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Kommunalwahl im Alling:Mit den Allingern reden

Die drei Bürgermeister-Kandidaten der Gemeinde betonen beim politischen Frühschoppen den Wert einer transparenten Kommunalpolitik im Dialog

Von Manfred Amann, Alling

Drei Kandidaten wollen in Alling die Nachfolge von Bürgermeister Frederik Röder (CSU) antreten. Da in der Gemeinde nicht alle gleich bekannt sind und man auch nicht genau weiß, wer wofür eintritt, stellten sie sich im Rahmen eines politischen Frühschoppens am Sonntag im Bürgerhaus in Biburg vor und erläuterten ihre Ideen und Pläne für die Entwicklung der Gemeinde. Eingeladen hatte die Dorfgemeinschaft Biburg-Holzhausen (DG), die selbst keinen Kandidaten für das Amt des Gemeindechefs stellt, mit der Frage "Wer soll unser Bürgermeister werden?".

Sie setzen auf Zusammenarbeit: Die Allinger Bürgermeisterkandidaten Stefan Diemling (von links), Hans Schröder und Stefan Joachimsthaler stellen sich bei einerm Frühschoppen der Dorfgemeinschaft den Frage der Bürger.

(Foto: Günther Reger)

Ob jeder der Besucher nach der gut eineinhalbstündigen Diskussionsrunde schon eine Antwort darauf fand, ist zu bezweifeln, denn "kompetent und sympathisch sind sie alle drei", wie eine junge Frau hinterher sagte. Für den CSU-Ortsverband Alling kandidiert Stefan Joachimsthaler aus Holzhausen, der auf eine sechsjährige kommunalpolitische Erfahrung als Gemeinderat und Baureferent verweisen kann. Er ist 54 Jahre alt, wie sein Konkurrent Hans Schröder. Der tritt für die von ihm gegründete Allinger Bürgervereinigung (ABV) an, er kann auf 24 Jahre im Gemeinderat mit verschiedenen Funktionen bauen. Seit 2014 ist er Vizebürgermeister. Jüngster Kandidat ist mit 43 Jahren Stefan Diemling, der für die Bürgerschaft Alling (BsA) kandidiert, die von seiner Frau Ingrid Schilling (Sportreferentin) geführt wird. Gemeinderatserfahrung habe er zwar nicht, als Verwaltungsfachkraft bei der Stadt München, zuständig für die Bauleitplanung und Umsetzung im Neubaugebiet Freiham, sei er aber gut vernetzt mit Behörden und habe in Verwaltungsangelegenheiten Erfahrungen sammeln können, sagte Diemling. Die Diskussion leiteten Adelheid-Utters-Adam und Markus Heuschneider, die geschickt Fragen zu Inhalten des DG-Wahlprogramms stellten, worauf jeder Kandidat antworten durfte und sich anschließend die Bürger melden konnten. Der Bürgerhaussaal war brechend voll, selbst auf der Bühne wurde bestuhlt und manche Besucher mussten stehen. Auffällig war, dass alle drei Kandidaten eine transparentere Kommunalpolitik anstreben und vor allem so frühzeitig wie möglich die Bürger in Vorhaben einbinden wollen. Mit den Landwirten müsse man zum Beispiel reden, wenn es um Klima- und Umweltschutz gehe, wenn man Bauland brauche und Radwege bauen wolle. Durch Aussagen wie "das wichtigste ist, dass man miteinander redet" (Joachimsthaler), "das geht nur zusammen mit den Bürgern" (Schröder) und "der ständige Dialog ist unverzichtbar" (Diemling) wurde deutlich, dass Röders Führungsstil nicht ihre Sache ist. "Der Allinger Bürgermeister muss wieder mehr der Moderator sein", befand Schröder. "Wir brauchen im Gemeinderat ein Wir-Gefühl statt ein Gegeneinander" sagte Diemling, und Joachimsthaler will aus gleichem Grund "den Frust der Freien Wähler abbauen", deren Anträge unter Röder wenige Chancen gehabt hätten, Zustimmung zu bekommen. In der sehr sachlichen Diskussion ohne Seitenhiebe wurde auch erkennbar, dass alle drei Kandidaten die beschlossenen Maßnahmen wie Kita-Neubau oder Erneuerung der Wasserleitungen fortsetzen wollen, wobei weiterhin nach Fördermöglichkeiten Ausschau gehalten werden soll.

Ein mehrfach gebrauchtes Wort war "Spagat". Den Spagat zwischen Wünschen und Machbarem müsse man zum Beispiel lösen, vor allem mit Blick auf die Finanzen. Am ausgiebigsten mit Bürgerbeteiligung diskutiert wurde über die Schaffung von Wohnraum, wobei Diemling als Bürgermeister seine beruflichen Erfahrungen mit der" Sozialen Bodennutzung" (SoBoN) nutzen würde. Den Haus-oder Grundbesitzern Vorschriften zu machen, lehnen die drei Kandidaten ab, egal ob es um den Ausbau von Häusern und Neubauten geht oder um die Nutzung von Sonnenergie auf den Dächern. "In Privatbesitz einzugreifen, lehne ich strikt ab", sagte Schröder.

© SZ vom 21.01.2020
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