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Kommunalwahl:Germeringer Einzelkämpferin ­

Stefanie Lehenmeier, 29, Stadträtin für die Linke in Germering.

(Foto: Günther Reger)

Stefanie Lehenmeier ist erste Linken-Stadträtin

Von Karl-Wilhelm Götte, Germering

Stefanie Lehenmeier ist genauso wie FDP-Stadtrat Peter Klotz Einzelkämpferin im neuen Germeringer Stadtrat. Damit Lehenmeier und Klotz einen Sitz in den Stadtratsausschüssen hätten bekommen können, hätten sie sich zusammentun müssen. FDP und Linke als eine gemeinsame Fraktion? Das wäre wahrlich eine politische Sensation gewesen. Lehenmeier zeigte sich vor der konstituierenden Sitzung des Stadtrats offen dafür. "Mal sehen, ob die FDP dazu bereit ist", sagte sie nach der Kommunalwahl im März. Sie ist es nicht. "Im FDP-Ortsvorstand haben wir das diskutiert, ob das denkbar wäre", erklärt Klotz und "entschieden, dass wir es nicht machen."

Bei Peter Klotz klingt dabei aber auch Bedauern durch. "Persönlich mag ich Frau Lehenmeier", sagt er, nachdem er sie bei den Treffen der Stadtratsparteien zur Vorbereitung der ersten Sitzung kennengelernt hat. "Ich wäre auch dafür gewesen, das Blöckchendenken auf kommunaler Ebene zu überdenken." Zahnarzt Klotz, der dem Stadtrat schon zwölf Jahre angehört, hätte Neuling Lehenmeier mit seiner geballten Erfahrung gut unter die Arme greifen können. So aber ändert sich für Lehenmeier und Klotz nichts, sie werden in den acht Ausschüssen des Stadtrats nicht vertreten sein. Nicht ganz: Klotz wird wieder dem Rechnungsprüfungsausschuss angehören, weil die CSU ihm dort einen Platz geschenkt hat. Doch Vorsitzender des Ausschusses ist der FDP-Stadtrat nicht mehr. Diesen Posten hat Gerhard Blahusch von den Grünen bekommen, ebenfalls ein Stadtratsneuling.

Für Lehenmeier ist sowieso erst einmal alles neu. Sie geht aber ihr Stadtratsmandat mit dem ihr eigenen Optimismus an. Das war schon vor den Wahlen so. Die 29-jährige kaufmännische Angestellte als Spitzenkandidatin auf der Wahlliste der Linken war ein Novum gewesen. Die Linke kannte niemand in Germering, das waren nicht die besten Voraussetzungen, um in den Stadtrat gewählt zu werden. "Ich will da unbedingt rein", sagte sie entschlossen schon mehrere Wochen vor der Wahl. Zittern musste Lehenmeier schon, ob es reichen würde, als erste Stadträtin der Linken ins Germeringer Kommunalgremium einzuziehen. Sie schaffte es schließlich.

Lehenmeier musste auf Facebook nach eigener Aussage einige Anfeindungen und Beschimpfungen aushalten, als ihre Kandidatur bekannt wurde. Das hat sie offenbar weggesteckt. Sie ist alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter, in München geboren, kam aber schon mit zwei Jahren mit ihren Eltern nach Germering und kennt die Stadt sehr gut. Als ihre Tochter in den Kindergarten Sankt Martin ging, war sie dort Elternbeiratsvorsitzende gewesen. Mit anderen zusammen war sie die treibende Kraft, dass der Kindergarten Sankt Martin saniert werden sollte. Als es schließlich passierte, war ihre Tochter schon in der Grundschule angekommen.

Die sozialpolitischen Forderungen der Linken entsprechen auch denen Lehenmeiers. "Eine andere Partei wäre nicht in Frage gekommen", bekräftigt sie nachdrücklich. Sie möchte sich gerne um die Kinderbetreuung von der Krippe bis zum Hort kümmern. "Auch für Jugendliche wird in Germering noch zu wenig getan", sagt sie. Bezahlbarer Wohnraum ist ihr zweites großes Anliegen. "Wohnen wird besonders für Familien immer schwieriger in Germering", weiß Lehenmeier und fordert die Stadt auf, hier mehr zu tun.

Auftrittsangst im Stadtrat scheint sie nicht zu kennen. Auch an Selbstbewusstsein fehlt es Lehenmeier nicht. "Ich habe schon mit sechs Jahren gesagt, ich will mal Bürgermeisterin werden", erinnert sie sich an ein Zusammentreffen mit Peter Braun, dem damaligen Germeringer SPD-Oberbürgermeister, den sie als Kind bewundert hat.

© SZ vom 29.05.2020

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