Kommunalwahl 2026Sechs Herausforderer für Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin

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Das Landratsamt Fürstenfeldbruck wird seit drei Jahrzehnten vom CSU-Politiker Thomas Karmasin regiert. 
Das Landratsamt Fürstenfeldbruck wird seit drei Jahrzehnten vom CSU-Politiker Thomas Karmasin regiert.  (Foto: Leonhard Simon)

Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin ist seit genau 30 Jahren im Amt. Und er will weitermachen. Dafür muss er sich gegen sechs Herausforderer durchsetzen. Wer ihm den Platz im Landratsamt streitig machen will – eine Übersicht.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Richtig spannend gewesen sind Landratswahlen in den vergangenen 30 Jahren im Landkreis Fürstenfeldbruck nicht. Stets hieß der Gewinner Thomas Karmasin. Der CSU-Politiker ist seit 1996 Landrat. Bei den Wahlen am 8. März kandidiert er erneut. Er hat diesmal fünf Gegenkandidaten und eine Gegenkandidatin.

Thomas Karmasin, CSU

Thomas Karmasin ist der Titelverteidiger.
Thomas Karmasin ist der Titelverteidiger. (Foto: Johannes Simon)

Thomas Karmasin, 1996 als junger Überraschungskandidat der CSU gestartet, ist seither Landrat des 220 000 Einwohner zählenden Kreises im Westen von München. Bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren, die kurz vor dem ersten Corona-Lockdown stattfanden, holte er bei sechs Gegenkandidaten auf Anhieb die Mehrheit von 52,54 Prozent der Wählerstimmen. Lediglich bei seiner ersten Kandidatur musste er in die Stichwahl. Der Vater zweier erwachsener Töchter und eines knapp zweijährigen Sohnes hatte frühzeitig angedeutet, auch mit 63 Jahren noch einmal antreten zu wollen. Karmasin ist seit einigen Jahren auch Präsident des bayerischen Landkreistags. Die kommunalen Anliegen auf höheren politischen Ebenen vorzubringen, ist ihm ein Anliegen, besonders in Zeiten, in denen Kommunen und Kreise große finanzielle Sorgen plagen.

Ronja von Wurmb-Seibel, Die Grünen

Ronja von Wurmb-Seibel als Autorin bei einer Lesung in Eichenau.
Ronja von Wurmb-Seibel als Autorin bei einer Lesung in Eichenau. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Ronja von Wurmb-Seibel teilte ihre Kandidatur gleich selbst per E-Mail mit. Alle wichtigen Rollen in ihrem Leben habe sie „ohne maßgeschneiderte Ausbildung“ begonnen, erzählt sie: Kriegsreporterin, Filmproduzentin, Autorin, Aktivistin, Pflegemutter und Mutter. Die 38-Jährige wuchs in Eichenau auf und lebt jetzt mit Mann und zweijährigem Kind im kleinen Moorenweiser Ortsteil Dünzelbach, ist Filmemacherin und Spiegel-Bestsellerautorin. Zwei Jahre verbrachte sie als Reporterin in Afghanistan. Dort habe sie, umgeben von schlechten Nachrichten gelernt, Geschichten so zu erzählen, dass sie Mut machen. Im vergangenen Jahr startete sie die überparteiliche Initiative „Misch dich ein!“ für mehr Frauen im Gemeinderat. Den Grünen gehört sie erst seit knapp einem Jahr an. Bei den Landratswahlen vor sechs Jahren sammelten die Grünen 21,83 Prozent der Stimmen.

Andreas Magg, SPD

Andreas Magg ist derzeit noch Bürgermeister von Olching.
Andreas Magg ist derzeit noch Bürgermeister von Olching. (Foto: Johannes Simon)

Seit 18 Jahren ist Andreas Magg Bürgermeister von Olching, das in den Anfangsjahren seiner Amtszeit zur Stadt erhoben wurde. Bei seiner ersten Wahl war Magg gerade mal 29 Jahre alt. Seit zwanzig Jahren ist der SPD-Politiker und Vater zweier Töchter auch Kreisrat, derzeit als Sprecher seiner Fraktion. Es kam auch für politische Beobachter überraschend, dass er den Bürgermeisterposten aufgeben will, um Landrat zu werden. Schon zwei Jahre vor dem Kommunalwahltermin machte er dies öffentlich. Magg ist derzeit dienstältester Bürgermeister im Landkreis, auch weil er wegen des Todes seines Vorgängers schon einige Wochen vor dem offiziellen Beginn der neuen Amtsperiode ran musste. 47 Jahre ist er jetzt und sagt, das sei „ein gutes Alter“, um sich noch einmal neuen Herausforderungen zu stellen. Die SPD kam bei den vergangenen Landratswahlen auf lediglich acht Prozent der Stimmen.

Stefan Weinberger, Freie Wähler

Stefan Weinberger von den Freien Wählern möchte den amtierenden Landrat ablösen.
Stefan Weinberger von den Freien Wählern möchte den amtierenden Landrat ablösen. (Foto: Freie Wähler)

Stefan Weinberger heißt der Landratskandidat der Freien Wähler. Der 40-jährige Vater zweier Kinder aus Fürstenfeldbruck wuchs in Puchheim auf und lebte zwischenzeitlich in Gröbenzell. Er ist promovierter Geowissenschaftler und arbeitet als Abteilungsleiter bei einer Softwarefirma in Germering. Viele Jahre war Weinberger Kreisvorsitzender der Jungen Freien Wähler im Landkreis Fürstenfeldbruck und deren stellvertretender Landesvorsitzender in Bayern. Zu seinem ehrenamtlichen Engagement zählt er neben der Kommunalpolitik seine Tätigkeiten als Stadionsprecher und Sporttrainer sowie für den Digitalverband Bitkom. Bei der Landratswahl 2020 holten die Freien Wähler etwas mehr als zehn Prozent der Stimmen.

Ulrich Bode, FDP

Dauerlandratskandidat seit 2002: Ulrich Bode
Dauerlandratskandidat seit 2002: Ulrich Bode (Foto: Johannes Simon)

Ulrich Bode, 63, ist die Allzweckwaffe der FDP im Landkreis. Schon seit 2002 ist er - mit Ausnahme der Wahl 2014 - der jeweilige Landratskandidat seiner Partei und damit der „ausdauerndste Mitbewerber“ des amtierenden Landrats, wie Bode über sich selbst sagt. 2020 erhielt er 2,80 Prozent der Stimmen. Seit 2002 ist der Diplom-Informatiker, der mehrere Bücher zur Digitalisierung geschrieben hat, auch Kreisrat und kennt die finanzielle Lage, in der sich der Landkreis Fürstenfeldbruck befindet, nur allzu gut. Er sagt deshalb: „Es gibt kein belastbares Argument, das den Landkreis daran hindert, die notwendigen Einnahmen durch eine gezielte Ansiedlungspolitik zu ermöglichen.“

Christian Holdt, ÖDP

Christian Holdt kandidiert zum zweiten Mal in Folge.
Christian Holdt kandidiert zum zweiten Mal in Folge. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Neben dem amtierenden Landrat Thomas Karmasin ist Christian Holdt der einzige aus der Kandidatenriege, der bereits 2020 kandidierte und damals 2,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Nun tritt der 58 Jahre alte Marktforscher erneut für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) an. Der Vater zweier Kinder ist seit Juli auch Kreisvorsitzender seiner Partei. Er hat eines von drei ÖDP-Mandaten im Fürstenfeldbrucker Kreistag inne. Wichtig ist ihm, das hatte er schon vor der vergangenen Wahl betont, dass „wir lernen müssen, klima- und umweltverträglich zu leben“.

Peter Banholzer, AfD

Peter Banholzer tritt für die AfD an.
Peter Banholzer tritt für die AfD an. (Foto: Leonhard Simon)

Zum ersten Mal tritt die AfD mit einem eigenen Landratskandidaten an. Peter Banholzer, 65 Jahre alter stellvertretender Kreisvorsitzender der Partei, kandidierte bereits 2023 im Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost für den bayerischen Landtag. Vor mehr als zehn Jahren machte sich der aus München stammende Egenhofener als Immobilienmakler selbständig. Banholzer war lange Mitglied der CSU, ehe er sich im Zuge der Finanzkrise von der Partei abwandte und seine politische Heimat in der AfD fand. Die AfD startete 2020 mit drei Mandaten im Kreistag von Fürstenfeldbruck, zwei ihrer Kreisräte traten mittlerweile aus der AfD aus.

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