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Kommentar zum Flächenfrass:Ein Idyll wird geopfert

Alternative Standorte für das Feuerhaus in Hörbach sind nicht gut genug geprüft worden

Von Manfred Amann

Nun opfert die Gemeinde Althegnenberg doch tatsächlich einen der schönsten Plätze in Hörbach, um ein neues Feuerwehrhaus zu errichten - trotz großen Widerstandes. Weil auch ein großer Vorplatz für Übungen und Stellplätze gebraucht wird, muss eine riesige Fläche versiegelt werden. Es scheint so, als hätte die Mehrheit der Ortspolitiker vergessen, dass dieses grüne Idyll in der Dorfmitte mit dem Bachlauf im Jahr 2000 beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" wesentlich dazu beitrug, dass der Ort als "schönstes Dorf" eine Goldmedaille und ein Jahr später im Bayernwettbewerb eine Silbermedaille gewann. Sie nehmen auch keine Rücksicht darauf, dass die grüne Oase einst geschaffen wurde, um Jugendlichen im Ort Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Dass die Jugend dort seit 25 Jahren, ohne jemals Ärger zu machen, in eigener Verantwortung eine Hütte betreibt, scheint keine Rolle zu spielen. Ihre Bedenken, durch das neue Feuerwehrhaus quasi in eine Ecke mit wenig Grün um die Hütte abgedrängt zu werden, hatten die Jugendlichen in der jüngsten Freinacht mit einer Austrassierung des möglichen Gebäudes unmissverständlich klar gemacht. Ob ein neuer Treffort wieder so gut angenommen werden wird, ist fraglich.

Das Ergebnis der Abstimmung hätte knapper nicht ausgehen können - die Stimme des Bürgermeisters gab den Ausschlag. Es spiegelt wider, was in der Bürgerversammlung bemängelt wurde: Alternative Standorte wurden zu wenig geprüft und die Bevölkerung nur bruchstückhaft informiert, geschweige denn eingebunden. Es ist anzunehmen, dass die Grünfläche schon seit langem als Wunschstandort feststand. Dass sich ein Großteil der Hörbacher bei einer Umfrage dafür aussprach, darf man nicht übergehen. Man sollte aber bedenken, dass solche Ergebnisse wesentlich davon abhängen, wer wen mit welcher Frage konfrontiert. Zu bezweifeln ist, ob die Standorte am Ortsrand ebenso intensiv untersucht wurden wie der in der Ortsmitte. Alleine die Art der Darstellung auf der Bürgerversammlung ließ vermuten, dass diese mit weniger Herzblut einer Prüfung unterzogen wurden.

Die richtige Vorgehensweise bei der Suche nach Standorten wäre gewesen, erst deren Verfügbarkeit zu klären und dann in die Öffentlichkeit zu gehen. Dann hätten sich die Bürger über Vorteile und Nachteile ein Bild machen können. Und die Gemeinde hätte von Anfang darauf dringen müssen, dass die Feuerwehren von Hörbach und Althegnenberg ein gemeinsames Feuerwehrhaus bekommen. Warum wurde diese seit Jahren kursierende Idee nicht weiter verfolgt? Ihre Eigenständigkeit hätten die Wehren dennoch behalten können. So muss zuerst für die Hörbacher Wehr ein neues Feuerwehrhaus finanziert werden und bald auch für die Althegnenberger.

© SZ vom 19.05.2018
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