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Kommentar:Zeitgemäßer Vorschlag

Um die Menschen zum Radfahren zu animieren, müssen der Verkehr sicherer gemacht werden. Pop-up-Radwege sind eine kostengünstige und schnelle Möglichkeit dazu

Von Karl-Wilhelm Götte

Radfahren hat gerade im Coronajahr, das belegen Studien, einen Aufschwung erlebt. Experten sprechen sogar von einer Verdopplung des Radverkehrs in Pandemiezeiten. Immer mehr Menschen sind auch mit E-Bikes unterwegs, legen längere Strecken zurück und fahren mit dem Rad zur Arbeit. Auch die Anzahl der Lastenfahrräder nimmt zu. Ein starkes Signal in Zeiten des Klimawandels. Allein die große Anzahl von Radfahrern gibt ihnen ein Recht auf eine sichere Radspur. Bisher müssen sie sich in der Regel einen Radweg mit Fußgängern teilen oder auf der Straße fahren. Dort gilt es auf Autofahrer zu achten, die die Straße stets als ihr Refugium betrachten und Radfahrer eher als störend empfinden. Meistens stimmt der Sicherheitsabstand nicht.

Der Vorstoß der Olchinger Grünen, eine Pop-up-Radspur auszuprobieren, ist deshalb einer in die richtige Richtung. Ähnliche Bestrebungen der Partei gibt es auch in Germering. "Sicherheit" ist das zentrale Thema für Radfahrer. Mangelnde Sicherheit hält viele potenzielle Radfahrer vom Umstieg aufs Zweirad ab. Die Infrastruktur der Straßen leitet das Verkehrsverhalten, das ist kein Geheimnis. 72 Prozent der Fahrradfahrer fühlen sich beispielsweise nach einer ADFC-Umfrage in Germering gefährdet. Das wird in Olching kaum anders sein. Gefährdungen von Radfahrern gibt es auf der dortigen Hauptstraße, der Einkaufsstraße in Olching, täglich genügend. Die Dominanz des Autos, getragen auch von den angesiedelten Händlern, ist dort übermächtig.

Ein Pop-up-Bikelane-Experiment im Olchinger Gewerbegebiet wäre keine Revolution, wenn auch der leidenschaftliche Radfahrer Tomas Bauer von der CSU das so sieht, weil er es vorrangig durch seine ideologische Brille betrachtet. Es wäre vielmehr der Aufbruch Olchings zur wirklichen Stadt im Jubiläumsjahr zehn, zumal in der Johann-G.-Gutenberg-Straße kaum Autoparkplätze wegfallen würden. Übrigens beansprucht ein parkendes Auto zwölf Quadratmeter Abstellfläche. Zehn Fahrräder könnten anstelle eines Autos dort parken. Eine Pop-up-Fahrradspur ist nur etwas für eine Großstadt wie München? Keineswegs. Auch kleinere Orte, wie zum Beispiel Traunstein, nehmen mit einer markierten Spur ihre Fahrradfahrer ernst. Deshalb kann man den Olchinger Stadträten nur raten, mutig voranzugehen.

© SZ vom 09.06.2021
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