bedeckt München 23°
vgwortpixel

Kommentar:Zeit und Geld verplempert

Nur lautstarke Proteste könnten die Staatsregierung beim S4-Ausbau in Zugzwang bringen

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass die Staatsregierung auf der S 4 einen Zehn-Minuten-Takt angekündigt hat. Ein solcher ist überfällig, denn die Strecke hat im Westen die meisten Fahrgäste, die Züge sind im Berufsverkehr überfüllt. Seitdem hat die CSU- geführte Regierung jede Menge Zeit und Steuergeld für immer neue Gutachten und Pläne verplempert. Man kann das als Konjunkturprogramm für Ingenieure werten, aber außer Ankündigungen kam nichts zustande. Stattdessen wurde das Projekt eines Ausbaus der S 4 immer weiter eingedampft.

Martin Runge hat stets gewarnt, ein zweiter S-Bahntunnel in München parallel zur Stammstrecke sei verkehrstechnisch unsinnig, verbessere das Angebot auf der S 4 nicht und blockiere obendrein alle anderen Ausbauten auf Jahrzehnte, weil Milliarden in die Röhre versenkt werden. Die Finanzierungsvereinbarung über den zweiten Tunnel sowie das Fahrplankonzept für die S-Bahn für die Zeit nach der Eröffnung geben ihm recht. Auch sein Vorwurf, die Verantwortlichen hätten das Projekt hinter den Kulissen längst beerdigt, ist plausibel.

Man bedenke nur das unseriöse Agieren der Regierung: Als die Bürgermeister einen provisorischen dreigleisigen Ausbau vorschlugen, wurden sie abgebürstet. Das sei zu popelig und bringe nur einen Stolpertakt. Dann verkündete Innenminister Joachim Herrmann (CSU), drei Gleise reichten vollkommen aus. Vor Weihnachten erklärten die Experten, ein weiterer provisorischer Bahnsteig in Bruck bringe nichts, weil die Strecke so überlastet sei, dass keine Regionalzüge halten können, und man müsste auch noch neue Weichen einbauen. Jetzt heißt es, ein dauerhafter Bahnsteig sei sinnvoll und Regionalzüge könnten ohne weitere Maßnahmen halten.

Um diesen Stillstand aufzubrechen, wäre massenhafter Protest der Pendler nötig. Bloß haben die vermutlich ebenso resigniert wie mancher gutwillige Kommunalpolitiker. Jammern allein hilft aber nichts, ohne Einsatz für ein besseres Bahnangebot wird sich die Verkehrssituation angesichts des Zuzugs immer weiter verschlechtern.

© SZ vom 13.02.2017
Zur SZ-Startseite