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Kommentar:Vorbildliche Abgeordnete

Katrin Staffler (CSU) und Michael Schrodi (SPD) schlüsseln auf ihrer Homepage transparent auf, was sie verdienen

Von Stefan Salger

Bisweilen entsteht der Eindruck, ein Abgeordnetenmandat sei für manchen Politiker nur ein Nebenjob, der dem Knüpfen von Geschäftskontakten dient. Das gilt ausdrücklich nicht für die beiden noch recht jungen Abgeordneten Katrin Staffler (CSU) und Michael Schrodi (SPD), die ihre erste Amtsperiode in Berlin absolvieren. Beide haben mit Reden im Bundestag auf sich aufmerksam gemacht (allein Schrodi 31-mal) und Statements zur Tagespolitik abgegeben.

Pluspunkte sammeln sie aber auch auf einem anderen Feld: für ihren Umgang mit dem Thema Transparenz. Sowohl Staffler, 39, als auch Schrodi, 43, schlüsseln an prominenter Stelle auf ihrer jeweiligen Homepage sehr detailliert auf, was sie, ebenso wie alle anderen Abgeordneten, verdienen. Sie gehen damit als "gläserne Abgeordnete" einer Neiddebatte nicht aus dem Weg und senden das Signal aus: Wir haben nichts zu verbergen.

Das ist vorbildlich. Bei der Lektüre der Einkünfte und Pauschalen wird deutlich, dass Abgeordnete ordentlich und angemessen für ihre zeitraubende Arbeit entschädigt werden. Der Schluss liegt nahe, dass sie keine Zeit für zusätzliche Tätigkeiten haben und auch ohne lukrative Nebenjobs gut über die Runden kommen. Abgeordnete sind zudem fürs Alter gut abgesichert. Das ist gut so, denn sie sollen sich ohne Existenzängste ganz auf ihre Arbeit im Sinne der Bürger konzentrieren können. Die Biochemikerin Staffler und der Gymnasiallehrer Schrodi verzichten ebenso auf lukrative Nebentätigkeiten wie alle anderen Bundestagsabgeordneten in den beiden Wahlkreisen des Landkreises.

Mit Blick auf die Skandale rund um millionenschwere Provisionen für die Vermittlung von Mund-Nase-Masken durch prominente Unionspolitiker würde man sich wünschen, dass dies zur Regel wird. Auch bei einem generellen Verbot finden sich gewiss genügend Menschen, die den Abgeordnetenjob nicht als Steigbügel, sondern als Berufung begreifen. Wem es nur oder vor allem ums Geld geht, der war und ist in München oder in Berlin fehl am Platz. Sollte ein Verbot von Nebentätigkeiten den einen oder anderen im Parlament ohnehin überrepräsentierten Juristen von einer Kandidatur abhalten, so wird die Gesellschaft daran nicht zerbrechen.

© SZ vom 22.04.2021
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