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Kommentar:Unverzichtbar für die Energiewende

Windkraftanlagen gehören zu einer modernen Gesellschaft

Von Stefan Salger

Sind moderne Windräder, die sich gemächlich im Kreis drehen, nun etwas Schönes - so wie es alte Windmühlen sind? Oder stellen sie eine Verspargelung der Landschaft dar? Das ist Geschmackssache. Fakt ist, dass sich auch viele Skeptiker daran gewöhnen und erkennen, dass solche Anlagen eben zu einer modernen Gesellschaft mit ihren Bedürfnissen gehört wie Straßen und Gewerbebauten. Zumal sich ein Blick auf die Alternativen lohnt. Wer hätte lieber ein Kohlekraftwerk oder ein Atommüll-Endlager vor der Haustür oder schafft es, den eigenen Strombedarf deutlich zu reduzieren? Und wer will, dass noch mehr Schneisen für Masten und Leitungen durch die Landschaft geschlagen werden als heute schon nötig, um Strom vom Norden Deutschlands in den Süden zu transportieren?

Nein sagen nach dem Sankt-Florians-Prinzip ist einfach. Praktikable Alternativen aufzuzeigen, die nach dem Stand der Technik nicht ohne regionale Stromerzeugung per Photovoltaik und Windkraft funktionieren werden, ist komplizierter. Fast schon originell wirkt es, wenn Windkraftgegner die Wasserstofftechnologie als Alternative zur Windkraft nennen. Wasserstoff dient als Energiespeicher. Um ihn zu füllen, muss die Energie also erst einmal erzeugt werden - und das wegen der schnell voranschreitenden Erderwärmung ohne fossile Brennstoffe.

Es ist schon interessant, wie Menschen plötzlich zu glühenden Verfechtern des Tierschutzes werden, sobald ein Windrad in der Nähe gebaut werden soll. Wie sie den Himmel nach Rotmilanen oder Wespenbussarden absuchen und den Boden nach seltenen Pflanzen. Und plötzlich ist der Fichtenbestand zwischen Jesenwang und Grafrath sakrosankt, obwohl doch alle Forstwirte wissen, dass er besser heute als morgen durch einen klimaresistenteren Mischwald ersetzt werden sollte.

Ein großer Vorteil von Windrädern liegt darin, dass sie sich im Gegensatz zu Bergbau nebst Kohlekraftwerken sowie Atomkraftwerken schnell und nahezu rückstandslos abbauen lassen, wenn sie ihr Soll erfüllt haben oder eine bessere Technologie zur Verfügung steht.

© SZ vom 27.06.2020
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