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Kommentar:Unnütze Schildchen

Die Zusatzschilder an den umstrittenen Brucker Straßennamen sind in der jetztigen Form sinnlos und nicht mehr als ein Zeichen für den fehlenden Mut der Stadträte

Zusatzschildchen zu Straßennamen können durchaus sinnvoll sein. Dann nämlich, wenn die Person, an die erinnert wird, den Zeitgenossen nicht mehr geläufig ist. Die Zusatzschildchen für die umstrittenen Straßennamen in Fürstenfeldbruck taugen jedoch nichts. Das zeigen schon die dürren Angaben, die Oberbürgermeister Erich Raff in der Hindenburgstraße hat anbringen lassen. Denn zur Erklärung der Person des ehemaligen Reichspräsidenten tragen sie wenig bei. Wer mit Hindenburg nichts anfangen kann, der fragt sich höchstens, weshalb die Stadt an jenes Staatsoberhaupt erinnert, das Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hat. Und wer etwas mit dem Namen Hindenburg anfangen kann, der hält ihn als Namenspatron für ungeeignet.

Niemand würde heute noch eine neue Straße nach Hindenburg benennen wollen. Der Mann, der schon als Zwölfjähriger mit dem Besuch einer Kadettenanstalt die Soldatenlaufbahn antrat, ist längst zu einem Symbol des preußischen Militärstaats und dessen Großmachtstrebens geworden. Hindenburg hat uns nichts Sinnvolles mehr zu sagen, er kann uns in keiner Weise mehr Vorbild sein (wie es ein Gutteil unserer Vorfahren glaubte). Da hilft auch kein Zusatzschildchen. Sein Name gehört aus dem Brucker Straßenverzeichnis entfernt.

Diesen Schritt aber will die Mehrheit des Brucker Stadtrats nicht gehen. Sie verweist auf die Historie. Straßenbenennungen gelten ihr offensichtlich als Fortführung des Geschichtsunterrichts. Mit Zusatzinformationen soll erreicht werden, dass sich Passanten, die den Straßennamen lesen, mit dem Namenspatron befassen. Mag sein, dass dies in Bad Tölz - mithilfe der Stelen - gelingt. Die Brucker Zusatzschildchen mit ihren wenigen Halbsätzen können dies aber bestimmt nicht leisten. Sie sind nur ein Alibi für den mangelnden Mut der Stadtpolitiker.

Wenn die Zusatzschildchen überhaupt einen Sinn haben sollen, dann kann dieser nur darin liegen, den Streit um die Ehrung eines dafür längst Unwürdigen zu dokumentieren. Auf den Schildchen sollte also zu lesen sein, weshalb die Brucker Stadtratsmehrheit glaubt, dass der ehemalige Generalfeldmarschall weiterhin Straßenpatron sein soll.