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Kommentar:Souveräner Platzhirsch

Warum Landrat Thoams Karmasin am Ende doch wieder die 50-Prozent-Marke knackt

Thomas Karmasin trägt erneut einen Sieg davon. Er hat auch diesmal die 50-Prozent-Hürde genommen, wenn auch nicht ganz so klar wie vor sechs Jahren. Überraschend kommt der Erfolg nicht. Karmasin ist zwar vor allem bei Asylhelfern mit seinen markigen Sprüchen und seiner restriktiven Flüchtlingspolitik angeeckt. Und die Befürworter des viergleisigen S-Bahnausbaus kreiden ihm an, sich bei seinen Parteifreunden in der Landeshauptstadt nur halbherzig eingesetzt zu haben. Aber Karmasin hat nicht nur den Bonus des Amtsinhabers. Er tritt als Macher auf, kann sich gut verkaufen und verfügt über Humor. Bei der SZ-Podiumsdiskussion beantwortete er die Frage, warum er wiedergewählt werden soll, locker mit: "Weil ich's kann."

Das träfe vermutlich auch auf Christoph Maier zu, ebenfalls gelernter Rechtsanwalt, für den ähnliche Attribute gelten. Er sitzt zwar aktuell weder im Kreistag noch im Stadtrat. Gleichwohl kann er punkten mit Sachkenntnis, coolen Auftritten als Musiker, Ehrenamtsarbeit als Fußballjugendtrainer und der Erfahrung in der Asylhilfe. Als einziger gab er Karmasin im Wahlkampf ordentlich Contra und steckte auch noch viel eigenes Geld in den Wahlkampf. Mehr geht eigentlich nicht. Sein desaströses Abschneiden lässt sich nur mit dem Landes- und Bundestrend erklären. Angeblich ist bei Bürgermeister- und Landratswahlen die Person wichtiger als die Parteizugehörigkeit. Aber eben nur angeblich.

Das zeigt auch Jan Halbauer von den Grünen. Der 35-Jährige ist ein smarter Politiker, der in vielen Gremien vertreten ist und eine Parteikarriere vor sich haben könnte. Aber er verfügt in seinem fast jugendlichen Alter noch nicht über die Rhethorik, Souveränität und Überzeugungskraft, um einen Platzhirsch vom Schlage Karmasins vom Thron stürzen zu können. Etwa jeder vierte Wähler hat ihm dennoch seine Stimme gegeben (vor sechs Jahren schaffte Markus Rainer für die Grünen nur etwas mehr als die Hälfte). Ergebnisse, die den Bundestrend widerspiegeln: Die SPD kommt nicht aus dem Tief heraus, während der Höhenflug der Grünen anhält.

© SZ vom 16.03.2020
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