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Kommentar:Nur minimale Eingriffe

Naturschutz und ein möglichst großes Badevergnügen zu vereinen ist nur schwer möglich. Einen Ausweg bieten könnte der Vorschlag der Gröbenzeller Grünen

Auf der Internetseite des Erholungsflächenvereins gibt es eine interaktive Übersichtskarte, in der alle Erholungsgebiete in München und Umgebung eingezeichnet sind. Rote Markierungen stehen für fertiggestellte Areale, orangefarbene für diejenigen, die sich noch im Bau befinden. Grau markiert die Stellen, an denen ein Erholungsgebiet in Planung ist. Es gibt auf der Karte nur noch eine graue Markierung, im Westen Münchens, zwischen Olchinger und Langwieder See: Dieser letzte graue Punkt sind die Böhmerweiher.

Wenn sich die Grundeigentümer auf die Ausgestaltung des Geländes einigen können, wird auch dieser Punkt bald orange sein. Das ist schade. Sicher wird es von Vorteil sein, zwischen den Runden im großen Weiher auf eine richtige Toilette gehen zu können und seinen Müll in einem Abfalleimer, statt in der Hosentasche oder am Ufer zu hinterlassen. Doch mit Komforteinrichtungen kommen Regeln, die dafür sorgen sollen, dass der Komfort erhalten bleibt. Allerdings ist das allem Anschein nach nicht das, was der Großteil derjenigen, die sich regelmäßig auf dem Gelände aufhalten, will.

Naturschützer, Besucher und einige Politiker betonen die Unberührtheit der Böhmerweiher als ihre Besonderheit. Nur weil das seit vielen Jahren so ist, konnte sich gerade der kleinere Weiher nach Ende der gewerblichen Nutzung zu einem Biotop entwickeln. Der Bebauungsplan sieht vor, dieses unbedingt zu schützen. Denn die Natur sieht man durch die bislang erfolgte unkontrollierte Nutzung nicht als bewahrt, sondern eher als gefährdet an. Das mag zutreffen und es ist gut, dass solche Überlegungen in die Planung einbezogen werden.

Die Frage bleibt jedoch, ob eine Ausstattung des restlichen Areals mit Sport-, Sanitär- und Imbiss-Möglichkeiten nicht mehr zerstört als der Biotopschutz rettet. Denn solche Optionen ziehen mehr Menschen an. Allein diese Tatsache wird der Naturerhaltung ganz sicher nicht entgegenkommen.

Inwieweit sich eine quasi-kommerzielle Nutzung generell je mit der von so vielen geschätzten Naturbelassenheit vereinbaren lässt, ist fraglich. Eine mögliche Zwischenlösung scheint der Vorschlag der Gröbenzeller Grünen zu sein, das Areal als Naturerlebnisgebiet mit begrenzter Badenutzung und nur minimalem Eingriff in Form von zum Beispiel Mülleimern und Mobiltoiletten zu etablieren. Die Böhmerweiher kämen auf diese Weise vielleicht nie in die rote Konfliktzone - und als erste ihrer Art könnte man ihnen auf der Karte des Erholungsflächenvereins eine ganz neue Farbe verleihen.